088 – Übertragungskapazität

chap013

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Zak Lamm war nervös. Es war beängstigend zu beobachten, wie diese Nacht auf den Satellitenbildern innerhalb der letzten Stunden eine Stadt nach der anderen dunkel wurde, bis auf wenige Ausnahmen zumindest. An Schlaf war dieser Tage kaum zu denken, und dass ihn Forbes zu sich bestellt hatte, sorgte für ein ordentliches Maß an Adrenalin. Er war dem ‚Alten Mann‘, wie die Truppe ihren Chefstrategen nannte, bisher nur einmal so nahe gekommen. Da hatte er unangekündigt die Satellitenkontrolle inspiziert, hatte zur Überraschung aller aber jeden Einzelnen bei Namen und Dienstgrad begrüßt. Das hatte Eindruck hinterlassen, wenn auch einen leicht unheimlichen Schauer über Zaks Rücken gejagt.

Auf dem Weg in die Kommandobaracke hatte er die neusten Ausdrucke und Berechnungen aus dem Schreibbüro abgeholt. Mit schwitzigen Händen klopfte er an die Tür und trat drei Herzschläge später ein. Forbes stand mit van Veidt über einer großen Übersichtskarte der Westküste. »Ähh … Sir, hier sind die Satellitenbilder, die Sie angefordert haben …«, trat er zögerlich zu den beiden herüber. Forbes stutzte kurz, blickte auf, nahm ihm die Papiere ab und musterte ihn abschätzend. Zak wollte schon den Rückzug antreten, da beendete Forbes seine Einschätzung: »Mr. Lamm, bitte bleiben Sie einen Moment noch, ich hätte gerne Ihre Meinung zu den neuesten Aufnahmen gehört.« – Zak machte einen halben Schritt nach vorne. »Also die Berechnungen sagen, dass die Anomalie sich bis morgen Mittag bis 50 km vor die Tore von San Diego vorgearbeitet haben wird. Die K…« – »Das ist die Berechnung des Planungsstabs, aber was sagen Sie?« Die Unsicherheit nahm zu und ein quälendes Unwohlsein schwelte in Zaks Bauch.

»Sir, ich weißt nicht so recht. Die Berechnungen gehen von einem gleichbleibenden Fortschritt aus, wir haben aber auf den Bildern gesehen, dass der Fortschritt im Abstand von einigen Stunden immer wieder einen großen Satz nach vorne macht. Der Ernstfall könnte also viel früher eintreten – ähh, wenn man mir diesen …« – »Wir wissen von Dr. Frederiksen, dass Schallwellen auf einer bestimmten Frequenz das Wachstum ausbremsen, wenn nicht sogar stoppen könnten. Könnte man mittels ‚Thors Hammer‘ oder einer unserer anderen Waffenplattformen in der Umlaufbahn eine Schallwelle in Richtung der Front schicken?« Forbes hatte eine Art an sich, die es schwer machte, ihn richtig einschätzen zu können. Zak war sich sicher, dass Forbes bereits genau wusste, was Lamm antworten würde, doch schien er trotzdem eine Antwort zu erwarten. Zak sog einen tiefen Atemzug ein, atmete aus, und ließ seine Antwort noch einmal eine kleine Drehung in seinem Kopf vollführen.

»Sir, die Plattformen, ob ‚Thors Hammer‘, ‚Star Wars‘ oder ‚Infinity‘ sind dafür denkbar ungeeignet. Wir hätten sicher die besten Chancen einen der alten Navy Radiotürme dafür umfunktionieren – sofern uns der Doktor eine Frequenz oder zumindest einen Frequenzbereich geben kann. Wir könnten das Signal dann auf eine Reichweite von 1.000 Meilen hochziehen.« – Forbes ließ es sich nicht anmerken, ob er das eben Gesagte verstanden hatte oder nicht. Seine Miene verzog sich keinen Nanometer. Und doch schien zwischen den Ohren gerade Hochbetrieb zu herrschen. Dann ergriff er wieder das Wort: »Nehmen Sie sich einen Trupp Marines und Ihre besten Techniker und fahren umgehend dort raus. Sie haben drei Stunden Zeit!« Etwas verdattert wollte er sich umdrehen, hielt aber noch einen Moment inne: »Sir, ich verstehe die Eile, aber die Umrüstung könnte Tage dauern. Und wir wissen nicht, in welchem Zustand die Türme sind – sie wurden seit den 50iger Jahren nicht mehr verwendet …« – doch Forbes blieb hart: »Drei Stunden, sonst erlebt auf dieser Basis vielleicht niemand mehr den Sonnenaufgang! Und jetzt los!« – »Sir, aye, Sir«

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