124 – Schlachtvorbereitungen

chap017

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Es waren jene seltenen Momente, die Angela Unbehagen verursachten. Alles war komplizierter geworden. Jetzt galt es Diplomatie zu waren und das gehörte definitiv weder zu ihren Stärken, noch war dafür aktuell Platz. Hätte man sie die Verhandlungen führen lassen, hätte sie auf die Abschreckung und den Schockeffekt gesetzt und ein blutiges Messer vor den Augen der anderen Partei in die Tischplatte gerammt. Weitere Diskussionen wären danach überflüssig gewesen.

Sie hatten bei ihrer Ankunft auf einen Überraschungsmoment gehofft. Stattdessen saßen sie hier fest und suchten nach Spuren einer Kolonie und nach Frederiksen. Die eingestürzte Kuppel konnte doch nicht alles gewesen sein. Sie mussten die Offensive vorausgeahnt oder einen Informanten gehabt haben. Letzteres war sicher nicht unmöglich, Angela konnte sich aber kaum vorstellen, dass irgendjemand willentlich einen derartigen Völkermord unterstützte. Oder doch? Nein, Moment, sie war in ihrem Leben vieles gewesen, nur nicht naiv. Natürlich war das eine Möglichkeit. Oder viel einfacher. Frederiksens Entführer hatte sie gewarnt. Das war wohl das wahrscheinlichste Szenario.

Egal, während sich die Politiker im Hauptgebäude austobten, hatte sie beschlossen, eine weitere Expedition in die verfallene Stadt zu machen. Da musste etwas sein, dass sie schlichtweg übersehen hatte. Niemand verschwindet so spurlos. Und dass keine der Suchmannschaften auch nur eine lebende Seele hatten finden können, hieß am Ende gar nichts. Vielleicht gab es einen verborgenen Bunker und die Anderen lachten sie aus. Denn was wäre wohl eine bessere Tarnung, als eine Stadt, die scheinbar von der gleichen Urmacht vernichtet worden war wie der Rest der Staaten, die man versucht hatte zu ‚reinigen‘.

Als Verstärkung hatte sie sich Zak Lamm und Ed Smith auserkoren. Der Techniker konnte vielleicht eher eine Spur ausmachen und Smith hatte sich in Newark als Rückendeckung bewährt. Alle waren inzwischen durch Shangrilla-Injektionen immunisiert, was ihnen helfen würde, sich ohne Schutzanzüge im Freien zu bewegen. Zwar war die Purity-Züchtung ausgelöscht worden, doch die Pollenkonzentration in der Luft sprengte trotzdem alle Skalen. Ansonsten reisten sie mit leichtem Gepäck und hatten neben einer Grundbewaffnung, einem portablen Scanner – mit dem Zak nach Energieleitungen und elektromagnetischen Feldern suchen konnte – noch eine Umgebungskarte und Stablampen dabei, sowie einen Stapel Magnesiumfackeln und mehrere Leuchtgeschosse, sollten sie doch nach Hilfe rufen müssen. Die Stadt selbst allerdings zeigte sich weiter von der ruhigen Seite. Hier lebten nicht einmal mehr irgendwelche Schmuggler und Streuner, die ihnen des Öfteren schon in anderen Städten untergekommen waren.

War schon ein merkwürdiges Gefühl einmal wieder ohne Schutzanzug in den Kampf zu gehen, in einer Angriffssituation konnte es ihnen aber auch einen taktischen Vorteil verschaffen. Und die halluzinogene Wirkung der Shangrilla-Droge war dank einiger hinzugefügter Hemmer auch deutlich besser zu vertragen. Die Sonne war hinter Wolken den ganzen Tag verborgen gewesen und erst jetzt, da sie ihre letzten Lichtstrahlen über die Stadt schickte, riss die Wolkendecke an einigen Stellen auf und überzog die Skyline mit magischem roten Feuer. Die perfekte Stimmung für ihre Mission, fand Angela. Und damit bestiegen die Drei ein kleines Motorboot und legten von Alcatraz ab. Ihr Ziel war das scheinbar ausgestorbene Herz der Stadt.

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