112 – Schwarzblende

chap016

Kapitel 16: Familienwiedervereinigung

Wie lange war er schon hier? Er war sich nicht sicher. Auch nicht, wie lange er jetzt schon wieder wach war. Frederiksen war auf seiner Couch aufgewacht. Sein unfreiwilliger Krankenhausaufenthalt lag schon wieder ein paar Tage zurück. Maya und er hatten sich ausgesprochen. Es war aber auch ein dummer Streit gewesen. Und er vermisste sie, auch wenn es erst eine gute Stunde her gewesen sein mochte, dass sie ihn hier alleine zurückgelassen hatte, weil sie heute arbeiten musste. Woran, das hatte sie ihm nicht verraten – streng geheim. Ein wenig nervte ihn diese Nummer, aber bei ihm lief es beruflich nicht mehr so gut, seit er seine Forschungen an einem künstlichen Wachstumsbeschleuniger für Pflanzen hatte aufgeben müssen.

Seinen großen Durchbruch, nicht weniger hatte er erwartet. Am Ende stand er arbeitslos auf der Straße, die eigene Forschung vom Institut einbehalten und hätte Maya nicht diesen gut bezahlten Beraterjob beim Präsidenten, würde es ihnen hier deutlich schlechter ergehen. Zumal Washington auch nicht das günstigste Pflaster zum Leben war. Dann hatte er sich doch noch in die Vertikale aufgerafft und sich auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Leider war der Kühlschrank nur leidlich gefüllt, Eric musste also improvisieren. Das Ergebnis waren Kaneloni mit Erbsen-Sahne-Soße. Kein Gedicht, aber es würde seinen Magen füllen und dieses störende Hungergefühl abtöten.

Aus Langeweile war er dann durch die Wohnung gestreift und da war ihm ein Aktenordner im Arbeitszimmer aufgefallen. Auf dem Rücken trug er ein biologisches Gefahrenstoffe-Warnsymbol und darüber ein Smilie geklebt. Das war einmal Erics Ordner gewesen, dessen war er sich sicher. Er schlug ihn auf, blätterte darin herum und verstand auf einmal gar nichts mehr. Das waren seine Forschungen, sein Wachstumsbeschleuniger. Aber diesen Ordner hatte Frederiksen bei seiner Kündigung zurückgelassen, da war er sich absolut sicher. Er blätterte weiter und stellte fest, dass dort auch Kopien von anderen Forschungsergebnissen aufgeführt waren. Er wollte sich dieses Dokument ausdrucken und wäre am liebsten direkt aus dem Wohnunr geflohen. Doch dann stand Maya hinter ihm und er zuckte vor Schreck zusammen.

»Hast du mich erschreckt! Bist du schon wieder da? Was ist das hier alles?«, versuchte er die Lage zu sondieren, doch die Frau, die er vor bald 3 Jahren geheiratet hatte, stand nur weiter schweigend da und starrte ihn an. Und dann war ihm, als würde er nach oben gerissen und er verlor den Boden unter den Füßen. Es folgte ein weiterer Filmriss, und als er diesmal die Augen wieder aufschlug, stand Maya demonstrativ vor ihm: »Du hättest es nicht herausfinden sollen, zumindest noch nicht jetzt und vor allem nicht so!«

Sein Kopf begann zu schwirren, als sich die Puzzlestücke zusammensetzen ließen. Maya wusste, dass Eric so lange bohren würde, bis er eine befriedigende Antwort gehört hatte. Und dafür hatte sie keine Zeit. Also verstieß sie willentlich gegen das Protokoll und erzählte ihm die Wahrheit: Dass sie seine Forschung genommen und verfeinert hatte. Dass die ReGenesis-Züchtung jetzt Teil von etwas Neuem, etwas Größerem war. Und dass es die Welt für immer verändern würde.

Frederiksen stiegen Tränen in die Augen. Sie ließen alle Wut und allen Schmerz verpuffen, denn das Shangrilla in seinem Blut versuchte das Ruder herumzureißen und ihm ein perfektes Happy End zu verpassen. Und dann lag er wieder auf dem Rücken, diesmal jedoch in einem Labor – festgeschnallt und hilflos und sie hatten Zeit für ein allerletztes Gespräch.

»Was hast du nur getan, Maya! Warum hast du mir nicht gesagt, dass du meine Forschungen für Projekt Purity genutzt hast! Und wieso hast du dich auf diesen Wahnsinn nur eingelassen?« Gedanken formten sich in seinem Kopf und sie schienen direkt von Maya zu kommen: »Wir werden ein neues Eden erschaffen und deine Formel und deine Züchtung werden die Welt läutern und in einem Flamenmeer wiedererwecken … die Schläfer sind erwacht!«

[…]

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