092 – Die Dunkelheit kommt…

chap013

[…]

Zorn, Wut und blanker Hass. Es musste schon Stunden her sein, dass sie ihn übertölpelt hatten. Als er endlich einen Ausgang aus seiner ‚Shangrilla‘-geschwängerten Traumillusion gefunden hatte, lag er auf dem Rücken und das Erste, was er sah, war die rissige Betondecke des Bunkers gewesen. Ein wenig desorientiert hatte er sich in die Waagerechte gekämpft und war mehrere unbeholfene Schritte durch den Raum gewankt.

Hinter dem Tisch saß immer noch der Präsident, allerdings mit einem faustgroßen Loch in der Brust, durch das sich der Ast noch einige Zentimeter weiter gekräuselt hatte und den Körper in einer furchteinflößenden Pose, wie festgefroren, hielt. Das Gesicht war schmerzverzerrt und die Augen weit aufgerissen. Doch Emanuel hatte kein Mitleid. Er war schwach geworden und gerade der Präsident der Vereinigten Staaten durfte vieles sein, schwach und hilflos jedoch nie. Es war eine stolze Nation und so hatten sich auch gefälligst ihre Führer zu verhalten.

Die Pflanzeninvasion musste einige Stunden vor ihrem kommen begonnen und die restlichen Soldaten und Wachen getötet haben. So war keine Zeit mehr geblieben, den mächtigsten Mann der Nation in Sicherheit zu bringen. Jetzt war nur er übrig und das machte ihn nicht nur zu einem einfachen Überlebenden, nein, er war jetzt der ranghöchste Offizier seiner geliebten US Army. Und damit gleichzeitig Staatsoberhaupt – zumindest, bis er die Schläfer aus Elysium befreit hatte und der dann nächsthöhere Offizier oder Politiker das Amt übernahm. Und das lag nicht mehr in allzu großer Ferne. Sobald die Pflanzenwalze den kompletten Kontinent geläutert hatte, konnte die Neubesiedelung beginnen. Davor brauchte er allerdings noch diesen verdammten Jammerlappen Frederiksen. Diese Ärztin hatte den Zugang zur Forschungsstation mit seiner DNS verschlüsselt. Es reichte also nicht, einfach seinen anderen Arm abzuschneiden, um die biometrischen Systeme zu überlisten, nein, er brauchte das lebende Exemplar.

Und das war gerade bestimmt wieder auf dem Weg nach Hause. Sie hatten einige Stunden Vorsprung und die Pflanzenwalze würde bald San Diego dem Erdboden gleichmachen, es blieb ihm also nicht allzu viel Zeit, Frederiksen in Sicherheit zu bringen. Und sobald er seine Schuldigkeit getan hatte …

Nachdem Emanuels Kopf langsam aufgehört hatte, sich zu drehen, war er tiefer in den Bunker herabgestiegen, um einen Jet im Hangar zu kapern. Um Frederiksen diesmal endgültig dingfest zu machen, musste er seine Kreativität spielen lassen und noch vor dem Trupp wieder in San Diego sein. Und dann war kein Platz mehr für Fehler. Es würde nur die eine Chance geben. Und dann hätten sie es geschafft und die neue Welt könnte kommen. Man würde den Präsidenten als feige ermordeten Märtyrer feiern – verdient oder nicht. So hatte er zumindest noch politisch seine Aufgabe erfüllt. Nichts verkauft sich besser als Patriotismus.

Schnell hatte er eine F22 betankt, bestiegen und sich per Katapultstart aus den ausgetrockneten Fällen geschleudert. Es war endgültig Zeit für eine Abrechnung und diesmal würde ihm niemand mehr in die Quere kommen, soviel war sicher. Frederiksen hatte ein Rendezvous mit dem Schicksal und wer war er, es ihm zu verweigern? Schneller und immer schneller beschleunigte der Jet, nur um mit einem lauten Knall die Schallmauer zu durchbrechen. In wenigen Stunden war er da!

Ende Kapitel 13

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