102 – Das Ende?

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[…]

Emanuel setzte den Feldstecher ab und überlegte kurz. Vielleicht hätte er sich Frederiksen wirklich bereits am Flughafen schnappen sollen, doch er wollte vermeiden, sich dieser Porter zu stellen. So war er dazu gezwungen gewesen, zu improvisieren. Er war den beiden gefolgt, um einen besseren Moment zum Eingreifen abzupassen. Und jetzt zweifelte er, ob das wirklich eine so gute Idee gewesen war.

Jetzt stand Frederiksen zu nahe am Stützpunkt der Soldaten. Ob dort noch jemand überlebt hatte? Unwahrscheinlich, aber das Risiko, das für ihn bestand war zu groß. Er war der Letzte, der den Plan des Präsidenten noch umsetzen konnte. Die Vision einer neuen Welt, ohne Schwäche, ohne Gewinsel und ohne Leid. Das war ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnte. Und vielleicht konnte das seinen inneren Schmerz und den Verlust, den er erlitten hatte, endlich lindern. Und ja, Frederiksen würde bezahlen, und das war alleine schon eine große Motivation für ihn.

Er setzte das Fernglas wieder an und suchte nach ihm. Die Pflanzenwand war bereits weitergezogen und viel würde von der Stadt bald nicht mehr übrig sein. Diese Ranken bohrten sich tief in die Eingeweide der Häuser und ließen die meisten davon nur als Trümmer zurück. Ein Wunder, wenn das hier überhaupt jemand überlebt hatte. Dann sah er Frederiksen wieder, der auf etwas zulief, das wie eine kleine Radarschüssel aussah. Naja, eher zuhumpelte, denn beim Sturz hatte er sich wohl doch verletzt. Verdammt, da schienen wirklich noch Soldaten zu leben. Jetzt schien er mit einem am Boden liegenden Körper zu sprechen.

Von Emanuels Aussichtspunkt, dem Dach eines der wenigen noch intakten Bürogebäude in der Gegend, konnte er jetzt sehen, wie Frederiksen sich aufgeregt mit der Schüssel beschäftigte. Was machte er da nur und wie sollte er jetzt an ihn rankommen? Was dann geschah, wirkte surreal und kaum zu glauben. Für einen kurzen Moment war es taghell und Emanuel musste seine Augen schützen. Was war hier los? Dann erscholl ein so ohrenbetäubendes Kreischen, dass Emanuel das Fernglas fallen ließ und taumelnd auf die Knie fiel.

Und dann war der Spuk auch schon wieder vorbei und am klaren Nachthimmel ging eine helle Sternschnuppe nieder. Es dauerte einen Moment, aber dann kämpften sich die ersten Menschen aus den Trümmern und begannen zu jubeln. Was war geschehen? Warum …? Er suchte am Horizont nach der Front der Pflanzen, konnte sie aber nicht ausmachen. Dieser Mistkerl hatte irgendetwas gemacht, dass die Purity Züchtung aufgehalten hatte! Und jetzt war er erschöpft vor dem Terminal auf den Boden gesunken … also gut, wenn nicht jetzt, wann dann? Das mochte die allerletzte Chance sein, um Frederiksen einzukassieren.

Behände begann er sich über die Überreste der Dächer des Straßenzuges auf sein Ziel zu zu bewegen. Und es wurden immer mehr Menschen, die sich sammelten, die allerdings noch genug mit sich selbst und der neuen Situation beschäftigt waren, so dass Emanuel weiterhin freie Bahn hatte. Er verpasste dem Doktor noch einen Schlag, um ihn endgültig ins Land der Träume zu schicken und zog ihn erstmal in Deckung. Jetzt würde er sich etwas Zeit lassen, um seine Flucht aus der Stadt vorzubereiten. Dann würde er in den Komplex nach San Francisco zurückkehren und den Failsafe auslösen. Dieses Land musste gereinigt werden und wenn nicht durch die Purity-Züchtung, dann eben durch die brennende Faust!

Ende Kapitel 14

 

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