146 – Der Phoenix erhebt sich?

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»Du verdammter Idiot!« – Angela hatte sich durch die Mengen an Schutt und Trümmer gekämpft. Und dann hatte sie ihn gefunden. Vorsichtig legte sie den leblosen Körper frei. Und ein Gefühl hilfloser innerer Zerrissenheit kämpfte sich an die Oberfläche. Wärme Tränen rannen ihre Wangen herunter, als sie Frederiksen an sich drückte. Er sah wirklich übel aus und es grenzte bereits an ein Wunder, dass die Explosion überhaupt etwas von ihm übrig gelassen hatte. Blutige, dreckige Striemen zierten sein Gesicht, der verbliebene Arm schien an mehreren Stellen gebrochen, inklusive der Hand selbst. Unzählige Blutergüsse und Schürfungen überzogen alle sichtbaren Stellen. »Frederiksen, du selbstsüchtiger Hornochse!«, murmelte sie kaum hörbar vor sich hin, während sie laut zu schluchzen begann.

Sie hatten ihn gefunden, als sie dem Ursprung der Explosion nachgegangen war. So sicher war sie sich gewesen, dass diese Bombe die Anlage zum Einstürzen bringen würde und jetzt hatten sie überlebt. Viel mehr noch, die Schäden sahen vor allem oberflächlich aus. »Wie hast du das nur gemacht?« – Die Zeit hätte unmöglich gereicht, um die Bombe aus dem Komplex zu schaffen, zumindest auf einem herkömmlichen Weg. Der Teufelskerl musste irgendeine Form von Gebläse gefunden haben, das die Bombe in irgendeinen Luftschacht bis fast an die Oberfläche gebracht hatte, bevor sie detonierte. Und für diese Fälle war der Bunker mehr als stabil genug gebaut worden. Frederiksen hatte ihr Leben gerettet. Ihr Jammern wurde immer lauter und sie fühlte sich, als würde sie fallen – obwohl sie am Boden kniete, Frederiksen fest umklammert und die Welt außerhalb ausgeblendet.

Sie merkte nicht, dass sich in ihren Armen ganz langsam Leben rührte. Ein Stöhnen ließ sie zurückschrecken und der Doktor landete sehr unsanft auf dem Rücken. »Ahhh, das tut weh …« – »Du … das kann nicht sein. Wie bist du …« – es passierte selten, dass die Soldatin absolut sprachlos war. Und aus den Trauer- wurden Freudentränen. »Jonas! Jonas! Er lebt!« – »Ich habe … wohl den richtigen Knopf erwischt … Argh! Wo … wo ist Emanuel …« – »Keine Ahnung?! Jetzt müssen wir uns erstmal um dich kümmern!«, Angela rief erneut nach Verstärkung. Neben Jonas kamen noch eine Handvoll Wachen, die halfen, Frederiksen auf die Krankenstation zu bringen. Während sie langsam den geschundenen Biologen aufnahmen, wären sie beinahe über einen abgerissenen rechten Arm gestolpert. Von dessen Besitzer fehlte allerdings jede Spur. Unterwegs verlor Frederiksen wieder das Bewusstsein.

In diesem Moment erschütterte der erste Treffer den Komplex und erinnerte alle daran, dass die neue kalifornische Republik noch vor den Toren auf sie wartete. Was für ein Wahnsinn! Bei der Untersuchung behielt der Basisarzt eine sorgenvolle Miene auf und nahm Angela kurz beiseite. »Mir fehlt die Erfahrung in so einem Fall. Der Zustand ist kritisch. Wir haben ihn jetzt erstmal in ein künstliches Koma versetzt. Wenn er den heutigen Tag übersteht, bestehen gute Chancen, dass er wieder auf die Beine kommt, ob wir seinen Arm noch retten können, weiß ich leider noch nicht.« – Angela schluckte, wischte die Sorgen aber erstmal beiseite, denn ihre Aufgabe war noch nicht erfüllt. »Pass du auf deinen Dad auf«, legte sie dem Mädchen kurz die Hand auf die Schulter, bevor sie sich an den Schaulustigen vorbei aus dem Raum drängte. »Was haben Sie vor?«, rief ihr Jonas hinterher und versuchte Schritt zu halten. »Etwas, dass ich schon vor langer Zeit hätte tun sollen … hat die Basis Verteidigungsanlagen?« – er hielt kurz inne, bevor er antwortete: »Ja, wir haben einige Geschütztürme aktiviert. Das wird sie wohl aber nicht lange aufhalten, wenn da wirklich eine Armee vor der Tür steht.« – »Gut, ich werde mich darum kümmern«, wischte sie sich die letzten Spuren der Tränen aus dem Gesicht, wieder voll und ganz auf ihre Aufgabe fokussiert. »Haltet bitte, so gut es geht, die Stellung. Ich kümmere mich um das Problem!« Sie hatte keinen Arzttitel, trotzdem würde sie einen Hausbesuch machen und dem Ganzen ein Ende setzen. Forbes sollte sich warm anziehen!«

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