127 – Sünden und Wunder

chap018

[…]

»Wer bist du?«, es hatte einen Moment gedauert, bis Frederiksen seine Stimme wieder gefunden hatte. So lange hatte er fassungslos auf das fremde und doch vertraute Gesicht gestarrt, das ihm jetzt gegenüber im Eingang zu seinem Salon stand. Die junge Frau lächelte ihn an und schien seine entgeisterte Überraschung sichtlich zu genießen. »Wir sind die Töchter und Söhne des Lichts, Dad, und wir sind hier, um ein neues Paradies zu erschaffen.«

Frederiksen Mund war von einem Augenblick zum nächsten trockener als die Sahara. Sein Blut pulsierte pochend durch seine Schläfen, während sein Verstand versuchte, die neueste Enthüllung zu verdauen. Sie war vielleicht 17 Jahre alt und die Ähnlichkeit zu Dr. Maya Rodriguez war regelrecht verstörend. Tränen traten in seine Augen, als er der Moment, in dem er seine tote Frau in den Armen hielt, wieder an die Oberfläche kam. Und ohne weitere Erklärung wusste er, warum Maya bei dem wahnsinnigen Plan mitgemacht hatte.

»Ich habe mich immer gefragt, wie es wäre, dich kennen zu lernen, Dad.« Die junge Frau trat einen Schritt auf ihn zu. Immer noch strahlend, aber auch sichtlich distanziert. »Ich … ich habe nicht gewusst, dass es dich gibt!«, suchte Eric nach Worten für eine Begegnung, die er so nie in seinem Leben erwartet hatte. Kinder waren nie ein Thema zwischen Maya und ihm gewesen. Er hatte seinen Standpunkt in der Sache sehr früh klar gemacht und sie hatte den Anschein aufrechterhalten, damit einverstanden zu sein. Wie wenig hatte er Maya nur gekannt. Und was für ein unerwartetes Geschenk stellte diese Begegnung nun dar.

»Bist du … echt? Ich meine …«, er stockte wieder. Wie konnte er ihre erste Begegnung schon mit dieser Frage beginnen, wo er gerade noch dabei war, die Punkte zu verbinden. Der Abend vor ihrem Streit – konnte es da passiert sein? Oder spielte man ihm etwas vor, und hatte den Genpool nur um Mayas Anlagen erweitert? Eine Spannung hatte sich über die beiden gelegt und bannte beide in einen Kokon aus Schweigen. Die Stille war bedrückend. »Ich habe viele Jahre geschlafen, Dad, aber geträumt, wie es sein würde. Es ist anders. Du bist anders. Ich …«, jetzt schien auch der Schild des Mädchens Risse zu bekommen und für einen flüchtigen Moment blitzte etwas Traurigkeit auf, bevor sie sich umdrehte und aus dem Raum huschte.

Frederiksen war auf die Füße gekommen und wollte gerade nachsetzen, als Elijah ihm durch die offene Tür entgegen kam. »Mein guter Freund. Wie ich sehe, ist die Überraschung geglückt?« – Frederiksen hätte am liebsten laut losgeschluchzt, versuchte aber mit aller Kraft die Fassung zu halten, und es bei den wenigen Tränen in den Augen zu belassen. Schnell wischte er sich mit dem verbliebenen linken Arm über die Augen und straffte seine Züge. »Das war nicht fair! Ihr … hättet mich warnen können!«

Elijah sah ihn eindringlich und mit einem klaren Gefühl der Überlegenheit an: »Wir sind hier eine Gemeinschaft und ich glaube, es wird Zeit den Rest der Familie kennenzulernen …« Mit einer einladenden Bewegung trat er einen Schritt beiseite und bedeutete Eric ihm zu folgen. Und in der Tat sollte Frederiksen noch längst nicht am Ende des Staunens angekommen sein.

[…]

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