129 – Die Offenbarung

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Gut, es war vielleicht etwas naiv von ihm gewesen, zu glauben, Frederiksen würde ihm helfen. Und gut, er hatte ihn um einen Arm kürzer gemacht, aber das war doch schon längst Schnee von gestern und jetzt ging es um viel größere Dinge. Er würde von diesem Luftschiff entkommen und dann diesem Spuk ein Ende setzen. Der Präsident hätte sich im Grabe umgedreht, hätte er gewusst, was die nächste Generation von Menschen aus seinem Erbe gemacht, bzw. vorhatte.

Für den Moment versteckte er sich weiterhin in den Luftschächten. Sie hatten ihn bisher noch nicht entdeckt, das musste er ausnutzen. Die würden sich schon wundern. Von hier aus konnte er wunderbar beobachten. Einzig die Gespräche kamen nur in groben Fetzen zu ihm durch. Was hatte Frederiksen nur mit dieser Frau besprochen und wo war sie überhaupt hergekommen? Davor hatte er doch nur die Klone des Präsidenten gesehen. Von einer Eva-Variante wusste er nichts – das hatte weder in den Akten gestanden, noch hatte ihm der Präsident eingehendere Details geliefert. Gut, es ergab natürlich Sinn, gerade wenn es um die Wiederbevölkerung einer Welt ging, aber um genügend Nachfahren zu erschaffen, musste schon mehr aufgefahren werden als diese eine Frau. Und alles mit Klonen bevölkern zu wollen hörte sich nicht nach einem guten Plan an.

Auch konnte es kaum beabsichtigt gewesen sein, das von der ehemaligen Führungsriege und vom Projektteam Exodus, bzw. dem Projekt ‚Purity‘, niemand außer diesem Frederiksen mehr übrig war. Und den würde er sich noch vornehmen, wenn die Mission abgeschlossen war. Das war nicht verhandelbar – eines der Details der Abmachung mit dem Präsidenten, um die man ihn nicht betrügen wollte. Dafür war er schon zu weit gekommen.

Nachdem das Mädchen den Raum fluchtartig verlassen hatte, war dieser Elijah zurückgekommen. Musste wohl der Obermufti dieser verstrahlten Typen sein – mit einer zur Schau getragenen Arroganz, die ihn klar als Sohn seines Vaters auszeichnete. Ob der alte Mann ihn je kennengelernt hatte? Emanuel bezweifelte das stark. Jetzt redete Elijah auf Frederiksen ein, damit jener schön brav im Salon blieb. Wenn Emanuel nur hätte hören können, was die beiden da genau besprachen? Worum es dabei denn nur ging? Dieses ganze Gerede dauerte ihm zu lange und Frederiksen erschien auch nur noch einsilbig und blass. Vielleicht sollte Emanuel die Gelegenheit benutzen, den Rest der Anlage zu erkunden? Es musste so viel mehr hier sein, als diese Flucht aus Gängen, diesem Salon und der Rundterrasse, von der aus man nur einen gähnenden Abgrund sehen konnte. Keinen Aufzug oder Treppe, keine Leitern, die Zugang zu einem anderen Stock gewährten.

Irgendwie frustrierend. Aber gut, er würde es über die Brüstung versuchen, denn dort gab es wenige Wachen – es rechnete wohl niemand damit, dass sich jemand in den Tod stürzen würde. Durch die engen Schächte rutschte er langsam und lautlos in Richtung des Rundgangs. Dort angekommen ließ er sich in Zeitlupe von der Decke herunter und bewies dabei eine akrobatische Disziplin, die er sich in Jahren des Trainings in den Ruinen von Boston erworben hatte. Hass und mögliche Rache konnten besser motivieren, als großzügige Belohnungen. Und da das Unterhaltungsprogramm für die Militärangehörigen nach dem Tag X gestrichen worden war, hatte er viel Zeit gehabt.

Die Wache hatte ihn gerade nichts ahnend passiert da trat er einen Schritt auf das Geländer zu. Irritiert nahm er zur Kenntnis, dass auch von hier aus weder ein weiterer Stock, noch sonst ein Zeichen von festem Boden nach unten hin zu sehen war. Dafür blies ihm eine starke Brise ins Gesicht und die Luft schien dünner zu sein. Jetzt zog er sich langsam über die Brüstung, hielt sich mit dem Rechten arm so fest es ging und kämpfte gegen den Wind an, um nicht weggeweht zu werden. Da war nichts. Diese Etage schwebte anscheinend einer fliegenden Untertasse gleich mitten im Himmel. Und langsam wurde es dunkel, aber auch nicht so, als könnte er irgendwo eine Sonne sehen. Was zum Geier wurde hier gespielt?

Dann griff eine Hand nach der seinen, mit der er sich am Geländer festhielt. Reflexartig ließ er los und stürzte taumelnd mit einem Schrei ab und wurde vom Wind erfasst und fort geweht. Dann schlug er irgendwo hart auf und verlor das Bewusstsein.

[…]

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