111 – An der Grenze zur Einsamkeit

chap015

[…]

Zwei Flüge und 14 Stunden später standen van Veidt und Forbes bei Captain Angelo an Bord der USS Midway und ließen sich von einer frischen Brise durchwehen. Auch dieser altgediente Flugzeugträger war nach dem Tag X aus dem Ruhestand geholt und flott gemacht worden. Doch während die USS Lexington an der Ostküste patrouillierte, hatte man die Midway an der Westküste stationiert, um immer einen sicheren Zugangspunkt zum Norden des Landes zu haben. Auch dieses Schiff war im Prinzip neutraler Boden und keiner Regierung verpflichtet, im Gegensatz zur Lexington duldete man sogar keine Zivilisten an Bord. Zumindest keine, die nicht mit Militäreskorte angereist kamen.

Ansonsten war die Begrüßung an Bord wenig herzlich gewesen, denn das mit der Neutralität nahm Angelo sehr ernst. Aber einen direkten Anflug hatte Forbes zu Gunsten eines satellitengestützten strategischen Vorrückens aufgegeben. Er machte sich keine Illusionen darüber, dass man sie erwarten würde. So sah der Plan vor, zuerst mit einem kleinen, mobilen Aufklärungsteam mögliche Verteidigungsanlagen auszuspähen und dann per Laser zu markieren. Eine Gruppe Jets würde sie dann ausschalten, bevor die Offensive beginnen würde.

»Sie sind sich also sicher, dass der Präsident, bzw. wer immer dort jetzt das Sagen hat, in der Anlage noch immer eine Superwaffe verborgen hält?«, Angelo hatte sich nur unter diesen Voraussetzungen bereit erklärt, den Angriff zu unterstützen. Natürlich hatte er entsprechende Beweise der satellitengestützten Aufklärung sehen wollen. Darüber hinaus würden in der nächsten Stunde noch einige versprengte Einheiten der Südstaaten Allianz oder was die grüne Walze von ihr übrig gelassen hatte dazu stoßen. Die Situation war hoch explosiv, da viele der Soldaten einen oder mehrere Angehörige in den letzten Tagen verloren hatten und ein Streichholz an der falschen Stelle die Offensive in eine Vendetta verwandeln könnte. Und das würde ihrem Gegner in die Hände spielen.

Unter Deck machte sich Angela bereit, die sich – wie hätte es auch anders sein können – für den Vorstoß gemeldet hatte. Sie würden mit einem getarnten Boot den Hafen infiltrieren und dort in einen der Schmugglertunnel bis in die Kanalisation der Innenstadt vordringen. Von dort aus begann das Auskundschaften und Markieren der Ziele. Natürlich mussten sie dabei unbemerkt bleiben, den ein Alarm war das Letzte, was sie gebrauchen konnten. Unklar war auch, welche Schäden und Auswirkungen der Pflanzenangriff auf diese Stadt gehabt hatte. Die Hauptkuppel schien eingestürzt zu sein und doch hatten sie eine Menge Wärmesignaturen wahrgenommen. Da musste also definitiv noch jemand leben und wer immer es war, war in der Überzahl. Das oberste Missionsziel lag aber nur in der Sicherung, nicht darin die anderen zu töten. Zumindest darauf hatte van Veidt bestanden. In seinen Augen hatte es in den vergangenen Wochen genug Tod und Zerstörung gegeben, von dem die Reste der Menschheit sich über Jahrzehnte nicht erholen würden.

Jetzt letzte Angela noch ihren leichten Kampfpanzer mit dem Biosiegel an. Zwar war sie durch eine weitere Ladung Shangrilla immunisiert worden, doch wussten sie nicht, welche Biowaffen dort vielleicht sonst noch lagerten, die ein nervöser Finger am Abzug schnell freisetzen konnte. Zur Ausrüstung gehörte auch ein Springfield M1903 Gewehr mit zusätzlichem Markierungslaser, der am Zielvisier befestigt war. Außerdem hatte van Veidt dem Gesamttrupp eine Oculus AR Aufklärungsbrille spendiert, mit der sie von der Zentrale zusätzliche taktische Informationen übermittelt bekommen konnten. Ein Medikit mit Adrenalin-Spritzen, Druckverbänden und mehren Vakuum-Siegeln, mit denen Stümpfe nach Verlust von Gliedmaßen einfach und schnell schließen ließen. Man hatte sie auch noch jeweils mit einer Walter mit Schalldämpfer versorgt, für den Fall, dass sie doch noch jemanden aus kurzer Distanz ausschalten mussten.

Angela fühlte sich das erste Mal seit langem wieder am richtigen Ende der Nahrungskette. Sie würde Frederiksen da raus holen und diese Irren Spinner aufhalten! Und es würde keine Gnade geben!

Ende Kapitel 15

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *