145 – Mit wehenden Fahnen

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»Nichts, Sir!« – dem Corporal war sein Unwohlsein groß auf die Stirn tätowiert, als er Forbes die schlechten Nachrichten überbrachte. »Was heißt das: nichts? Die Bombe muss vor fünf Minuten explodiert sein und zumindest starke Schäden angerichtet haben!« – »Sir, unser Seismograph hat auch eine Erschütterung wahrgenommen, diese  war allerdings kaum der Rede wert! Ich befürchte, dass es nicht funktioniert hat.« Forbes wütende Faust traf das Geländer, das einen dumpfen Klang von sich gab. Den Schmerz ignorierend bellte er seine Befehle in die Runde: Sie würden angreifen, ob der Feind jetzt geschwächt war oder nicht. Beginnen würden sie mit einem Bombenteppich, der zwar den Bunker selbst nicht erreichen konnte, vielleicht aber die da unten zumindest ordentlich durchschütteln würde. Danach rückte die Infanterie gedeckt durch die zwei großen Bodengeschütze der USS Midway vor. Von allem, was die Aufklärung bisher in Erfahrung bringen konnte, war nicht mit viel Gegenwehr zu rechnen. Die anderen Anlagen der Präsidentialen waren nicht mehr als rauchende Ruinen gewesen, von ihrer eigenen Waffe überrannt. So hatte es ja auch den nahe gelegenen Kuppelbau bereits erwischt.

Warum verdammt hatte die Explosion so wenig Wirkung gezeigt? Und waren diese Unfähigen überhaupt bis ans Ziel gekommen? »Können Sie das Epizentrum der Erschütterung durch unsere Scanner ausmachen, Hicks?« Der Corporal nickte kurz, wischte sich den Schweiß von seiner Stirn und verschwand. Währenddessen trafen die ersten Statusmeldungen der Einsatzgruppen ein. Soweit so grün. Noch stand er mit Fernglas auf der Brücke der Midway und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen, während sich hinter ihm der große Planungsbildschirm langsam mit grünen Punkten der einzelnen Einheiten auf einer Umgebungskarte füllte.

»Und? Corporal?«, begrüßte er seinen Untergebenen, als dieser pflichtschuldig und unterwürfig zurückkehrte: »Sir, die Position entspricht etwa des Orts, wo wir diesen Bunker verortet haben, allerdings erfolgte die Detonation in nur etwa 10 Meter Tiefe.« Forbes ballte erneut die Faust, entließ seine Wut diesmal jedoch nur in Form eines tiefen, kehligen Knurrens, das den Corporal zusammenzucken ließ. »Also los! Machen wir unseren ersten Zug!«

Immerhin, so versuchte er sich selbst zu beruhigen, war dies das allererste Mal seit dem Beginn dieses Schlamassels, dass sie aus ihrer permanenten Verteidigungsstellung herausgekommen waren und das musste doch auch etwas wert sein. Wirklich genießen würde er es erst, wenn sie diesen verdammten Bunker gestürmt und diesen Wahnsinn endgültig und für alle mal beendet hatten. Zum ersten Mal seit Jahren fingerte der Altmilitär eine Zigarre aus der Innentasche seines Jacketts, schnitt sie behände an und befeuerte sie paffend. Hustend stellte er fest, wie trocken das gute Stück geworden war und dass er vielleicht doch zu lange mit dem Aufrauchen gewartet hatte. Nach ein paar Zügen ließ dieses Gefühl jedoch nach und das wohlige Aroma durchströmte seine Nasenflügel.

Auch wenn er nicht mit Gegenwehr rechnete, konnte das Manöver Stunden dauern und langsam schickte sich die Sonne am Horizont an, den nächsten Tag anzukündigen. Wenn sie sein kleines Trojanisches Bombenpferd nicht angenommen hatten, war leider jeder Überraschungsmoment dahin. Was auch immer das bedeuten würde, er rechnete mit nichts Gutem. Es musste etwa derselbe Moment gewesen sein, als das erste grüne Licht auf der Karte kurz gelb aufflackerte, um dann rot zu blinken. Und in der monddurchfluteten Nacht flammten leuchtende Blitze in den Himmel. Die Schlacht um San Francisco und die Zukunft der Menschheit hatte begonnen und er, General-ade Martin Forbes würde es zu Ende bringen!

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