147 – Sturmernte

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Explosionen untermalten den Sonnenaufgang. Binnen Minuten, nachdem die Truppen der neuen kalifornischen Republik mit ihrem Sturmangriff begonnen hatten, hatte sich ein chaotisches Schlachtfeld entwickelt. Aus dem Boden um die Anlage waren Geschütztürme in den Himmel aufgestiegen, wie 40 Meter hohe Monumente, und hatten das Feuer auf die Angreifer eröffnet. Die erste Welle Infanterie fiel dem überraschenden Erstschlag zum Opfer, während die zweite noch rechtzeitig Deckung gefunden hatte. Es war ein Schlachtfeld und viele Soldaten starben, bis die großen Bordgeschütze der Midway ein gutes duzend der Verteidigungstürme ausgeschaltet hatten. Schreie, Schmerz und Verzweiflung breiteten sich aus, als die Trümmer der Türme weitere Soldaten trafen, die zu Kollateralschäden in dieser Materialschlacht des Wahnsinns wurden.

Niemand würde den heutigen Tag je vergessen, egal wie es ausgehen mochte. Als schließlich die äußeren Barrikaden überwunden waren, setzte auch der Bunker seine Bodentruppen ein, die mit Schockstäben und nur einer Grundausbildung den Berufssoldaten haushoch unterlegen waren. Trotz allem schafften sie es alleine durch ihre Menge, die Angreifer für eine ganze Zeit in Schach zu halten. Zeit, die Angela Porter nutzen musste, um sich ihren Weg durch das Trümmerfeld freizukämpfen. Der Einzige, der dieses Gemetzel stoppen konnte, saß einige Meilen weiter auf der Brücke des Flugzeugträgers und spielte großer Stratege, während die Stadt und ihre verbliebenen Hochhäuser eines nach dem anderen dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Schließlich schaffte es Angela, sich einen der Jeeps der nachrückenden Truppen zu schnappen und Richtung Hafen zu rasen. Sie musste sich Forbes persönlich stellen, um das hier zu beenden. Auf Funkbotschaften des Bunkers hatte er nicht reagiert. Immer mehr und mehr Zivilisten stürmten aus dem Bunker ins Freie, um für ihr blankes Überleben zu kämpfen und ihren Kameraden im Bunker mehr Zeit zu verschaffen, um so viel wie möglich durch die unterirdischen Tunnel in Sicherheit zu bringen.

Was über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte in San Francisco aufgebaut worden war, fiel in wenigen Stunden und wurde ein Opfer der Flammen, Explosionen oder herabstürzenden Flugzeuge. So wollte und konnte keine der beiden Seiten nachgeben und jeder musste unerbittlich gegen den anderen vorgehen. Und was die Pflanzen übrig gelassen hatten, das wurde spätestens jetzt vom Angesicht der Erde getilgt. Angela kämpfe um jede Minute, die sie schneller ihrem Ziel näherbrachte. Sie musste es schaffen, bevor der Widerstand des Bunkers endgültig gebrochen war und bevor Forbes auf die Idee kommen könnte, mit Thors Hammer einfach beide Fraktionen vom Schlachtfeld zu tilgen.

Schließlich erreichte sie trotz Sperrfeuer den Hafen und schaffte es, ein schnelles Motorboot zu requirieren, das den Torpedos und Bordgeschützen ausweichen konnte. Angela durfte nicht aufgeben. Sie musste ihre Familie beschützen und sie musste Forbes zur Verantwortung ziehen. Nicht nur für Frederiksen und seine Tochter. Nicht nur für Amy und ihre Schwester. Es ging um den Fortbestand der Menschheit, der mit jedem weiteren Toten immer schwerer zu bewahren schien. Als sie sich schließlich mit letzter Kraft an Bord der Midway geschafft hatte, verließen sie die Kräfte und so war es für die Mannschaft viel zu leicht, sie zu überwältigen. Und trotzdem hatte sie ihr Ziel erreicht. Sie stand vor Martin Forbes, zu dem sie einst aufgesehen hatte, wie zu einem Vater. Und der für so viel Schmerz und Leid die Verantwortung trug, was ihn nicht besser machte als Präsident Foster. Es würde jetzt enden – es musste einfach …

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