103 – Anschluss finden

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Kapitel 15: In die Katakomben von San Francisco

Der neue Tag kam und offenbarte ein Bild der Zerstörung. Die halbe Stadt lag in Trümmern, aber San Diego hatte überlebt. Forbes würde seinem persönlichen Schutzengel eine ordentliche Gehaltserhöhung zukommen lassen müssen. Am Ende hatte gut die Hälfte seines Teams überlebt, viel wichtiger aber war, dass es fast keine zivilen Opfer zu beklagen gab – zumindest in San Diego. Die anderen Städte, die der Walze zuvor zum Opfer gefallen waren, bestanden zu einem großen Teil nicht mehr.

In nächsten Wochen musste neben den Aufräumarbeiten überhaupt einmal eine neue Volkszählung durchgeführt werden. War nach dem Tag X die US-Bevölkerung auf annähernd 30% geschrumpft, so hatte sie sich erneut um geschätzt über die Hälfte verringert. Viele Familien gab es nicht mehr. Ein Drama, das so kurz nach der Katastrophe kaum fassbar schien. Aber sie würden weiter machen, wie es Amerika immer getan hatte. Und sie würden die letzten Städte wieder aufbauen.

In dem ganzen Trubel in der Nacht war einer der Helden der Stunde, Dr. Eric Frederiksen, abhandengekommen. Sein Verschwinden warf Fragen auf, die sie leider erst einmal ob der Menge an akuteren Problemen zurückstellen mussten. In einer Nebenstraße hatten sie die verletzte Angela Porter gefunden und direkt in eines der von der Katastrophe verschonten Krankenhäuser gebracht. Diese waren nach letzter Nacht überfüllt, allerdings genoss das Militärpersonal da ein paar Privilegien und Forbes würde ein paar Gefallen einfordern müssen.

Nur van Veidt war noch nicht aus seiner Höhle gekommen. Dieser hatte den Verlauf der letzten Tage nicht gut verkraftet. Erst war er schwer verletzt, dann vor einige harte Wahrheiten gestellt und letztendlich mit Entscheidungen aus der Vergangenheit eingeholt worden. Er würde später nach ihm sehen – wahrscheinlich musste er sowieso noch einen Rausch ausschlafen.

Für eine Zeit hatte Forbes nicht gedacht, dass er den heutigen Morgen erleben würde. Und in der Tat glich ihre Rettung in letzter Minute einem verdammten Wunder, an das selbst er nicht mehr geglaubt hatte. Er hielt sich selbst an, sich am Riemen zu reißen und auf seine Aufgabe zu fokussieren. Sein Truppe war auf einen Gesamtpersonalstab von 40 Mann geschrumpft, die er der Stadtverwaltung zur freien Verfügung unterstellt hatte, um humanitäre Hilfestellung für die überlebenden Bürger zu bieten. Die Trabantenstadt vor den Toren von San Diego war noch rechtzeitig abgebaut worden. Sie würde dort wieder entstehen, nur größer, um auch den jetzt obdachlos gewordenen Bürgern eine provisorische Bleibe zu bieten. Es würde nicht alles sofort funktionieren und auch seine Zeit dauern, bis wieder annähernd so etwas wie Ordnung aufkommen würde, aber der Anfang war getan.

Letztendlich hatten sie gewonnen, auch wenn der Triumph sich wie ein Pyrrhussieg anfühlte. Um 0900 würde es eine kurze Nachbesprechung geben und dann erst mit der eigentlichen Arbeit richtig losgehen. Aber Hauptsache war, dass der Plan des verrückten Präsidenten vereitelt worden war. Jetzt war die Devise Durchhalten und den Menschen so gut wie irgendwie möglich zu helfen und sie zu unterstützen. Er seuftze und ließ den Blick noch einmal über die Dächer der Stadt schweifen. Sie hatten noch viel Arbeit vor sich! Was Forbes allerdings nicht wusste, war, dass genau jetzt ein gewisser Thomas Emanuel mit einem gefangenen Frederiksen unterwegs nach Norden war, um die nächste Phase des Plans des Präsidenten einzuläuten. Und dass der grüne Tsunami, wie einige Soldaten den Angriff genannt hatten, nur der Auftakt eines viel perfideren Projekts war, das in den Ruinen von San Francisco auf seine Wiedererweckung wartete.

[…]

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