105 – Wiederaufbau

chap015

[…]

»Ich will niemanden sehen!«, klang es durch die Tür. Aber eigentlich wusste van Veidt, dass ihm nicht viel mehr Zeit blieb – Kater hin oder her. Auch ärgerte sich mehr über sich selbst. Sein törichtes Verhalten vom Vorabend. Er war zu alt zu kämpfen, aber sich in sein Schicksal zu ergeben, nein, so hatte er sich nie gesehen. Und das machte ihn wütend. Denn am Ende hatte sich alles doch zum Guten gewandt und Frederiksen hatte seinen Wert unter Beweis gestellt. Und am Ende war es doch seine Aufgabe, mit seinem Wissen aus der Vergangenheit und seinen Mitteln aus dem Jetzt, das Richtige zu tun. Stattdessen hatte er aufgegeben.

Dann schwang die Tür auf und Forbes kam herein: »Sie hatten lange genug Zeit, Ihren Rausch auszuschlafen! Das hier ist Ihrer nicht würdig!« – »Das war mein Ausbruch von gestern auch nicht«, er seufzte, während ein blitzartiger Schmerz durch seinen Kopf fuhr und er musste sich kurz abstützen, »Ich brauche wohl doch erst ein Aspirin, bevor mich die Welt zu sehen bekommt … argh … in meinem Alter sollte ich es wohl nicht mehr so übertreiben …«

Forbes, der sich als Anführer immer im Griff haben musste, musterte den Millionär etwas herablassend. So wie am gestrigen Abend, hatte er den alten Mann noch nie erlebt. Die letzten Tage und Wochen hatte er nachgelassen. War es das fehlgeschlagene Attentat auf Frederiksen gewesen, das van Veidt beinahe das Leben gekostet hatte?

Van Veidt musste sich wieder zusammenreißen. Eine wichtige Schlacht war gewonnen worden, aber der Krieg, so war er sich sicher, der Krieg war noch nicht entschieden.

»Sir, Frederiksen ist verschwunden!« Forbes ließ die Worte kurz im Raum stehen »Unsere verbliebenen Truppen sind noch in der Stadt unterwegs, um Hilfestellung zu leisten. Daher konnten wir der Sache noch nicht nachgehen, aber weder konnten wir einen Körper finden, noch andere Spuren von ihm …« – van Veidt stützte sich auf und kämpfte gegen ein dumpfes Pochen an, das seinen Kopf durchzog. »Das ist kein gutes Zeichen! Da ist wohl noch ein Spieler auf dem Feld … dieser Emanuel vielleicht?« – »Das ist möglich. In dem ganzen Trubel vor dem Angriff gab es keine Zeit, Bericht zu erstatten. Wir wissen weiterhin nur, dass der Präsident tot ist. Und damit hoffentlich auch sein verrückter Plan.«

»Ich fürchte nicht, mein Freund. Da war noch viel mehr – ich sagte Ihnen ja schon, dass die Vernichtung allen Lebens auf diesem Kontinent nur ein Teil dieses perfiden Plans war. Wie bei einem Eisberg haben wir gerade erst die Spitze entdeckt. Aber unter der Oberfläche haben wir noch nicht nachgesehen. Was ist mit Frederiksens Beschützerin? Was ist mit Porter?« – »Sir, Gunnery Seargant Porter erholt sich gerade auf dem Krankenrevier der Basis. Es sieht gut aus. Sie wird ein paar Tage Ruhe brauchen, aber wieder ganz auf die Beine kommen. Ich habe dem Personal gesagt, dass sie sie erstmal in Ruhe lassen sollen.«

Zeiten der Ruhe mussten genutzt werden, um die Kräfte zu erneuern. Wenn sie nur wüssten, wo sie das nächste Puzzlestück finden würden?

[…]

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