080 – Hoffnung am Horizont

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Kapitel 13: Eine Falle

Die letzten Stunden waren der blanke Alptraum gewesen und Cristina Applebloom hatte sie nur dank einer hohen Dosis Koffein überlebt. Als vor 10 Stunden die Nachricht über Savannah über den heißen Draht gekommen war, hatten sie umgehend alle Kommunikationswege genutzt, um die verbliebenen Gemeinden zu warnen. Eine kleine Stadt namens Brunswick hatte allem Anschein nach das Unmögliche geschafft und sich im Alleingang erfolgreich gegen die Pflanzen behauptet. Hohe Verluste hatte es trotzdem gegeben, aber für einen Moment schien es, als wäre ein schmaler Streifen Hoffnung am Horizont aufgetaucht und so vieles mehr, das so weit entfernt schien, wirkte auf einmal greifbar.

Sie war so stark motiviert worden, dass sie sogar einige Einsatzfahrzeuge nach Norden als Unterstützung geschickt hatte. Und den letzten Berichten zufolge hatte das explosionsartige Pflanzenwachstum gestoppt. Noch wagte sie trotzdem nicht zu glauben, dass sie in Sicherheit waren, aber wenn ihnen dieses Geschenk des Himmels ein paar zusätzliche Stunden erkauft hatte, reichten die Vorbereitungen vielleicht aus, um auch Miami und weitere Städte vor dem kommenden Feind zu sichern oder zumindest mehr Leute in Schutzräumen in Sicherheit zu bringen.

Sie gönnte sich eine kurze Verschnaufpause, denn sie war körperlich am Ende. Vielleich 2 Stunden die Augen zu machen? Dann würde sie direkt weitermachen mit ihrer … sie musste krampfartig gähnen. Sie hatte ihrer Assistenten die Anweisung gegeben, sie kurz schlafen zu lassen, aber sie direkt zu wecken, wenn es Neuigkeiten in die eine oder andere Richtung gab. Nur ein paar Minuten Ruhe. Das musste sein.

Ihr Blick blieb kurz auf dem kleinen Bilderrahmen auf ihrem Schreibtisch, wo ihr Mann und ihre beiden Kinder beim Fischen zu sehen waren. Das war letztes Jahr gewesen – eine andere Zeit. Bei den ganzen Katastrophen, die sie die letzten 24 Stunden auf Trab gehalten hatten, schämte sie sich, nicht an ihre eigene Familie gedacht zu haben. Aber für sie stellte sie sich jeden Tag diesem Irrsinn. Dass Tom und die Kinder nicht bei ihr waren, lastete schwer auf ihr, aber dieser Tage hatte jeder Opfer zu beklagen und es gab ihr die nötige Motivation jeden Morgen die Welt ein bisschen besser machen zu wollen. Und wenn ein kleines Städtchen den ungleichen Kampf gewinnen konnte, würde sie ihre Stadt auch retten können, denn sie war jetzt ihre Familie und man verließ sich auf sie.

Langsam nahm sie die drei Schritte zu ihrem Dienstsofa, auf dem sie sich normalerweise für Besprechungen mit ihren Gästen hinsetzte. Sie nahm Platz, schwang die Beine längs und schloss die Augen. Für beruhigende Momente hörte sie auf die Stille, in der sie ab und zu etwas von dem Treiben und den Vorbereitungen auf der Straße hörte. Dann mischte sich etwas Wind dazu, der für diese Jahreszeit nicht untypisch war. Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm? Doch da war noch ein melodisches Klingen, ein gestreckter Ton, der sich mit einem zweiten abzuwechseln schien. Langsam glitt ihr Verstand in einen Zustand des Sekundenschlafs ab, nur um sich im nächsten Moment gleich wieder kerzengerade aufzurichten. Die Sirenen gaben Katastrophenalarm und im selben Moment riss ihr Assistent schon die Bürotür auf und stürmte herein. Und der Glimmer Hoffnung verpuffte in derselben Sekunde, als der Kampf ums nackte Überleben begann.

[…]

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