114 – Sturmangriff

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Alles schien diesmal endlich nach Plan zu verlaufen. Angela drang mit einem Trupp zügig in die zerstörte Stadt ein und auf die Quelle der Wärmesignaturen zu. Die Satellitenüberwachung hatte zur Vorbereitung noch weitere Bilder beim Überflug geschossen, diese ließen aber keine aktiven Verteidigungsanlagen ersehen. Sie mussten also besonders vorsichtig sein. Wie schon die Bilder gezeigt hatten, war die große Hauptkuppel eingestürzt und zeigte ein Bild des Grauens. Es musste eine Woche her gewesen sein, nicht viel länger. Anscheinend hatte das aggressive Vorrücken der Purity-Züchtung auch hier gewütet und der großartige Plan des Präsidenten, die Pflanzen als Waffe gegen die Südstaaten Allianz und die neue kalifornische Republik zu führen, war auch nach hinten losgegangen.

Je weiter sie in die Anlage vordrangen, umso mehr Tote fanden sie: Frauen, Kinder, ihre Väter, sogar vor Haustieren hatten die Pflanzen nicht haltgemacht. Ein Anblick, an den man sich nicht gewöhnen wollte, auch wenn sie in der letzten Zeit oft Zeuge dieser Art von Zerstörung geworden waren. Ein Druck in der Magengegend ließ sie diese Überlegungen schnell wieder ausblenden und zurück zur Mission kommen. Denn jetzt trennten Sie von den Überlebenden nur noch Meter. Angela hoffte inständig, dass es diesmal ohne einen Kampf abgehen würde. Wer das auch immer das hier überlebt hatte, hatte für ein ganzes Leben genug durchgemacht.

Sie wies ihren Begleitern an, sich zu verteilen und einen weiten Kreis um sie zu bilden. Wenn es auch keine festen Geschütze zu geben schien, war es noch immer möglich, dass versteckte Scharfschützen auf sie lauerten. Sie murmelte einen kurzen Statusbericht in ihren Helmfunk, bevor sie weiter vorrückte. Ihr AR-Display zeigte ihr ganz genau an, dass hinter der nächsten Tür eine große Gruppe von vielleicht hundert Wärmeflecken auf sie warteten. Das roch hundert Meilen gegen den Wind nach einer Falle. Aber gut, der erste Schritt einer Falle zu entgehen, war zu wissen, dass sie da war. Und so machte sie sich bereit, die Tür einzutreten und den Raum zu stürmen. Ihrer Umgebungskarte nach handelte es sich hier um eine Mehrzweckhalle, in der vielleicht Flüchtlinge Schutz gefunden hatten, als die Pflanzen kamen.

Mit einem gezielten Tritt öffnete sich ihr ein großer Saal, doch auf den ersten Blick war er leer! Sie prüfte erneut ihre Karte und ja, sie müsste genau in einem Pulk Menschen stehen. Das war völlig unmöglich! Sie gab ein Handsignal, das ihre Begleiter dazu veranlasste zum Eingang zurückzufallen. Dann sah sie die zarten Pflanzentriebe aus dem mit einer Erdschicht überzogenen Hallenboden und sie verstand! »Rückzug! Sofortiger Rückzug!« – sie begann zu sprinten, bis ihre Kondition sie verließ und zu einer kurzen Pause zwang. Bevor sie in die Knie ging, japste sie noch den Einsatzbefehl für das Thor’s Hammer Projekt in ihr Walkie-Talkie. Keine halbe Minute später erfüllten Schreie und Rufe den Äther und eine tieffliegende Frachtmaschine entlud Feuer und Explosionen über ihren Köpfen. Das hier war kein sicherer Hafen von Überlebenden! Das hier war eine im Wachstum befindliche Kolonie der Purity-Züchtung. Und die musste vernichtet werden. Während Browning und Marks Angela beim Laufen stützten, versuchte sie im Kopf zu überschlagen, was als Nächstes passieren musste. Sie alle hatten gerade den Stadtrand erreicht, da riss die Druckwelle der Explosion alle zu Boden. Thor’s Hammer hatte wieder zugeschlagen und die Mehrzweckhalle dem Erdboden gleichgemacht.

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