136 – Die Flut

chap019

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Zak Lamm hielt sich einige Schritte hinter Angela und Ed. Er war Schreibtischtäter, und durch eine feindliche Basis zu schleichen sorgte für eine ordentliche Portion Adrenalin und Unbehagen. Lieber hätte er die Operation aus sicherer Entfernung über seinen Satelliten überwacht. Die kleinen wimmelnden Punkte auf einem Wärmebildscan waren doch viel schöner, als die Ego-Perspektive. Da machten auch die schusssichere Weste und der leichte Helm keinen wirklichen Unterschied. Wieso hatte er sich nur für diese Mission breitschlagen lassen? Ach so, na klar ‚Hilf mir Obi Wan Kenobi! Du bist meine letzte Hoffnung‘ … vielleicht war es auch ein antiquierter Gentlemankomplex, oder dass er vor Angela und ihren 1000 verschiedenen Arten ihn waffenlos umzubringen einfach eine zu große Angst hatte.

Sie waren wohl immer noch in den äußeren Bereichen der Basis und bis jetzt hatte sich noch überhaupt niemand blicken lassen. Flehend sah er zu den anderen herüber, die ihn jedoch einfach ignorierten. Ein scharfes ‚Mach dich nützlich‘ war bisher die einzige direkte Kommunikation gewesen, seitdem sie durch den Bahnhof hier eingedrungen waren. Wo die Bewohner dieser Anlage nur alle steckten? Das war alles riesengroß hier, als hatte man eine Notunterkunft für die halbe Stadt bauen wollen. Jetzt drückten sie sich an den Wänden eines langen Ganges entlang, der sie tiefer in den Bauch der Bestie führte. Wenn jetzt jemand kommen würde? Doch alles blieb ruhig – viel zu ruhig.

Die perfekte Gelegenheit ein ganz mieses Gefühl zu bekommen, doch er verkniff sich dieses überstrapazierte Standardzitat und blieb lieber noch einen weiteren Meter zurück. Und dann waren sie da. Von weiter Ferne hörten sie einen Knall, gefolgt von aufgeregten Stimmen und es gab keine Deckung weit und breit. Ehe sie auch nur die Chance hatten, in Deckung zu kommen, waren sie schon von einem Pulk an Menschen in weißen Overalls umgeben, einer Flut, die sie mit sich riss und ehe sie es sich versahen, wurden ihnen die Hände auf die Rücken gefesselt und Ed und er wurden in einen engen gefängniszellenartigen Raum gedrängt.  Die Party hatte wohl schon ohne sie angefangen und jemand meinte es nicht gut mit ihnen.

»Wollten wir nicht das Überraschungsmoment auf unserer Seite haben?«, warf er verängstigt ein, »Was die wohl mit uns machen werden?« – Ed drehte sich zu ihm um und blickte ernst. Man hatte ihnen alle Ausrüstungsstücke abgenommen und der Raum war vollkommen leer. Nicht mal der große Houdini wäre hier so ohne weiteres hinausmarschiert. Wo hatten diese Typen Angela hingebracht? Und wer zum Teufel hatte das ganze Chaos hier verursacht und damit ihren schönen Überraschungseffekt einmal mehr zu Teufel gejagt? Und wie konnte er sein Gehirn dazu bringen, sich mit all diesen Fragen nicht permanent im Kreis zu drehen und sich so langsam in eine Panikattacke hineinzusteigern? Erst die Backpfeife, die Ed ihm verpasst hatte, konnte ihn wieder zur Ruhe bringen, aber Zak war sich sicher: Sollte das nicht ihr letzter Einsatz sein, er würde nie wieder aus seinem sicheren Kontrollzentrum wagen. Hier fühlte er sich nur wie das vielbesungene fünfte Rad am Wagen. Und jeder neue Versuch, Ed in ein Gespräch zu verwickeln, um die Angst zu überspielen, wurde von diesem völlig ignoriert. Das würde ja noch ein schöner Aufenthalt werden …

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