099 – Brennende Luft

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[…]

Es kostete Angela einiges an Kraft, aufzublicken. Während sich ihr Gleichgewichtssinn nach dem Treffer noch immer im Kreis drehte, versuchte sie zu begreifen, was sie da eben von den Füßen geholt hatte. Verschwommen hatte sie nur eine Gestalt gesehen, die sich von ihr wegbewegte. Ein Schatten ohne Kontur, aber langsam verblassend, im diffusen Licht der Flutlichtscheinwerfer, die das Flughafengelände, das van Veidts Basis beherbergte, ausleuchtete.

Sie rang mit sich, aber es dauerte noch ein paar Minuten, bis ihr Kopf ganz langsam wieder klarer wurde und sie sich langsam wieder auf die Füße kämpfte. Frederiksen, dachte sie kurz irritiert. Nein der Doktor hatte sie bestimmt nicht niedergeschlagen. Wer immer sie angegriffen hatte, besaß eine militärische Ausbildung. So einfach konnte man Gunnery Sergant Angela Porter nicht überlisten. Als sie sich jetzt umsah, war niemand mehr zu sehen. Weder der unbekannte Fremde noch Ihr Schutzbefohlener. Und die Stille um sie war bedrückend – man hörte nicht mal das zu dieser späten Stunde übliche Grillenzirpen.

Ihr war bewusst, dass es immer noch auf jede Sekunde ankam und sie schnell zu den anderen stoßen musste, wo auch immer die hin verschwunden waren. Sie tastete sich ab, doch außer ein paar oberflächlichen Blessuren schien alles intakt zu sein. Nur das gefundene Funkgerät hatte wohl beim Sturz etwas abbekommen. Sie konnte nur weißes Rauschen empfangen. Verdammt, wo mochten Forbes und die anderen nur sein … am Hafen oder vielleicht direkt an der Stadtgrenze? Einer anderen Eingebung folgend, fiel Ihr van Veidt’s Penthouse in der City ein, das einen wirklich großartigen Überblick über die Nordstadt bot und daher sicher einen besseren Kommandoposten abgab als der Flughafen, der, abgesehen vielleicht vom Tower, kaum gute Verteidigungsmöglichkeiten gegen einen Pflanzenangriff bot. Und van Veidts Penthouse hatte sie schon mehrfach Mal besucht – zuletzt zu einem kleinen Sektempfang anlässlich van Veidts siebzigsten Geburtstag.

Sie wischte die Gedanken beiseite, um sich wieder auf ihre aktuelle Lage zu fokussieren. Frederiksen mochte gefangen genommen worden sein, vielleicht auch geflohen. Wie auch immer, der Fremde würde sich wahrscheinlich in Richtung Ausgang der Basis bewegen, sie sollte dort vielleicht zuerst suchen. Doch sie brauchte noch einen fahrbaren Untersatz!

Gegenüber der Baracken lag ein kleiner Parkplatz, auf dem diverse Einsatzfahrzeuge abgestellt waren, ihr sprang aber ein an einen Mast angelehntes Motorrad ins Auge. Mit einem Bike war sie schneller und flexibler als mit einem Jeep oder SUV. Natürlich steckten die Schlüssel nicht, aber sie hatte in ihren düsteren Tagen auch ein paar andere nützliche Dinge gelernt, wie z.B. das Kurzschließen von Fahrzeugen. Schon saß sie auf dem Geschoss, hatte die notwendigen Drähte unter der Amaturenbrettabdeckung ausfindig gemacht und verband diese nun. Viel Zeit hatte sie auch nicht mehr, denn schon erscholl von fern her ein Alarmsignal, das womöglich schon den Angriff der Pflanzen ankündigte. Heulend jaulte der Motor auf, als sie aus dem Stand heraus beschleunigte und in Richtung Tor rauschte.

In wenigen Sekunden hatte sie die Strecke zurückgelegt und sah im Lichtkegel des Scheinwerfers einen leblosen Körper am Tor liegen. Sie ließ die Maschine zurück und spurtete auf die Gestalt zu. Ein kurzer Moment der Erleichterung, als sie einen bewusstlosen Frederiksen vorfand. Mit einigen unsanften Schlägen schaffte es sie, den Doktor wieder zurück ins Leben zu bringen. Von ihrem Angreifer war allerdings weiterhin nichts mehr zu sehen. Naja, dachte sie, dann lieber keine weitere Zeit verlieren! Sie lud ihn auf die Maschine und hoffte, dass ihre Glücksträhne noch ein klein wenig anhalten würde und sie die anderen schnell finden konnte. Und so heizten beiden durch ein schwülwarmes nächtliches San Diego, in einem wilden Wettlauf gegen die Uhr!

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