094 – Die Zeit gefriert

chap014

[…]

Als die Sirenen in der Ferne erschollen, war Zak Lamm und den anderen klar geworden, dass weder Dr. Frederiksen noch jemand anderes als Hilfe kommen würde. Wer nicht zu einem Schutzraum drängte, versuchte auf andere Arten sein Leben zu schützen. Sie waren also auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, sich selbst aus dem Dreck zu ziehen, oder sie würden die nächsten Stunden nicht überleben. Ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. Sie mussten improvisieren und das war nicht seine Paradedisziplin.

Die Sender an sich waren so weit, doch ohne die Frequenz war es wahrscheinlicher, die 6 Richtigen im Lotto zu tippen, als durch Zufall das passende Muster zu finden. Dann war Dimitri aber noch eine Idee gekommen. Sie konnten mit einem modifizierten Relais eine Reihe von zufälligen Signalschleifen ausstrahlen. Immer noch nicht besser als Lotto zu spielen, jedoch besser, als hier auf das unvermeidliche Schicksal in Form eines grausamen Todes zu warten. Er arretierte sein Notebook und verband es mit dem Sendemodul. Das Skript für den Zufallsgenerator hatte ganze 3 Zeilen. Dann wurden sie Zeugen eines unglaublichen Schauspiels. Eine Schwadron Kampfjets war aufgestiegen und überflog sie knapp, nur um wenige Meilen weiter ihre Ladung abzulassen. Vor ihren Augen lösten Napalm-Torpedos ein flammendes Inferno aus, das den Horizont in Brand steckte. Ein Anblick, der majestätisch und alptraumeinflößend zugleich wirkte und sie den Rest ihres Lebens verfolgen würde – wie lange auch immer das noch andauern mochte.

Für einen kurzen Augenblick keimte Hoffnung auf, die Torpedos hätten das Unglaubliche möglich gemacht und die Bedrohung aufgehalten. Gebannt lauschten sie auf die Stille und minutenlang geschah nichts. Doch als sich ein schleifendes Wischen aus der Dunkelheit auf sie zu bewegte, starb die Hoffnung und machte der grausamen Realität Platz. Noch bevor die Quelle des Geräusches aus dem Schatten kam, aktivierte Zak das Skript und surrend begann der Signalgenerator, die Befehle abzuarbeiten.

»Schon was zu sehen?«, rief er Dimitri zu, der allerdings völlig gebannt auf den Schatten starrte. Dann schien die Zeit unvermittelt ausgebremst zu werden. Und wie in Zeitlupe schälten sich die ersten Tentakel suchend aus der Dunkelheit. Noch zeigte das gesendete Signal keine Wirkung. Und schon schlang sich die erste Ranke um die Verstrebung von Dimitris Antenne. Einer Schlange gleich wanderte sie nach oben und wurde von zwei weiteren Tentakeln begleitet, zu denen sich immer weitere gesellten. Das Gestell begann unter dem Zug zu knarren und knarzen. Dann verbog sich das Metall wie Draht und der vordere Turm geriet ins Schwanken. »Pete! Pass auf! Halt dich fest!« – rief er dem Ingenieur zu, der sich verzweifelt am Gerüst festklammerte. Das war kurz bevor der Turm tosend umstürzte und sofort von 100 Ranken überzogen war, in denen Pete mit einem letzten panischen Schrei verschwand! Als Nächstes wackelte Zaks Turm. Das musste etwa der Moment gewesen sein, in dem der Zufallsgenerator eine der gesuchten Frequenzen erwischte. Eine zuckelnde Bewegung ging durch das Gerüst, als müssten sich diese Monster vor Schmerz die Ohren zuhalten.

Einen Atemzug später aber schon sprang das Skript weiter und was auch immer dieses Muster bewirkt hatte, es hatte dieses Pflanzending nur wütender gemacht. Während sich jetzt auch Zaks Turm gefährlich nach Norden wölbte, stoppte Zak das Skript, rief das Archiv auf und suchte erneut nach dem Frequenzbereich, in dem das Signal diese Wirkung erzielt hatte. Doch schon näherte sich von Osten eine weitere Ranke. Und langsam wurde Zak bewusst, in welcher Gefahr er schwebte. Schnell ließ er die Programmschleife rückwärts laufen, um den Effekt von eben wieder herzustellen. Es musste ihnen gelingen! Einen Trostpreis gab es nicht. Ein Angriff dauerte meistens eine knappe Stunde. Also hoffte Zak auf ein sicheres Versteck und zog Dimitri zu sich herüber. Doch schon schlang sich ein Tentakel um Zaks Bein. Er schrie in sichtbarer Panik auf. War nun alles aus?

[…]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *