082 – Parameter

chap013

[…]

»Sie haben was getan?«, polterte der Alte Mann, während er sich an einem Infusionsständer festhielt, »Sie haben diesem Mann mit unserem Team wohin geschickt?« – Forbes behielt die Ruhe. Er war nicht ohne Grund zum General ernannt worden. Ein übereifriger Gutmensch stellte nun wirklich kein Hindernis dar. »Quentin! Es freut mich, dass Sie wieder auf den Beinen sind! Sie sollten sich definitiv schonen! Die Situation ist unter Kontrolle!«

Van Veidt fixierte den Ex-Militär mit starrem Blick: »Unter Kontrolle würde ich das jetzt nicht nennen! Dieser Mann hat versucht, mich zu erschießen und Dr. Eric Frederiksen zu entführen. Und jetzt haben Sie ihm den Mann auf dem Präsentierteller geliefert! Nein, noch dazu ihm quasi das Kommando gegeben! Das riecht so penetrant nach einer Falle!« – Forbes stand auf und zog die maßgeschneiderte Uniform gerade. Jetzt hieß es, die Situation zu dominieren, um seinem Gegenüber keinen Angriffspunkt zu lassen. Er kannte Quentin van Veidt seit vielen Jahren. Sie hatten sich einst auf unterschiedlichen Seiten gegenübergestanden. Als die Militärführung sich aus San Diego zurückgezogen hatte, hatte er das Kommando über die verbliebenen Soldaten übernommen. Der Kampf war kurz und heftig gewesen, aber van Veidt hatte Forbes damals überlistet, und statt ihn auf eine Kapitulation zu drängen, hatte er ihm ein Angebot gemacht, das Forbes unmöglich hatte ausschlagen können.

»Sie erinnern sich vielleicht noch an unseren kleinen Disput, oder? Und an die Chance, die Sie mir gegeben haben? Genau diese hat Cmd. Thomas Emauel ebenfalls verdient! Und mehr noch, die Zeit spielt gegen uns! Die Pflanzen sind weiter auf dem Vormarsch. Neueste Berichte sprechen davon, dass sie bald die Südküste erreichen. Und danach kommen sie hier her … wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen!« – der Widerstand von van Veidt bröckelte. Es war diese Fehlentscheidung von van Veidt gewesen, die Forbes schon so manches Mal gegen ihn selbst einsetzte. Ja es war ein Fehler gewesen Forbes in seinen Stab zu holen, denn er wusste, dass der Ex-Militär hinter seinem Rücken gerne eigene Pläne schmiedete. Was für Quentin aber den entscheidenden Ausschlag gegeben hatte, war Forbes Motivation dabei. Es ging ihm nicht um Macht. Es ging ihm alleine um die Sache und das wiederum – so sehr van Veidt sich auch selbst verfluchte – war wichtig für ihre gemeinsamen Projekte gewesen. Denn wenn van Veidt oft konservativ und defensiv agiert hatte, hatte van Veidt mit seiner schnellen Auffassungsgabe und seiner Fähigkeit blitzschnell Situationen und Risiken zu bewerten den entscheidenden Beitrag geleistet, um die Mission zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Und so wichtig van Veidt der Weg dorthin war, so wusste er auch, dass manchmal eben auch gehobelt werden musste – und Späne fielen unvermeidlich.

»Also gut! Aber dieser Soldat … kann man ihm wirklich trauen?« – »Nein, natürlich nicht, Quentin«, entgegnete Martin, »Im schlimmsten Fall bringt er die anderen unterwegs um, aber er wird Frederiksen dorthin bringen, wo er sein muss, um seinen Beitrag zu leisten und die Invasion zu stoppen. Und was danach mit ihnen geschieht …« Er war sich sicher ein kurzes Zucken in den Zügen des Millionärs zu sehen, ohne dies aber genau beurteilen zu können. Wenn der alte Mann eines über die Jahre gelernt hatte, war es seine Gedanken vor Forbes zu verbergen. So spielten sie jedes Mal aufs Neue ein kleines Katz- und Mausspiel. Solange sie aber mit Erfolg belohnt wurden, war ihm das recht. »Sie Monster!« – »Aber sicher! Ich bin dafür da, dass Sie nachts gut schlafen können! Und jetzt erholen Sie sich, verdammt nochmal! Sollte es etwas Neues geben, halte ich Sie auf dem Laufenden!«

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