089 – Zwischenstopp

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Eine Erschütterung ging durch den Helicopter, als er auf dem Flugdeck der USS Lexington aufsetzte. Noch während die Rotoren langsam in den Leerlauf schalteten, wurde die seitliche Schiebetür geöffnet und zwei Uniformierte wiesen Angela und Frederiksen an, ihnen zu folgen. Kaum ausgeladen stieg der Helicopter auch schon wieder. Über das belebte Flugdeck, vorbei an einem halb weggewischten Blutfleck, liefen sie zu van Veidts Jet, der bereits aufgetankt auf sie wartete. Viel Zeit blieb ihnen nicht, um nicht zu spät zum letzten Widerstand in San Diego zu kommen. Die nächsten Stunden würde sich Frederiksen weiter durch Mayas Dokumente und Tagebucheinträge wühlen müssen. Zumindest hatte er langsam das Gefühl, dem Ziel näher zu kommen.

Es war seine Entdeckung gewesen, die vom Präsidenten in eine tödliche Genozit-Waffe verwandelt worden war. Schallwellen könnten die Lösung sein, um die Stadt vor dem Angriff zu schützen. Aber einen passenden Übertragungsweg sowie eine passende Frequenz zu finden, waren an sich immer noch die größten Schwierigkeiten. Auch machte er sich Sorgen um Angela Potter. Sicher, sie war tough und würde ihn mit all ihren Fähigkeiten schützen, aber seit ihrem ‚Trip‘ mit Shangrilla hatte sie schweigend aus dem Fenster gestarrt. Es war aber kein ängstliches oder nachdenkliches Grübeln. Sie sah so aus, als hätte sie jetzt alle Zwänge und Zweifel hinter sich gelassen und wäre befreit worden. Das war nicht die Reaktion, die man vom ersten Schuss einer Wunderdroge erwartete, oder?

Er selbst war zumindest immer zu Maya zurückgekehrt und hatte von ihr wichtige Tipps und Hinweise erhalten. Und ganz langsam fügte sich auch das Puzzle in seinem Kopf zusammen, was Mayas Motivation hinter dem Ganzen gewesen war. Die Schuld, die sie auf sich geladen hatte, hatte sie nicht mehr losgelassen und dazu gebracht einige sehr fragwürdige Dinge zu tun. Wenn er doch wenigstens die Chance gehabt hätte, mit ihr selbst noch ein letztes Mal zu sprechen. Nicht in einem drogendurchzogenen Traum, sondern in echt. Aber diese Chance war vertan. Ihnen blieb nur Paris, dachte er kurz, an einen seiner Lieblingsfilme deckend.

Die ersten Strahlen des neuen Tages bahnten sich langsam den Weg zum Horizont und die Dunkelheit wich zurück. Doch der Frieden trog. Dort unter ihrem Flugzeug war eine Macht im Gange, die von skrupellosen Wahnsinnigen entfesselt worden war und gestoppt werden musste. Und auch wenn es ihn das Leben kosten würde, das war seine Chance, mit sich und der Welt ins Reine zu kommen – zumindest mit Maya und der Leere, die er ohne sie empfunden hatte.

Bisher hatte er seine Suche vor allem auf eine Waffe gegen die Pflanzen konzentriert. Aber da war auch noch die Andeutung des Präsidenten im Bunker und das alles nur der Anfang eines viel größeren Planes darstellte. So sehr Frederiksen hoffte, dass es nur ein Fiebertraum eines verrückt gewordenen Politikers war, so sicher war er sich, dass dort wirklich noch etwas im Raum stand und sie mit einem Sieg gegen die Pflanzen noch nicht endgültig am Ziel waren. Aber jetzt musste er sich auf Letzteres fokussieren. Und dann sah er es. Es musste das letzte Video von Mayas Forschungsarbeit sein. Doch was er jetzt sah, raubte selbst ihm, der schon in seinem akademischen, aber auch Endzeitleben vieles erlebt und gesehen hatte, den Atem. Keine 20 Sekunden später stoppte er das Playback, stürzte zur Flugzeugtoilette und erbrach sich.

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