126 – Das Feuer in dem wir verbrennen

chap018

Kapitel 18: Projekt ReGenesis = Projekt Purity

Blitze zuckten und er hatte den Geschmack von Metall auf der Zunge. Dann zeichnete ein Projektil, das seine Wange streifte, einen roten Balken aus Blut. Wie in Zeitlupe kämpfte er sich auf die Beine und rannte los, während er sich anschickte seine Waffe aus dem Holster zu ziehen. Hinter ihm explodierte ein Jeep und spuckte Tausende von Metallpartikeln in alle Richtungen. Seine Blicke sondierten mit schnellen Bewegungen die Situation und kamen zu dem Schluss, dass heute vielleicht ein besonders guter Tag zum Sterben war.

Im nächsten Augenblick riss ihm die Druckwelle der nächsten Jeepexplosion vielleicht nur 30 Inch von entfernt die Beine weg und sein Körper landete platschend im Matsch. Doch dafür hatte er jetzt keine Zeit. Mit aller Kraft der Verzweiflung sprang er auf und visierte einen Schützen an, der gerade mit einem Großkalibergeschütz auf ihn anlegte. Die Kugel traf den Soldaten in die Schulter und riss ihn wie eine Puppe um. Doch hinter ihm tauchten schon die nächsten beiden Mitglieder des Angriffskommandos aus der Deckung auf.

Er brüllte Befehle in Richtung seiner beiden Flügelmänner, ohne zu wissen, ob diese ihn in dem ohrenbetäubenden Stakkato aus Geschützfeuer, Explosionen und Schreien überhaupt noch hören, geschweige denn sehen konnten. Und als sei das nicht genug, dröhnten von oben Bomber über ihre Köpfe hinweg, die nach einer Kurve wahrscheinlich ihre Ladung über ihnen fallen ließen. Aus den Augenwinkeln sah er einen halb verschütteten Brunnen, der im Umkreis von 1 Meile die letzte Deckung darstellte, nachdem ihre mitgenommenen Jeeps gerade ein Opfer der Flammen geworden waren.

Es blieb ihm nicht mal Zeit, seinen Gedankengang zu beenden, denn schon hörte er das beängstigende Heulen, dass diese Bomben machten, während sie durch die Luft auf Ihr Ziel zu fielen. Als er vor dem Brunnen stand und hinter sich die nächste Explosion hörte, hechtete er mit einem Kopfsprung in den Brunnen. Der harte Aufprall auf Schutt brach ihm das rechte Handgelenk und den Arm, während hinter ihm die Welt unterging und ihn unter einer dicken Schicht von Schutt, Stein und Putz begrub.

Und von einem Moment auf den Nächsten waren um ihn herum nur noch Schwärze und das leere Gefühl, nicht mehr im Hier und Jetzt zu sein, sondern in eine Art Schwebezustand zwischen den Welten zu gleiten. Auch seinen Körper spürte er nicht mehr. Erst dann, als mit einem unglaublichen Gewaltakt die Welt, die ihn eben in das Nichts gespuckt hatte, in seinem Kreuz einschlug und ihn zermalte. Der Schmerz und die Verzweiflung entluden sich in einem markerschütternden Schrei, als das Leben Captain Martin Forbes verließ und General Ade Martin Forbes in seinem Bett schwer gestikulierend und nach Luft schnappend in die Vertikale schoss.

Noch für ca. 30 Sekunden hallte der Alptraum nach, bevor ihm langsam bewusst wurde, dass er wieder in der Realität angekommen war und das verzehrende Ziehen der Vergangenheit einem pochenden Kopfschmerz wich. Er musste wohl auch in Wirklichkeit geschrien haben, denn keine Minute danach wurde die Tür der Schlafkammer von einem Soldaten aufgerissen, der mit gezogener Waffe in den Raum platzte und sich erst nach erneuter Rückversicherung erklären ließ, dass der General Ade nur einen schweren Traum gehabt hatte, ausgelöst von einem Déjà-vu. Es war seine Zeit in Afghanistan, die ihn auch nach all den Jahren noch nicht loslegelassen hatte und immer wieder heimsuchte. Zumindest war das Forbes Selbstdiagnose, denn etwas anderes konnte der Anführer in ihm nicht zulassen. Nachdem draußen der neue Morgen aufzuziehen begann, würden die diplomatischen Verhandlungen bestimmt bald weitergehen und davor wollte er noch eine Runde joggen. Es würde nämlich wieder ein besonders langer Tag werden. Er seufzte.

[…]

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