085 – Zwischenraum

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[…]

Angela stutzte. Sie war sich unsicher, was genau geschehen war. Im einen Moment hatte sie ein Kribbeln und ein Herzrasen gespürt, einen Atemzug später war sie hier und fühlte sich gut. Nein, mehr als das. Alles war gut und Angela fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben glücklich und verstanden. Was? Wie? Von wem? Der dichte Nebel um sie herum begann sich aufzulösen und sie saß in ihrer Wohnung, ihr gegenüber Amy Anderson. Halt, das war ein Traum. Amy war tot. Gestorben in einem unterirdischen Bunker. Aber da saß sie und lächelte Angela an.

»Es hat ja ganz schön lange gedauert. Worauf hast Du gewartet?«, Amy hatte nur auf sie gewartet? Warum? Wieso? War das die Zukunft oder Gegenwart? Oder einfach nur ein Traum? Was zum Teufel hatte sie sich nur gespritzt? Aber natürlich …

»Dass du erst eine Portion Shangrilla brauchst, um dich deinen Gefühlen zu stellen?«, erriet Amy Angelas Gedanken. Moment mal, aber sie war nicht … Amy sah sie hoffnungsvoll an: »Nein, du musst nicht lesbisch sein, um Gefühle für eine andere Frau zu empfinden. Es ist ein reines, ursprüngliches Bedürfnis von Familie und Zugehörigkeitsgefühl – nichts zwingend Romantisches, wenn du verstehst, was ich meine – was du gesucht und in mir gefunden hast. Du hast mich leider nur nicht retten können, aber das ist schon in Ordnung.«

Diese Amy war ganz anders als die aus der realen Welt, oder? »Wer bist du?«, brachte sie endlich hervor. Ein verständnisvolles Lächeln breitete sich über ihr Gesicht aus. »Ich bin deine Familie und auch, wenn er ein Idiot ist, gehört auch Eric dazu.«

Es fühlte sich komisch an, aber gut. Und was Amy da sagte, stimmte auch. Die ganzen Jahre, die Angela sich hinter ihren Aufträgen versteckt hatte, weil sie jede Verbindung mit ihrer Familie abgebrochen hatte. Früher hatte sie ihre Truppe als Familie gesehen, aber Befehle waren kein Ersatz für das tiefe Gefühl von Fürsorge. Ein wohliges Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit breitete sich in Angela aus.

Unvermittelt stand Amy auf, umrundete den Tisch, der zwischen ihnen stand und blieb neben Angela stehen, die sich völlig unsicher und zitternd erhob. Dann nahmen sich beide Frauen in den Arm und alles war gut. Beide tauchten in einem weißen Licht des inneren Glücks unter und langsam stieß Angela zurück zur Oberfläche und tauchte wieder in die Realität auf. Zögerlich öffnete sie die Augen und fühlte sich wie neu geboren.

[…]

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