143 – Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben…

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[…]

»Also gut, dieses Ding tickt!«, sprach Frederiksen das aus, was alle dachten, als Angela die äußere Abdeckung der Bombe entfernt hatte. Und die Zeit spielte klar auch gegen sie, denn auf dem Timer war nicht mal mehr eine halbe Stunde übrig. Und obwohl Captain Obvious natürlich recht hatte, hätte sie ihm am liebsten ein Gewinde in den Hals gedreht. Jetzt knieten sie im Kreis über der Höllenmaschine inmitten des Verhörraums. »Noch 34 Minuten! Kannst du sie entschärfen, Angela?« – Jonas sah sie mit einem Blick zwischen naiven Staunen und aufkeimender Furcht an.

»Ich glaube, wir haben da ein Problem! Jonas, reicht die Zeit, die Bombe irgendwo an die Oberfläche zu bringen? Habt ihr Fahrzeuge oder noch besser Flugzeuge?« – der leere, schweigende Blick sagte leider viel mehr aus, als Angela wissen wollte. Sie war wirklich keine Expertin, aber die meisten Standard Sprengladungen, hatten genug Wirkung, um ein anständiges Loch in den Komplex zu reißen, wenn ihn nicht sogar zum Einsturz zu bringen. Sie erhob sich und machte einen Schritt auf den immer noch an einen Stuhl gefesselten Ed zu. »Du hast gezeigt, was für ein harter Kerl du bist, jetzt gib uns den Code!«

Lt. Ed Smith spuckte ihr Blut vor die Füße: »Verräterin! Forbes hat gewusst, dass Frederiksen Sie umdrehen würde. Lieber sterbe ich, als meine Mission zu gefährden!« Angela seufzte. »Gibt es einen tiefen Brunnenschacht? Oder wie seid ihr hier rein gekommen? Wenn wir das Ding nicht entschärfen können, müssen wir es hier schnell rausbringen!« Frederiksen sah sie herausfordernd an: »Wenn die Bombe hier in die Luft fliegt, tötet sie nicht nur Zivilisten, sondern auch meine Tochter. Wenn ihr mir sagt, wie ich hier am schnellsten rauskomme …« – Niemand hatte auf Emanuel geachtet, der die ganze Zeit über auf der anderen Seite des Raums an seinen Stuhl gefesselt darauf gewartet hatte, an die Reihe zu kommen. Ein Fehler, denn durch die Ablenkung hatte er sich befreit, den Stuhl, auf dem er gesessen hatte, an der Wand zertrümmert und blitzschnell den überrumpelten Biologen in den Schwitzkasten genommen. Ein scharfer Splitter des Tischbeins in der anderen Hand, direkt auf Frederiksens Halsschlagader zeigend. »Es wird Zeit, das Spiel zu beenden! Ihr gebt dem guten Doktor jetzt die Bombe in die Hand und dann lasst ihr uns hier raus!«

Angela ging in Verteidigungsstellung, hätte aber unmöglich Emanuel überwältigen können, ohne dass dieser Frederiksen zuerst erledigt hätte. Sie fluchte innerlich! Sie durfte ihn nicht auch noch verlieren … und was war das mit seiner Tochter? Eine hereingerannte Wache hielt ein Gewehr im Anschlag, zögerte aber. »Abrahams, halten Sie sich zurück«, kommandierte Jonas seinen Wachmann aus dem Weg. Sie hatten vorläufig keine andere Wahl, als Emanuel ziehen zu lassen, zumal die Zeit immer weiter ablief. Was hatte dieser Irre nur vor? Kaum hatte sie Frederiksen den Kasten in den verbliebenen linken Arm gedrückt, war Emanuel mit ihm auch schon durch die Tür und hatte diese mit dem Stuhlbein blockiert. »Folgt uns nicht … es ist sowieso schon zu spät!«, rief er den Zurückbleibenden entgegen, während er Frederiksen mit sich zog und im Ausgang verschwand. Angela, Abraham und Jonas stemmten sich gegen die Tür, es dauerte aber fast eine komplette Minute, bevor das Stuhlfragment nachgab und schließlich zerbarst. »Geben Sie Großalarm, wir müssen sie aufhalten! Und wehe, es schießt einer auf die Bombe!«, rief Jonas seinem Mann zu, und folgte Angela, die bereits durch die offene Tür gespurtet war und die Verfolgung aufgenommen hatte.

»Scheiße, wo sind die hin!«, blieb Angela an der ersten Gabelung des Ganges kurz stehen und Jonas konnte aufschließen, »Wo kann dieser Irre am meisten Schaden verursachen?« Ohne weitere Worte wies Jonas auf die linke Abzweigung. Einen schier endlosen Gang später standen sie inmitten eines riesigen Versammlungssaals, in dem vor wenigen Stunden das Attentat auf Elijah stattgefunden hatte. Inzwischen war hier aber alles leer und von den beiden anderen keine Spur: »Das ist eine Sackgasse! Wohin jetzt?« – »Den meisten Schaden kann er anrichten, wenn er die Bombe dort oben an der Decke zündet.« – Angela schrie laut auf, sodass es unendlichfach von den Wänden zurückgeworfen wurde und sicher durch die halbe Anlage hallte … nur noch wenige Minuten! Sie hatten verloren …

Ende Kapitel 19

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