106 – Recherche

chap015

[…]

Zak rannte um sein Leben, doch die Ranken waren direkt hinter ihm. Es war fast so, als könnte er sie über seinen Rücken streichen spüren. Panik jagte durch Zaks Körper und ließ seinen Herzschlag zu einem rasenden Stakkato aus Schlägen werden, bis aller Atem aufgebraucht war und er japsend hochschreckte. Verdammt, er war schon wieder eingeschlafen! Aber dazu war weder Zeit, noch war ihm wirklich nach Schlafen zu Mute.

Zaks Kopf zierte ein dicker Verband. Sein linkes Bein würde wohl noch ein paar Wochen eingegipst bleiben. Ansonsten hatte er das Ende der Welt doch überraschend glimpflich überstanden. Seine beiden Kollegen leider nicht. Auch einige Stunden später und bei Tageslicht fühlte sich das, was sie letzte Nacht erlebt hatten, schlichtweg irreal an. Und wenn man nicht gerade aus den Fenstern sah, mochte man es für einen schlechten Traum halten. Er hatte das Bewusstsein verloren, als eine dieser Rankenpeitschen ihn erwischt und durch die Scheibe eines Panoramafensters geschleudert hatte. Dabei hatte er sich das Bein und wohl auch mehrere Rippen gebrochen. Doch Zeit, um im Krankenhaus liegen zu bleiben und das süße Leben zu genießen, hatte er nicht. Nicht mal, um sich richtig auszuschlafen.

Forbes hatte ihm einen USB-Stick in die Hand gedrückt, der allem Anschein nach wichtige Daten enthielt und er sollte sich so schnell wie möglich eine Übersicht darüber verschaffen. So schnell, wie es irgendwie möglich war. Und jetzt sichtete er Dateien, während ihm zwischendurch immer wieder die Augen schwer wurden, weil sein Akku völlig leer war. Da waren aber alle diese Tagebucheinträge dieser Wissenschaftlerin, die ihre Forschungsarbeit an diesen Killerpflanzen dokumentiert hatte. Frau Doktor Frankenstein, nannte er sie bei sich. Waren ihre Einträge am Anfang sehr nüchtern und wissenschaftlich gewesen, so schien sie immer weiter in den Wahnsinn abgedriftet zu sein. Wie verzweifelt musste man sein, um anzufangen, an seinem eigenen Laborpersonal Forschungen mit einer experimentellen Droge durchzuführen? Sie hatte das Zeug in die Frischwassertanks gegeben und zugesehen, wie einer nach dem anderen in den Selbstmord getrieben wurde. Was für ein abgefuckter Trip.

Aber außer der gehörigen Portion Horrorshow, gab das Tagebuch fast nichts preis, das eine Spur zu seinem weiteren Projekt darstellte – oder? Wie gern hätte er jetzt eine ordentliche Tasse Kaffee gehabt, hätte die Purity-Züchtung nicht auch im Krankenhaus gewütet und neben den Wänden auch ihren Kaffeevollautomaten vernichtet. In einem kurzen Moment dachte er an Pete und Dimitri, die beide den Angriff nicht überstanden hatten. Umso wichtiger war es, diesen Dateien ihr Geheimnis zu entlocken.

Er wollte schon die Hoffnung aufgeben, da entdeckte er eine Datei, die mehr Speicherplatz belegte, als die anderen, aber nicht wesentlich länger war. Sein innerer Tüftler war geweckt. Jemand hatte dort wohl etwas versteckt. Vielleicht noch mehr Daten oder einen Schlüssel oder … es gelang ihm in wenigen Minuten die Kodierung zu knacken und vor seinen Augen lief eine kurze Videosequenz ab. Das, wovon er nun Zeuge wurde, ließ die Schrecken der letzten Nacht plötzlich weit entfernt und kaum noch real erscheinen. Und plötzlich war alles so klar. Alles, was sie die letzten 17 Jahre hatten erleiden müssen, wie es dazu gekommen war und auch der Zweck des Ganzen … es lag direkt vor ihm. Er musste mit Forbes sprechen … sofort!

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