119 – Gegenüberstellung

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[…]

»Hey, ist schon eine Weile her, was …«, Maya stand direkt vor ihm. Diesmal war es kein Traum, doch vor ihm stand ein Hologramm. Maya musste es noch vor dem Tag X aufgenommen haben, lange Zeit vor ihrer ersten Nachricht. Sie wirkte noch so jung und dynamisch, wie er sie in Erinnerung hatte. So als sei sie auf Droge. Nicht so bedrückt und eingefallen wie auf der Videobotschaft, die er in ihren Aufzeichnungen gefunden hatte »Ich wollte dich damit überraschen, aber ich durfte dir vorher auch nichts davon erzählen. Die Welt, wie wir sie kennen, wird bald nicht mehr existieren und ich habe uns einen Platz auf der Arche Noah besorgt! Der Preis dafür waren einige deiner alten Forschungsdaten, aber man hätte dir diese Projekte sowieso weggenommen! Und sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind, holen sie dich ab und bringen dich her … und damit du weißt, dass alles seine Ordnung hat, habe ich dir diese Botschaft aufgenommen …« – Sie schien wirklich daran geglaubt zu haben. An eine schöne neue Welt, die aus den Ruinen der Alten entstieg. Am Ende hatte man sie alle betrogen.

»Warum zeigen Sie mir das? Was wollen Sie?«, Frederiksen ignorierte das Hologramm und wandte sich lieber direkt an seine Entführer. Es gab einen Grund, warum man ihm Honig um den Bart schmierte und ihm das Gefühl von Freiheit geben wollte. Aber darauf war er keine Sekunde hereingefallen. Diese Leute wussten nicht, dass Frederiksen an Mayas Tagebücher gekommen war. Vielleicht sollte er sie ihn dem Glauben lassen, ihr Plan könnte funktionieren. Nur um etwas Zeit zu gewinnen und einen Ausweg zu finden?

»Eine tolle Frau!«, klinkte sich Elijah ein, »Sie hat viel für Sie aufgegeben, müssen Sie wissen!« – Eric versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er bereits deutlich mehr wusste. »Ich weiß das ja zu schätzen, was Sie zu tun versuchen. Meine Frau ist tot und ich will ihr Andenken ehren … sagen Sie mir also, wobei soll ich Ihnen helfen …«.

Für einen Moment klaffte eine Lücke in Elijah perfekten Pokerface. Er schien abzuwägen, ob Frederiksen es ernst meinte. »Also gut … ich weiß Ihre Offenheit zu schätzen und ich will im Gegenzug gerne auch ehrlich zu Ihnen sein.« – jetzt hatte Elijah sich entschieden, ließ sich aber das Ergebnis nicht anmerken – »Ich weiß, das klingt alles furchtbar unglaubwürdig, sind wir mal ganz direkt, aber Ihre Frau hat ein paar Unterlagen hinterlassen, die leider verschlüsselt sind. Wir sind uns sehr sicher, dass Sie den Schlüssel besitzen. Im Gegenzug, was möchten Sie haben? Einen Platz in unserem sicheren Hafen? Ihre eigene Yacht? Seien Sie ruhig phantasievoll. Ich glaube, so ein Angebot werden Sie nicht alle Tage bekommen.«

Die Offenheit irritierte Eric etwas. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sein Gegenüber seine Scharade direkt fallen lassen würde. Aber gut, er würde mitspielen, wenn auch nur ein paar Meter des Wegs: »Elijah, ich darf Sie doch Elijah nennen, oder?« – »Aber natürlich, Eric!« – »Ihr Angebot ist … als Sie mich entführt haben, war damit ja überhaupt nicht zu rechnen … aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich Ihnen weiterhelfen kann. Wie Sie wissen, hatte ich mit Maya seit dem Tag X keinen Kontakt mehr. Ich versuche gerne das Passwort zu erraten …« – Elijah unterbrach: »Nein, nein, es geht um kein Passwort, es geht um einen biometrischen Zugang. Ihre Mitarbeit ist dabei nicht zwingend erforderlich. Diese Welt hat aber schon genug kluge Köpfe verloren und diese Art der Diplomatie sollte mit der alten Welt gestorben sein.«

Der aggressive Unterton machte Eric etwas Angst. Er war direkt durchschaut worden. Sein Gegenüber hatte sehr deutlich gemacht, dass er nicht spielte. Oder aber er war ein weitaus besserer Pokerspieler als Eric. Was sollte Frederiksen tun? Und wie konnte er dieser Nummer entkommen? Der Blick seines Gastgebers sprach deutlich dafür, dass er ihm nicht mehr viel Zeit lassen wollte. Und das würde böse enden …

Ende Kapitel 16

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