108 – Anderswo

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[…]

Alles drehte sich in einem Reigen und bunte Farben zerplatzten zu phantastischen Formen in einem wunderbaren Feuerwerk vor seinen Augen. Es war der Tag gewesen, als Maya und Eric frisch verliebt bei Kirby Cove am Strand saßen und das Spektakel bei der Brücke bestaunten.

Die Eigenart von großen Ideen war es, ihren Denkern zu den unerwartetsten Momenten zu kommen. Ob es ein fallender Apfel war, der Newton den entscheidenden Treffer verpasste, oder der Ausrutscher von Doktor Brown, beim Aufhängen einer Uhr, der ihm ein Bild eines Fluxkompensators beschert hatte.

Im Fall des Dr. Eric Frederiksen war es eine verirrte Rakete gewesen, die über ihre Köpfe hinweg auf die Stadt zugeflogen war, explodierte und ihn vor lauter Schreck von den Füßen gerissen hatte. Mehr war ihnen zum Glück nicht passiert, es hatte aber gereicht, um Frederiksen auf eine Formel zu bringen, wie man das Wachstum von Pflanzen beeinflussen und so ganze Wälder in wenigen Monaten statt Jahren wieder aufforsten konnte. Es wurde nicht nur das Thema seiner Doktorarbeit, sondern in den Folgejahren auch Antrieb seiner Forschung.

Bis am Ende ein Bürokrat dem Ganzen den Todesstoß verpasste und den Fluss der Forschungsgelder stoppte. Für ein paar schicksalshafte Monate war Alkohol sein bester Freund gewesen und während Maya in Washington Karriere machte, blieb er mehr und mehr zurück.

Ihre Streitereien wurden immer häufiger und bissiger, bis an diesen schicksalshaften Abend, der ihm in Washington eine Kopfverletzung eingebracht hatte. Der Nachtflieger hatte ihn dann tief in den Süden geführt, als der Ausnahmezustand alles verändert und Frederiksen seine Frau nie wieder gesehen hatte. Maya war die Liebe seines Lebens und der Grund, warum er immer weiter gemacht hatte. Es war ihm nicht nur darum gegangen erfolgreich zu sein, sondern dass Maya stolz auf ihn war. Und am Ende war er sogar auf ihren Erfolg neidisch.

Er wusste damals nicht, woran sie gearbeitet hatte. Ebenso wenig, dass seine Forschungen einen wichtigen Teil von Projekt Purity ausmachte. Seine Formel, pflanzliches Leben in nährstoffarmen Böden entstehen zu lassen. Kontrolliertes Wachstum, stimuliert durch Katalysatoren.

Daraus war ein wahnsinniger Plan geworden, den er nur im letzten Augenblick hatte aufhalten können. Zumindest hoffte er das. Irgendwie waren seine letzten Erinnerungsfetzen etwas vage. Ob das an seiner Immunisierung durch Shangrilla lag?

Das Bild, das Frederiksen aber durch ihre Aufzeichnungen und Tagebucheinträge gewonnen hatte, zeigte eine Seite von Maya, die er nicht verstehen konnte. Genozid. Menschenversuche und ihre fanatische Forschung, um den Plan dieses wahnsinnigen Präsidenten Wirklichkeit werden zu lassen, wollten nicht zu der Frau passen, die ihn so leidenschaftlich bei Kirby Cove geküsst hatte und mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte.

Er musste einfach den Grund für das Ganze erfahren und warum sie sich nicht mit ihm in Verbindung gesetzt hatte.

Mühsam kämpfte er sich aus dem Gefängnis seiner Gedanken zurück in die Realität, und als er die Augenlider aufschob, empfing ihn Dunkelheit. Er spürte, dass er auf einem Betonboden lag und gefesselt war. Und dass er wohl doch noch nicht am Ende seiner Reise war, die ihn dorthin führen würde, wo die Idee, die der Auslöser für so vieles andere gewesen war, geboren worden war. Und dass er bald einen alten Bekannten wieder treffen würde.

[…]

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