125 – Die Preis der Moral

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[…]

Frederiksen wurde von Elijah und den seinen immer noch wie ein Gast behandelt. Am Anfang hatte er befürchtet, dass sich das rapide ändern würde, sobald sie Zugriff auf Maya’s Dokumentensafe hatten, aber dem war nicht so. Oder sie warteten noch ab, um sicher zu sein, dass sie ihn wirklich nicht mehr zur Entschlüsselung der einen oder anderen Formel brauchten. Immer noch hatte Frederiksen aber keine weiteren dieser Präsidentensöhne gesehen. Von Emanuel – der sich immer noch vor den anderen versteckt hielt – hatte er einige interessante Dinge erfahren. So waren das alles hier keine direkten Nachfahren von Foster. Zumindest nicht im biologischen Sinne. Der eitle Pfau hatte sich selber geklont! Und mittels eines Supercomputers per Zufallsgenerator das genetische Material so abgeändert, dass eine ausreichende Menge an Individuen entstanden war, die den Planeten nach erfolgter Säuberung wiederbevölkern konnte. Aber eine ganze Zivilisation nur aus Präsidenten-Klonen? Das konnte doch niemals funktionieren. Und wo waren die Übrigen? Er wurde das Gefühl nicht los, dass er immer noch nur einen kleinen Teil der Wahrheit sah. Und dass man ihn gezielt versuchte zu manipulieren. Elijah war nicht dumm und er war durchaus charismatisch, was er sicherlich seinem Genmaterial zu verdanken hatte.

Was auch noch ein erstaunliches Wunder darstellte, war diese fliegende Stadt, die sich allem Anschein nach hoch über den Wolken versteckte. So offen Elijah sich gab, sobald das Gespräch auf ihn und seine Brüder und ihre fliegende Stadt kam, wechselte er schnell das Thema. Heute früh hatte er besonders geheimnisvoll getan und Frederiksen damit neugierig gemacht, dass er ihm einen Besucher in Aussicht gestellt hatte. Ob das endlich ein weiterer Klon war? Und wenn ja, ob es in dieser neuen Gesellschaft nicht auch Frauen gäbe? Wundern würde ihn beides nicht.

Überrascht über sich selbst war Frederiksen auch, dass er Emanuel nicht verraten hatte. Dieser schien ein wahrer Tarnexperte zu sein, denn selbst Frederiksen vermochte nicht zu sagen, wo sich der Soldat den ganzen Tag über vor den Suchern versteckt halten konnte.

Am dritten Tag hielt Elijah dann auch noch eine weitere Überraschung für Eric bereit: eine elektrische Armprothese, die direkt auf seinem Stumpf ansetzte und mittels Gedanken und Muskelkontraktion gesteuert werden konnte. Das Ding würde sich noch eine ganze Zeit fremd anfühlen, aber zum ersten Mal fühlte Frederiksen sich wieder wie ein ganzer Mensch. Mit der Zeit baute er immer mehr Vorbehalte ab. Die Manipulation funktionierte wohl doch bei ihm, auch wenn er sich eigentlich vorgenommen hatte, immer vorsichtig und wachsam zu sein.

Am vierten Tag hatte er schon fast vergessen, dass er ein Gefangener war, bzw. zumindest nicht so einfach entkommen konnte. Die Tage verbrachte er mit Lesen. Diese neuen Menschen hatten nicht nur eine ganze Menge perfekt manipulierter Gene, sondern auch eine ausgezeichnete Bibliothek und Wissensdatenbank zur Verfügung gestellt bekommen. Er wollte mehr über diese neue Weltordnung lernen. War vielleicht nicht alles schlecht, bzw. hatten sie doch eine Chance verdient? Aber zu welchem Preis? Er durfte sich nicht instrumentalisieren lassen!

Dann hatte es an der Tür geklopft. In der Flügeltür des Salons stand der ihm schon angekündigte Besuch und mit einem Mal erschien alles andere bedeutungslos …

Ende Kapitel 17

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