132 – Das andere Ende

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Das andere Ende präsentierte sich nicht ganz so offensichtlich, wie Angela es sich gewünscht hatte. Schlussendlich war es kein direkter Zugang zum geheimen städteübergreifenden Bahnnetz, sondern ein auffälliger, weil nicht zum Rest des Tunnels passender, Luftschacht. Durch ihn gelangten sie zwei Stockwerke tiefer ans Ziel. Dem letzten Tunnel mussten sie jetzt nur noch eine gute halbe Stunde westwärts folgen, um den Bahnhof zu erreichen. Das letzte Stück des Weges drückten sie sich an die Wände und arbeiteten sich immer vorsichtiger voran. Wie es aussah, war das aber gar nicht notwendig gewesen. Man hatte diese Bahnstrecke vor ein paar Wochen dichtgemacht und den Ausgang zum Bunker verschlossen. Wer auch immer sich darum gekümmert hatte, war verdammt gewissenhaft gewesen. Nicht nur, dass man das Portal zugeschweißt hatte, es war auch noch von der anderen Seite einbetoniert. Das fanden sie natürlich erst heraus, als sie mit einem portablen Schweißbrenner ein kleines Loch in das massive Tor gebrannt hatten.

Doch guter Rat war nicht teuer, sondern machte erfinderisch, oder war es die Not gewesen? Bei diesen alten Sprichwörtern, die sie das letzte Mal zu ihrer Jugend gehört hatte, war sie sich nie sicher. Der Luftschacht war vergittert und in der 3 Meter hohen Tunneldeckel eingelassen. Man hatte sich wohl keine Mühe damit gemacht, diesen Zugang abzusichern, weil niemand damit gerechnet hatte, dass irgendwer oder irgendetwas so weit kommen würde. Das wäre auch ein guter Eintrittspunkt für eine Pflanzeninvasion, dachte sie kurz, als sie sich für einen Moment in dem Gedanken verlor, wie genugtuend es sein mochte, die Purity-Pflanzen-Waffe in diesem Komplex zu entlassen, um mitzuverfolgen, wie die da drinnen an ihrer eigenen Superwaffe zu Grunde gingen.

Die Gitter stellten kein Problem dar – der Schneidbrenner machte seine Arbeit wirklich gut. Seit die Welt zum Teufel gegangen war, hatte man das Standardrepertoire der Soldaten mit solchen praktischen Gimmicks aufgestockt. Schließlich konnte man nicht wissen, wann man sich mal durch ein Gitter schweißen musste. Mittels Seilwinde konnten sie auch mehr oder minder bequem jemanden da hochziehen. Der Schacht selbst führte dann in ein Labyrinth aus weiteren Schächten. Wo konnte nur der verdammte Kontrollraum sein. Sie hatten weder Blaupausen des Gebäudes, noch eine Ahnung, was sie wo finden würden. Ein paar Minuten Aufklärung später hatten sie zumindest einen anscheinend sicheren Ausgang gefunden. Kein Kontroll-, aber zumindest ein Abstellraum. Damit konnte man arbeiten.

So lagerten hier vor allem Vorräte, die laut Verfallsdatum noch Jahre halten würden. Konservendosen waren ja alleine schon ziemlich unverwüstlich. Daneben lagerten hier auch haufenweise Einwegoveralls in Weiß. Das mochten ein paar Hundert sein, mit ihnen würden sie sich gut tarnen können. Außerdem hatten sie mit diesem Raum einen sehr guten Ausgangspunkt. Während sie noch mit der Analyse der aktuellen Situation beschäftigt war, setzte Ed seinen Standardausrüstungsrucksack vorsichtig ab und begann darin rumzuwühlen. Zak hingegen versuchte Datenleitungen zu orten. Wenn schon kein Kontrollraum, so vielleicht zumindest das Signal der Sicherheitskameras?

Bisher hatten sie hier noch keine Menschenseele gesehen, aber bei all dem, was sie hier vorgefunden hatten, mussten sie richtig sein. Und dieses Mal hatten sie den Vorteil des Überraschungsmoments endlich wieder auf ihrer Seite …

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