098 – Unsanfte Landung

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Am Anfang war der Schmerz gewesen, als die beiden auf dem asphaltierten Rollfeld aufkamen. Zudem schleifte sie der Schirm, den sie zum Abbremsen benutzt hatten, noch ein paar Meter weiter. Auch wenn Angelas Kampfpanzer einen großen Teil der kinetischen Energie abgefangen hatte, würde Frederiksen noch ganz schön lange ein Andenken mit sich herumtragen. Dessen war er sich sicher. Wenigstens führte der erneute Impuls dazu, dass der Phantomschmerz in seinem Arm endlich Ruhe gab.

Dann ließ Angela mit einem Schnalzen den Fallschirmgurt aufspringen, der Schirm wurde von einer Windböe erfasst und ohne die Passagiere weiter getragen. Frederiksen kämpfte sich nach oben und begann seinen Anzug abzuklopfen, während Angela bereits mit wachsamen Blicken eine Bestandsaufnahme machte. »Noch mehr so grandiose Ideen? Bitte ohne mich!«, stöhnte Frederiksen, was Angela ungewohnt schlagfertig mit »Da hätten Sie einfach mal rechtzeitig Ihr Stuntdouble rufen sollen, Herr Doktor! Und jetzt los! Für Ihr Mimimi ist jetzt absolut keine Zeit!«, quittierte. So zog sie ihn im Dauerlauf mit und er war überrascht, dass sich sein Asthma nicht meldete. Aber vermutlich hatte er dank Shangrilla bereits einen ausreichenden Schutz aufgebaut. Naja, wenn nicht, würde er es bald merken.

Sie fanden die Teambaracken verlassen vor. Das Chaos hier ließ nur den Schluss zu, dass der Standort in großer Eile evakuiert worden war. Ob der Grund dafür die herannahenden Pflanzen gewesen waren? »Ich suche gerade mal einen Computer! Wir müssen dringend auf die Disk zugreifen«, ergriff er die Initiative. Sonst konnte er auch nicht viel tun, wie er in der unterirdischen Basis in Newark hatte feststellen müssen. Doch Angela nickte nur kurz und machte sich auf die Suche nach brauchbarer Ausrüstung: »Mal sehen, ob ich für uns einen fahrbaren Untersatz und ein Funkgerät finde. Wir brauchen dringend Kontakt zu Forbes oder van Veidt! Wir treffen uns in 5 Minuten wieder genau hier!« – doch das musste Angela Eric nicht zweimal sagen. Die Basis so menschenleer und verlassen zu sehen, war ihm unheimlich und hier auch noch alleine auf sich gestellt zu sein, trug nicht gerade dazu bei, dass er sich besser fühlte.

Nach einigem Kramen in Spinden der hier stationierten Soldaten konnte er immerhin einen Tablet-Rechner mit gesprungenem Display finden, der auf den ersten Blick auch noch funktionierte. Er schloss den Stick an und begann erneut, die Unterlagen und Logs seiner Frau zu durchsuchen. Die Indexsuche nach ‚Frequenz‘ oder ‚Failsafe‘ brachte nichts. Aber unter Störfaktoren fand er eine Passage über die Lärmempfindlichkeit der Pflanzen bei einer bestimmten Schallfrequenz. Wenn sie einen Radiosender auftun konnten, würde das ihre Chancen, hier lebend rauszukommen, deutlich steigern. Bei all der Suche hatte er etwas die Zeit aus den Augen verloren, und als er das nächste Mal aufblickte, waren bereits 10 Minuten vergangen und von Angela keine Spur mehr zu sehen. Besorgt verließ er die Baracke, um sich draußen umzusehen, aber auch dort konnte er in weitem Umfeld keine Spur von der Soldatin ausmachen. Hatte sie ihn letztendlich doch im Stich gelassen? Nein, das wollte er nicht glauben. Aber vielleicht war ihr etwas zugestoßen? Das beklemmende Gefühl von Sorge mischte sich zu seinem Unbehagen, in das ihn die Stille versetzte.

Und genau in diesem Augenblick hörte er von Ferne eine Alarmsirene, wie sie die Feuerwehr zur Waldbrandsaison in Kalifornien benutzte. Aus der beklemmenden Sorge wurde Panik und der Wunsch erwuchs in ihm, nur schnell wieder wegzukommen. Er nahm das Tablet unter den Arm und begann ziellos in Richtung Haupteingang und der Straße zu laufen. Dabei drehte er sich ständig in alle Richtungen um, aus Angst, die Purity-Züchtung würde ihn bei dieser Begegnung endgültig ausschalten. Wo verdammt nochmal war Angela hin verschwunden? Dann erscholl in ein paar Kilometern Entfernung eine gewaltige Explosion und Frederiksen begann zu rennen, bis er keine Puste mehr hatte und hechelnd am Haupttor zu Boden ging. Schon im nächsten Moment versagte sein Kreislauf, dem er an diesem Tag schon viel zu viel zugemutet hatte und sein Verstand driftete in eine leere Dunkelheit ab.

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