121 – Der Mann im Hintergrund

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Emanuel atmete tief ein und aus und ließ zum wahrscheinlich tausendsten Mal die Fäuste gegen die massive Eisentür krachen. Blut tropfte aus seinen Uniformhandschuhen und die Schmerzen machten ihn noch wütender. Er hatte seinen Auftrag erfüllt und Frederiksen in den Tempel gebracht. Aber das Empfangskommando hatte deutlich zu wünschen übrig gelassen. Diese Irren hatten ihn hier eingesperrt, ihn, den treuen Soldaten des Vaterlands.

Der ehemalige Präsident hatte vorgesorgt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Purity-Züchtung nicht zum Erfolg führte, gab es noch den Alternativplan, den Kommandobunker zu infiltrieren und sich Zugriff auf das Thor’s-Hammer-Programm zu verschaffen. Doch das war wohl jetzt nicht mehr möglich. Inzwischen mochte die neue kalifornische Republik direkt vor ihrer Haustür sein und diese Basis belagern. Und ausgerechnet diese geistigen Weißbrote waren das letzte Überbleibsel der amerikanischen Regierung. Da musste aber gewaltig etwas bei der Programmierung schief gelaufen sein!

Bisher hatten sie ihn ignoriert. Wahrscheinlich verhörten sie gerade diesen Frederiksen – vielleicht holten sie ihn auch gerade Kiel? Das würde den Plan noch wesentlich stärker gefährden. Also, was war zu tun? Der Raum war zwar keine Zelle, hatte aber nur eine Tür, die man verriegelt hatte und ansonsten keine Fenster. Er maß vielleicht 7 mal 7 Fuß und keinen Luftschacht oder andere Öffnung. Er schätzte, dass man die Tür für stabil genug erachtet hatte, um sich eine Wache davor zu sparen. Seine Schläge hatten ihm auch nur verraten, dass ihre Einschätzung wohl richtig war. Kein Stuhl, kein Tisch oder sonst etwas, einfach nur ein leerer Raum.

Aber man hatte ihn nicht richtig durchsucht. Neben einem Messer und einigen Schuß Munition hatte er ein Taschentuch, mehrere Stücken Draht und ein Feuerzeug behalten. Der improvisierte Sprengstoff machte viel Lärm, dennoch blieb es draußen ruhig, als die Tür den Gang entlang schlitterte. Sich im Schatten haltend schlich er langsam voraus. Weiterhin nichts von Widerstand zu sehen. Dann eilten Schritte auf ihn zu, aber wer auch immer da kam, er stellte keine wirkliche Herausforderung für einen ausgebildeten Soldaten dar. Auch die nächsten beiden Männer schieden schnell und schmerzlos aus der Welt. Die mussten hier doch so etwas wie eine Waffenkammer haben. Vielleicht hier entlang? Unvermittelt stand Emanuel vor einem Panorama-Fenster einer Lounge, die ein Wolkenidyll zeigte. Wo zum Teufel war er?

Bis auf Weiteres zog er sich in die Belüftungsschächte zurück und versuchte einen Überblick über diese Anlage zu gewinnen. Er war sich eigentlich sicher gewesen, das Arsenal der Armee und der Nationalgarde zu kennen. Ein fliegender Kommandostand passte eher in ein Superhelden-Comic, als den realen Wahnsinn, den diese Welt atmete. Es war längst überfällig den Stecker zu ziehen und noch einmal einen sauberen Anfang zu wagen. Dann aber nicht mit den Weichbirnen.

Nachdem er Frederiksen lokalisiert hatte, beschloss er zähneknirschend, den Feind seines Feindes zu seinem zumindest temporären Verbündeten zu machen. Das stellte sich als nicht ganz einfach dar. Außerdem legten die Spinner einen erstaunlichen Einfaltsreichtum an den Tag, um ihn wieder einzufangen. Aber diese frisch geschlüpften Amateure aus dem Tank mussten schon früher aufstehen. Die Falle, die sie ihm gestellt hatten, kostete drei weitere Tankgeburten die Existenz. Von denen gab es aber genug und um hier raus zu kommen, musste er noch deutlich mehr Fantasie an den Tag legen!

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