113 – Ein Klischeebösewicht?

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[…]

»Die Schläfer sind erwacht!«, sagte das Gesicht vor Frederiksen, allerdings gehörte es nicht seiner Frau. Er kannte den Mann, aber woher? Verwirrt und unsicher, ob er wach war oder immer noch schlief, brachte er nur ein »Was …« hervor. Sein Gegenüber sah ihn prüfend an: »Der Plan … das ist doch der Moment, wo der Oberschurke dem Helden seinen perfiden Plan offenbart … nein, natürlich nicht. Verzeihen Sie mir, ich habe mich da etwas hinreißen lassen …« – eine Erklärung, die Frederiksen gerade nicht wirklich weiterhalf. Er war es einfach leid ein Spielball der Umstände zu sein. So hatte er seinen rechten Arm, seine Frau und seinen Glauben an die Menschheit verloren. Mühsam setzte er sich auf und war allem Anschein nach auch nicht gefesselt. Aber warum sollten sie das auch tun? Moment … man hatte ihn entführt! Nachdem er das Signal zum Satelliten geschickt hatte, war ihm plötzlich schwarz vor Augen geworden. Und jetzt war er hier!

Der Raum sah wie eine Krankenstation aus, gesäumt von einem Dutzend leerer Betten. Nur vor seinem standen 3 Besucher, wobei die beiden jeweils Äußeren wohl den mittleren Mann bewachten. Jetzt fiel ihm auf, dass sie eine frappierende Ähnlichkeit besaßen. Nicht wie Zwillinge, mehr wie nahe Verwandte. »Ach kommen Sie, Eric. Es tut mir wirklich, ehrlich leid! Die Umstände zwangen uns leider dazu, umzudisponieren. Wir wollten Ihnen aber nie schaden!« – »Wer sind Sie? Und verdammte Scheiße nochmal, was wollen Sie von mir!«, Frederiksen spürte Wut, die in ihm hochzukochen begann.

Der Rädelsführer atmete einmal tief aus und setzte erneut ein freundliches Lächeln auf, während er einen neuen Anlauf begann: »Mr. Frederiksen, wie Sie zwischenzeitlich bemerkt haben, haben wir Ihre Forschungen benutzt, um der Menschheit einen Neuanfang zu ermöglichen. Das ist etwas … sagen wir schief gegangen.«, er musste immer wieder kurz pausieren, während er nach den richtigen Worten zu suchen schien. »Schief gegangen? Sie haben Tausende von Menschen auf dem Gewissen! Das ist Wahnsinn!« – »Es ist … etwas kompliziert, müssen Sie wissen. Die Kurzfassung: was Sie nicht wissen und nicht wissen können ist, dass unsere Welt auch Jahre vor dem Ereignis, das als Tag X bekannt wurde, bereits zum Sterben verurteilt war. Eine Gruppe hoher Funktionäre hat dabei nach Möglichkeiten gesucht, diese Entwicklung umzukehren, aber … naja, es war nicht so einfach …«

Langsam fügte sich Puzzlestück, um Puzzlestück in seinem Kopf zu einem Bild zusammen und er konnte kaum noch an sich halten: »Sie sagen mir gerade ernsthaft, dass Sie diesen Irrsinn ausgelöst haben, um die Welt zu retten? Das ist krank!« – Sein gegenüber machte noch einen weiteren Anlauf, die Situation zu klären, doch Frederiksen blockte ab. Mühsam kämpfte sich auf die Beine. Er wartete darauf, dass ihn jemand aufhalten wollte, doch das passierte nicht. Stattdessen sah ihn der Anführer ernst an: »Eric, wie ich schon sagte, es ist kompliziert. Aber, Sie sind unser Gast und als solcher steht es ihnen frei zu gehen …«, bevor er ausreden konnte, humpelte Frederiksen an ihm vorbei aus dem Raum, ohne ihn weiter zu beachten. Er wollte hier raus, wollte den Wahnsinn endlich hinter sich lassen. Das alles war zu viel und er konnte einfach nicht mehr. Er dachte an Maya, an Amy und alle, die in den letzten Wochen vor seinen Augen gestorben waren. Frederiksen hörte dem Mann nicht mehr zu. Nicht wie er sich vorstellte und dezent darauf hinwies, dass es ihm natürlich freistünde zu gehen, es aber nicht ohne weiteres möglich wäre, weil, ja weil … durch gefühlt endlose Gänge ging es weiter und immer weiter, bis er endlich einen Ausgang fand.

Die Luft war ungewohnt frisch und zugig, der Himmel blau und wolkenlos. Er trat auf eine Art Balkon hinaus und traute seinen Augen nicht. Er war in keinem Bunker oder einer sonstigen Forschungseinrichtung. Nichts, was er bisher gesehen hatte oder trotz allem, was die Tage passiert war, glauben konnte. Vor ihm klaffte ein Abgrund in ein tiefes weißes Nichts, das in Wahrheit eine Wolkenschicht war. Diese Basis lag in keinem Bundestand oder sonst einem bekannten Ort. Sie schwebte über der Welt und Frederiksen war nicht mehr als ein Staubkorn im weiten Meer voller Hoffnungslosigkeit …

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