095 – Zurück ins Chaos

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[…]

»Was heißt das, Sie sind sich nicht sicher, ob sie landen können?«, Frederiksen stand hinter dem Piloten im Cockpit und wollte nicht glauben, was er da hörte. Der Pilot wiegelte weiter ab: »Der Tower meldet, dass die Stadt im Ausnahmezustand ist, weil in geschätzten 30 Minuten der Angriff erfolgt und wir brauchen wohl noch 45 Minuten bis zum Flughafen. Und dann müssen wir erst noch landen, verstehen Sie?«

Doch Frederiksen verstand nur zu gut. Genau deswegen musste sie so schnell dorthin. Er sparte sich das obligatorische ‚Kann diese Maschine denn nicht schneller fliegen‘ und beschloss nach Angela zu sehen. Die war noch verschnürt und immer noch ohne Bewusstsein. Die Vorsicht gebot ihm, sie noch so zu belassen, wenn er sie jetzt weckte. Ein Flugzeugabsturz passte gerade so gar nicht in ihrem Zeitplan. Er verabreichte Angela eine Prise Riechsalz, nur um reflexartig zurückzuzucken, als sie aus der Ohnmacht hochschreckte. Wild atmend sah sie sich ruckartig um und Frederiksen war sich nicht ganz sicher, ob das ihrer Ausbildung oder den Nachwirkungen ihrer Entdeckung geschuldet war. Er selbst hatte auch Stunden gebraucht, um halbwegs wieder klar denken zu können. Jetzt beugte er sich zu ihr herunter: »Alles in Ordnung, Porter? Können Sie mich hören?«

Zuerst machte sie kaum Anstalten darauf zu reagieren, dann setzte der Verstand aber wieder ein und sie fixierte den Biologen mit säuerlichem Blick: »Losmachen, sofort!« – »Aber nur, wenn Sie nicht tollwütig sind … Sie haben da ein ganz schönes Chaos hinterlassen …« Sie quittierte mit einem tiefen Grunzlaut und wäre die Situation eine andere gewesen, er hätte sie noch eine Weile beobachtet, bevor er ihre Fesseln löste. Doch auch so schien sie sich wieder unter Kontrolle zu haben. »Angela, ich brauche Sie! Wir sind bald da und ich fürchte, wir sind spät dran!«

Vorsichtig stand Angela auf. Ihr Kreislauf musste noch richtig warmlaufen. Doch als Frederiksen ihr in Kurzform ihre Situation beschrieb, verstand sie sofort. Ein Absprung aus dem Jet bei voller Höhe kam nicht in Frage. Der kleine Privatjet hatte weder eine Druckschleuse noch eine Heckluke. Doch in Angelas Kopf begann bereits ein Plan Gestalt anzunehmen und sie wusste auch, dass Frederiksen sie dafür hassen würde. Nach einem kurzen Funkaustausch mit dem Tower und einem intensiven Gespräch mit dem Piloten war es beschlossene Sache. Sie legte ihren Kampfpanzer und einen Fallschirm an und band sich einen protestierenden, einarmigen Biologen vor den Brustkorb. Die Maschine würde nicht landen, aber in wenigen Metern über dem Flughafengelände fliegen, sodass Angela mit Frederiksen als Tandem aus der Maschine springen und direkt den Schirm öffnen würde. Das Timing war von überlebenswichtiger Bedeutung, denn wenn sie mit dem Fallschirm am Flügel hängen blieben, oder noch schlimmer, in das Triebwerk hineingesogen würden, wäre das ein sehr unschönes Schlusskapitel. Die Maschine selbst würde ihren Kabinendruck verlieren, was aber bei dieser Höhe unkritisch war.

»Wir überfliegen jetzt die Angriffsfront. In 2 Minuten sind wir über dem Gelände! Viel Glück! Sie werden es brauchen!«, kam es aus der Kanzel. Angela entriegelte die Türsicherung und die Tür wurde mit brachialer Gewalt nach draußen gerissen, während beide noch mit den Gurten des Flugbegleiters gesichert waren. Dann kam das Signal vom Piloten. Ein Stoßgebet, ein Schrei von Frederiksen und beide sprangen.

[…]

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