138 – Den Funken am Leben erhalten

chap019

[…]

Sie hatte Frederiksen mit sich gezogen und ihn vorläufig in Sicherheit gebracht. Er konnte immer noch nicht glauben, was da gerade geschehen war. Von außen drangen dumpf die Schreie und Rufe der Kakophonie des Wahnsinns durch die Tür, doch für den Moment, schien das hier der beste Ort für eine zumindest kurze Verschnaufpause. »Was ist da gerade passiert?!« – das Mädchen sah ihn mit Verzweiflung und Tränen in den Augen an. »Es ist … es war der Soldat, der mich hier hergebracht hat. Er ist ein böser Mensch und …« – »Er hat Elijah kaltblütig erschossen. Elijah ist …« – »Komm her …«, er nahm sie in den Arm, doch sie riss sich wieder los. – »Es ist alles so verwirrend! Ich … wir …«, sie kämpfte die Tränen nieder und wischte sich den Blick wieder klar: »Das war nicht euer Plan, oder? Ihr seid nicht nach Nova Cisco gekommen, um unserer Gemeinschaft zu schaden?« – es schwang etwas Zweifel in ihren Worten, aber Frederiksen konnte es der jungen Frau nicht verdenken.

Er atmete schwer ein und aus und hatte keine wirklich gute Antwort auf diese Frage – nicht dass vieles, was die letzten Tage passiert war, für ihn einen direkten Sinn ergeben hätte. Wie eine Achterbahnfahrt, auf der man ihn auf den Triebwagen festgeschnallt und ihm die Augenlieder nach oben geklebt hatte.

»Ich weiß, dass du mich nicht kennst, geschweige denn mir blind vertraust, aber das hier war nie mein Ziel … Ich habe mich immer treiben lassen, immer weiter vorwärts. Ich hätte etwas tun müssen, als ich das erste Mal die Chance hatte. Aber glaube mir, dass ich mit diesem grausamen Menschen nicht das Geringste zu tun hatte und nur sein Gefangener war.« – Er sah ihr tief in die grünen Augen, die sie nur von ihrer Mum geerbt haben konnte. Und für einen Moment glaubte er einen Schimmer Hoffnung zu erkennen, dass dies keine ausweglose Situation war, und dass sie das Blatt immer noch zum Guten wenden konnten. War es dass, was ein Elternteil ausmachte? Ein Gefühl von Sicherheit und Zuversicht zu schaffen, um dem Nachwuchs den Rückhalt in der Welt zu geben? War das vielleicht seine Aufgabe und Bestimmung, genau das für diese noch junge Gesellschaft zu tun?

»Wir müssen schnell handeln, bevor die Situation noch eskaliert! Du musst mir helfen! Jetzt wo Elijah fort ist, wer hat die Verantwortung? Wo finde ich ihn?« – Sie sah ihn weiter an und schien nicht zu verstehen, worauf Frederiksen hinauswollte. »Die Situation ist hässlich, und wenn die richtigen Leute jetzt die falschen Entscheidungen treffen, könnte es Krieg geben. Und glaube mir, in den letzten Wochen sind so viele Menschen genau wegen eben solcher Entscheidungen gestorben …« – sein verzweifelter Blick schwemmte alle Vorbehalte zumindest vorläufig weg und ein weiterer Funke Zuversicht blitzte aus ihrem Lächeln. Und ohne weitere Zeit zu verlieren, zog sie ihn an der Hand wieder hinaus in das Gemenge. Es grenzte an ein Wunder, dass Frederiksen die Hand, die ihn zog, nicht verlor. Sie führte ihn eine gefühlte Ewigkeit durch den nicht abreißenden Fluss an aufgeregt rufenden Menschen, bis sie durch ein Schott kamen und vor einer riesigen Glaswand standen, hinter der gerade zwei Menschen verhört wurden. Und beide waren ihm nur allzu bekannt …

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