131 – Der Gordische Knoten

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[…]

»Also gut Christina«, Forbes wusste, was von diesem Gespräch und seinem Ausgang abhing. Er hatte also geduldig ihren Monolog verfolgt, nur um seinen Moment abzupassen. Der Augenblick des Angriffs. »Die Situation ist folgende: Mit dem Tod von Präsident Foster ist in seinem Regime ein Machtvakuum entstanden. Sobald sich der Staub gelegt hat, werden sich die wichtigsten Führer herauskristallisiert haben. Davor müssen wir unseren Zug machen!« – er studierte ihre Züge, ihre Mimik und Gestik intensiv. Ihm durfte selbst die kleine Nuance nicht entgehen. Denn was er ihr hier erzählte, war frei erfunden und nicht mal den Atem wert, den er zum Formulieren benötigte. Aber manchmal war eine Lüge der einzige Weg aus der Stagnation einer Situation. Er musste Christina Applebloom dazu bringen, ihm aus der Hand zu fressen, die er ihr hinstreckte.

Die Situation musste bedrohlich genug wirken, dass Applebloom sich ihr nicht gewachsen fühlte, aber auf der anderen Seite eine logische Auflösung bieten, die sich just genau so ergab, dass sie keinen Verdacht hegte, manipuliert worden zu sein. Ja noch viel mehr, sie selbst musste die rettende Idee haben und Forbes vertrauen, genau das zu tun. Noch vor einer Stunde hatte er Zwiesprache mit van Veidt gehalten, hatte um Vertrauen gebeten. Er wusste genau, was jetzt getan werden musste und das konnte schnell schmutzig werden.

»Sie erzählen mir von Splittergruppen, die sich selbst bekriegen. Ich bin aber trotzdem nicht überzeugt, dass wir mit Gewalt mehr erreichen können, hören Sie? Wären sie uns feindlich gesinnt, hätten sie dann nicht schon längt etwas unternommen? Ich meine, wir stehen hier mit einer Flotte vor ihrer Haustür und sie sind immer noch auf Tauchstation!«

Als Forbes erfahren hatte, dass Angela sich nicht an die Anweisungen halten würde und einen eigenen Vorstoß wagen wollte, um Frederiksen rauszuholen, wusste er, dass sein Plan aufgehen würde. So oder so. Er hatte seinem stellvertretenden Adjutanten mitgeschickt. Dieser clevere Bursche hatte Angelas Vertrauen erlangt und steuerte sie geradewegs auf das Ziel zu. Dort angekommen würde sich jedoch eine kleine Planänderung ergeben.

»Christina, ich habe in ausreichend vielen Kriegen gedient, um zu wissen, dass Krieg die Hölle ist und dass er nur viele wertvolle Ressourcen verschlingt. Daher haben wir die Offensive ins Auge gefasst, denn nur so können wir sicherstellen, dass von den Präsidialen keine Gefahr mehr ausgeht!«

Forbes hatte einen taktischen, atomaren Sprengkopf mit der Dreiergruppe auf den Weg geschickt. Wenn sie den Komplex der Aggressoren infiltriert hatten, würde er sie zur Explosion bringen und das Problem mit Fosters Männern ein für alle Mal lösen. Wo gehobelt wurde, da fielen Späne! Mit Thor’s Hammer würde er nicht tief genug vordringen können, um einen Bunker zu zerstören, aber durch den unterirdischen Komplex, war die Oberfläche vor großen Teilen der Bombenexplosion und Strahlung geschützt.

»Ich lasse mich von Ihnen nicht vorführen, Martin! Sie suchen eine Ausrede für eine militärische Lösung, um Ihre Daseinsberechtigung zu haben. Bevor ich Sie eine Offensive führen lasse, will ich wissen, dass da unten wirklich eine Armee lauert und kein Volk von vielleicht schon halb verhungerter Zivilisten!«

Van Veidt hatte Forbes Plan abgelehnt und ihn angewiesen, sich mit Applebloom zu einigen. Keine Option, das verstand sich von selbst. Deshalb hatte Forbes ihn einmal mehr daran erinnert, warum van Veidt ihn berufen hatte. Für die harten Entscheidungen, die keiner fällen wollte! Ja er, Martin Forbes, der stille Diplomat, plante immer mehrere Züge voraus. Wie beim Schach. Und jetzt näherte sich die feindliche Dame und musste in Schach gehalten oder vom Brett genommen werden.

»Ist das Ihr letztes Wort?«, Forbes musterte die Politikerin hart und erinnerte sich selbst daran, dass getan werden musste, was nötig war. Was gleich folgen würde, war schlicht gesprochen bedauerlich. Christina nickte, erwiderte den Blick stütze sich mit den Armen auf den Tisch zwischen ihnen. Van Veidt hatte Angst vor dem, was passieren könnte. Er hatte längst die Kontrolle verloren. Er sah das Lodern in Forbes Augen, was nie etwas Gutes bedeutete. Forbes schloss jetzt die Augen und atmete tief ein und aus. »Ziehen Sie jetzt endlich Ihre Leute zurück? Das ist ein …« – »Nein«, zerschnitt er ihren Satz, ergriff einen von Christinas Armen, zog blitzschnell eine Klinge hervor, die er mit aller Kraft durch Christinas Hand stieß, um sie auf die Tischplatte zu nageln. Es dauerte einen Moment, bis Christina Appleblooms Verstand realisierte, was da gerade mit ihr geschah. Und dann schrie sie laut auf, nur um von einem weiteren Messerhieb erwischt zu werden. »Sie werden mir noch dankbar sein!« Die Zeit für Diplomatie war vorbei! Jetzt zählte nur noch das Wohl der Menge.

[…]

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