134 – Chance und Leid

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[…]

Ein dumpfes Pochen in seinem Kopf holte ihn mit jedem pumpenden Schlag ein Stück weiter in das Hier und Jetzt zurück. Wie lange war er außer Gefecht gewesen? Und wo war er? Im Himmel, in der Hölle? Aber klar doch, sein schmerzender Rücken war das beste Indiz dafür, dass er trotz des Sturzes noch am Leben sein musste. Um ihn herum herrschte eine grimmige Finsternis, die nichts von dem makellosen Himmel hatte, in den er gestürzt war. Ob man schon nach ihm suchte? Da hatte eine Hand nach ihm gegriffen. Er war entdeckt worden und hatte reflexartig gehandelt. Und jetzt war er hier, wo immer hier war.

Sehr langsam gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und erste Schatten traten hervor. Weiterhin lag eine schwere Stille über allem und trotz der ersten Fragmente, konnte Emanuel nicht erfassen, wie er hier gelandet war. Tastend versuchte er weitere Hinweise zu finden und kroch vorsichtig auf allen Vieren vorwärts. Hier zu verweilen war sicher keine gute Idee. Wenn sie ihn nicht für tot hielten, wären sie sicher bald hier. Und auch wenn er sich über den Aufenthaltsort alles andere als sicher war, so war er überzeugt, immer noch in dieser fliegenden Stadt zu sein.

Dann sah er einen kurzen Lichtblitz aus der Ferne gefolgt von rufenden Stimmen, die sich von schräg oben auf ihn zubewegten. Das war wohl das Stichwort für seinen Abgang. Er zog sich auf die Beine und arbeitete sich halb blind voran. Er musste schnellstens ein Versteck finden. Ein scharfes Knacken zeriss das letzte bisschen Stille und er stürzte unvermittelt ein Stockwerk tiefer. Diesmal spürte er den Schmerz unmittelbar, weil sich Scherben in seine Hände und Knie bohrten. Er biss sich in die Zunge, die zu bluten begann und Mund und Rachen sofort nach Metall schmecken ließ.

Inzwischen sah er genug, um die gesplitterten Kuppen 2 Meter über ihm zu sehen. Dieser Raum war bedeutend kleiner und wirkte eher wie eine Abstellkammer. Von hier aus konnte er aber schemenhaft ein Schott erkennen, durch das er durch eine Schleuse zurück in die Anlage kam. Und dann wurde auch ihm bewusst, das er wieder in einem Bunkerkomplex gelandet war. Von wegen fliegende Stadt. Dann ertastete er etwas, das sich wie ein Bildschirm anfühlte. Ein Keyboard erwartete seine Eingabe. Er versuchte es mit seinem Gruppenzugangspasswort, aber da tat sich nichts.

Er musste hier schnellstmöglich raus, denn die Rufe und Lichtkegel der Suchteams hatten ihn bald eingeholt. Jetzt hatte er die hintere Wand erreicht und untersuchte sie nach möglichen Ausgängen oder Verstecken, wo er erstmal untertauchen konnte. Eine kleine Nische erwies sich als vielversprechend für den Zweck. Er würde hier seine Verfolger überwältigen und nach allen Regeln der Kunst interviewen. Er musste so etwas wie eine Waffenkammer finden oder sich anderweitig Ausrüstung verschaffen! Am Besten wäre etwas mit viel Sprengkraft, das dem Spuk hier ein jähes Ende setzen würde und ihnen die echte Möglichkeit eines Neuanfangs geben könnte. So wie es die Vision des Präsidenten gewesen war. Nicht dieses Pseudo-Zen-mäßige Gemeinschaftsgeschwafel. Damit konnten sie Frederiksen vielleicht manipulieren, ihn jedoch nicht!

Ende Kapitel 18

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