139 – Gedanken eines einfachen Frontsoldaten

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[…]

Ed schwitzte unter der Lampe. Das ganze Szenario hatte etwas von einem schlechten Gangsterfilm, nur dass das hier aus irgendwelchen Gründen ein Doppelverhör zu sein schien. Der Typ neben ihm kam ihm bekannt vor. Er musste ihn irgendwo auf der Basis schon mal gesehen haben. Hatte Forbes ein B-Team geschickt und es ihm verschwiegen? Dann blickte er nach oben zu der sich über ihn beugenden Gestalt seines Gastgebers. Wie bei allen Typen hier schien auch bei ihm Weiß die neue Modefarbe zu sein.

»Wer hat dich geschickt, wer hat dich beauftragt, diese Bombe in unsere Mitte zu bringen?« Der Typ wies auf den Rucksack, den Ed mit auf ihre Expedition gebracht hatte. Hätte er ihm die Frage beantworten sollen? Ed hatte gewusst, dass das hier ein Selbstmordeinsatz sein würde. Er hatte immer das getan, was Forbes ihm befohlen hatte. Und dafür hatte er sich des Respekts des alten Soldaten sicher sein können. Und wenn man ihm den Befehl gab, eine Bombe in das Herz des Bunkers zu bringen, dann war es eben genau das.

»Deine Freunde können dir nicht helfen, also solltest du kooperativ sein! Ansonsten endet deine Reise hier!« Zu viele schlechte Kriminalfilme gesehen, war Eds eindeutiges Urteil für seinen Verhöroffizier. Und wie er seinem Leidensgenossen nebenan ansehen konnte, scheuten sie weder Folter noch Gewalt. Dabei war doch hinlänglich bekannt, dass Folter kein wirksames Mittel war, eine Wahrheit zu erfahren. Irgendwann war das Opfer gebrochen und sagte genau das, was der andere hören wollte. Da spielte es keine Rolle, ob es die Wahrheit war, oder derjenige bloß um Erlösung bettelte. Und dem Anderen schwoll das rechte Auge zu, während Lippen und Nase dick und blutig waren.

Eigentlich ein grausames Spiel des Schicksals, dass er nur hier war, weil er überlebt hatte. Eigentlich hatte er fest damit gerechnet, im Bunker in Newark zu sterben wie seine Kameraden. Doch eine Laune des Schicksals verschonte ihn an diesem Tag. Und ihm hatte sich die Chance eröffnet, seine Position als kleiner Stabsoffizier aufzubessern. General-Ade Martin Forbes persönlich hatte ihn nach der Rückkehr zu sich rufen lassen, weil er in ihm eine Bestimmung gesehen hatte, wie er sagte. Gut, statt eines grausamen Tods würde er bei einer Explosion sterben, aber Mann, was für ein Trip.

Dann sauste eine Faust auf seine Wange herab und die Wucht ließ den Stuhl beinahe umfallen. Ob es weniger weh getan hätte, von der Pflanze zerfetzt oder vor der Explosion noch verprügelt zu werden? Eigentlich hätte ihm das einerlei sein können. Möglicherweise hätte er sich ein paar der Prügel erspart, hätte er sein Standardsätzchen von Name, Dienstgrad und Einheit heruntergebetet. Aber wozu, wenn sie alle in ein paar Stunden sowieso tot waren.

Natürlich war Forbes auf Nummer sicher gegangen, als er Ed den Auftrag gegeben hatte. Für den Fall, dass sie gefangen genommen wurden, würde die Bombe durch einen auf 6 Stunden gestellten Zeitzünder explodieren. Das sah man der Höllenmaschine nicht an, aber darin bestand ja der Trick. Mit dem Abnehmen des Rucksacks hatte er den stillen Countdown aktiviert, der ihm eine ihm unbekannte Zeit gab, sich auf den Gang zu seinem Schöpfer vorzubereiten.

»Wir wollen dir wirklich nicht weh tun, aber …« – setzten sie hier ihre Lieblingsplattitüde ein, ergänzte er in Gedanken. Je weniger er sagte, desto besser. Sonst würde er noch das Geheimnis der Bombe preisgeben, und zum Teufel, so kurz vor dem Ziel würde er die Operation auch zu Ende bringen. Nicht schlecht für einen ehemals gemeinen Fußsoldaten. Und doch nicht gut genug, denn es traf ihn der nächste Fausthieb. Die Zeit verging einfach zu langsam. Warum konnte das Ding nicht in die Luft fliegen und er seine Ruhe haben. Eine Flucht war sinnlos, weil er nie und nimmer rechtzeitig wegkam. Und die Bombe entschärfen, wie wahrscheinlich war denn das, wenn sie nicht mal wussten, dass die Bombe bereits tickte.

Er hatte seine Mission erfüllt und für seine Familie würde gesorgt werden, denn er würde als Patriot für sein Vaterland in Erfüllung seines Diensteides fallen. Und das ließ ihn den dritten und vierten Hieb kaum noch spüren. Das Endspiel hatte begonnen …

[…]

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