123 – Hoher Besuch

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Es war eine Gruppe von 5 großen Kampfhubschraubern, die auf dem Vorplatz des Hauptkomplexes der ehemaligen Gefängnisinsel landeten. Ein an das ‚Blood Staines Banner‘ der Konföderierten Armee angelehntes Symbol prangte auf den Seiten. Dies war offensichtlich kein Höflichkeitsbesuch der Südstaaten-Koalition. Die Aufklärung der USS Midway hatte ihre Ankunft schon vor Stunden angekündigt und auch woher genau sie gekommen waren. Die Fragen nach dem wer, bzw. warum blieben allerdings offen, auch wenn Forbes ein leiser Verdacht beschlich. Die Maschinen waren in den frühen Morgenstunden über Miami aufgezogen und ohne weitere Zwischenstopps direkt hier her gekommen.

Als die Tür des mittleren Hubschraubers sich öffnete, begann van Veidt, der ebenfalls zur Begrüßung der Gäste gekommen war, zu seufzen. Begleitet von einer Eskorte Personenschutz, stiefelte Cristina Applebloom, Bürgermeisterin von Miami, auf die beiden zu. Ohne auf eine offizielle Begrüßung zu warten, legte sie auch schon los: »Van Veidt und sein Kettenhund! Ich hatte Ihnen ja viel zugetraut, aber das hier ist einfach eine bodenlose Frechheit!« – »Ma’am«, Forbes machte einen symbolischen Schritt nach vorne und ließ sich seinen aufsteigenden Ärger nicht anmerken, »Herzlich willkommen auf Alcatraz. Ich freue mich, dass es Ihnen gut geht! Als wir von Miami hörten, rechneten wir mit dem Schlimmsten!«

Die Politikerin ignorierte die Geste, wie auch die ausgestreckte Hand, die ihr gefolgt war, und fuhr ungerührt fort mit ihrer Tirade: »Dass Sie die Macht in Kalifornien an sich gerissen haben, als der Angriff dieses schrecklichen Unkrauts dessen Führung ausgelöscht hat, ist schon eine Anmaßung! Dass Sie sich aber einfach die verbliebenen Einheiten der Koalitionsarmee einverleiben und ohne Mandat eine Offensive gegen offensichtlich tote Staaten führen, ist die Höhe! Wie rechtfertigen Sie das? Können Sie morgens überhaupt noch in den Spiegel sehen?«

Während van Veidt sichtlich die Augen verdrehte, blieb Forbes der Fels in der Brandung und schaltete innerlich auf Diplomatie Level 2. »Ma’am, wir sollten das in passenderer Kulisse erörtern. Hier ist weder der Platz noch der richtige Ort für derlei Unterhaltungen.« Aber die Naturgewalt aus Miami ließ sich nicht so ohne weiteres bändigen: »Sie überschreiten Ihre Kompetenzen um ein Vielfaches! Sie hätten zuerst den Schulterschluss mit uns suchen sollen und wir hätten dann gemeinsam eine diplomatische Lösung gefunden! Statt dessen scheinen Sie viel mehr einen Dritten Weltkrieg vorzubereiten. Meine Herren, das kann aber nicht wirklich Ihr ernst sein!«

Endlich löste sich die Starre von van Veidt und er wechselte in den Verteidigungsmodus: »Christina, sämtliche Kommunikation mit Miami war ausgefallen und wir selbst hatten alle Hände voll damit zu tun, zu überleben! Und irgendwer musste etwas zur Rückgewinnung unserer Sicherheit unternehmen!« – Forbes zupfte kurz van Veidt Ärmel, um ihm zu bedeuten, sich zurückzuhalten, während er weiter das starre Diplomatenpokerface beibehielt: »Ma’am, ich darf Sie erneut bitten, uns zum Hauptgebäude zu begleiten! Sie haben einen langen Flug hinter sich und wollen sich bestimmt etwas frisch machen, bevor die Gespräche beginnen können. Er deutete auf das hohe Verwaltungsgebäude. »Natürlich können wir auch hier stehen bleiben und warten, bis uns der Himmel auf den Kopf fällt. Da es hier einige Missverständnisse gab, sollten wir zusehen, diese schnellstmöglich im gemeinsamen Dialog auszuräumen.« Und in der Tat schien die Taktik aufzugehen, denn Christina Appleblooms Angriffsfront bekam erste Risse und sie schien nach einem Ansatzpunkt für eine Fortsetzung ihrer Wutrede zu suchen. Schließlich entließ sie ein herablassendes ‚Tss‘, bevor sie an den beiden vorbei zog und der Einladung Folge leistete. Van Veidt tupfte sich mit einem Stofftaschentuch Schweiß von der Stirn. Das würde noch ein anstrengender Tag werden!

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