075 – Rückläufer

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Frederiksen war übermüdet und sein ehemaliger Arm schmerzte zusehends. An Schlaf war also nicht zu denken, obwohl sie auf dem Rückweg in Richtung USS Lexington waren – der Lärmpegel des Hubschraubers tat sein Übriges. Angelas Plan hatte funktioniert, das musste er ihr lassen. Aber vergessen oder gar verzeihen, was sie getan hatte, konnte und wollte er nicht. Dafür war es zu früh, wenn es denn jemals so weit sein würde. Maya, Amy und alles, was ihnen da unten passiert war.

Er seufzte erschöpft und mit sich und der Welt unzufrieden. Das Update zur Lage vom Piloten war auch nicht besonders ermutigend. Die Zeit rann ihnen wie Sand durch Finger. Und noch immer hatten sie mehr Fragen als Antworten. Was hatte Maya dort nur erforscht? Warum diese ganze Geheimniskrämerei? Und was hatte die ehemalige Regierung der schon lange erloschenen Vereinigten Staaten damit zu tun? Erst Projekt ReGenesis, dann dieses ominöse Projekt Purity, für das seine Forschung missbraucht worden war. Und diese aggressiven Pflanzen, die Zug um Zug die verbliebenen Siedlungen angriffen. Natürlich gab es fleischfressende Pflanzen, allerdings nichts, was einem Menschen ernstlich gefährlich werden konnte. Gut es gab giftige Pflanzen, aber auch seine ursprüngliche Züchtung war zu so etwas nicht in der Lage.

Es gab kein klares Muster hinter den Angriffen, außer dass es so schnell wieder vorbei war, wie es begonnen hatte und die Pflanzen danach wieder unverdächtig reagierten. Ob das Militär an einer solchen Pflanze als Waffe geforscht haben könnte? Und das Experiment war außer Kontrolle geraten? Das klang alles eher nach dem Plot eines schlechten B-Movies, wie er sie früher im Rahmen der Midnight Movie Reihe seines örtlichen Multiplexes erlebt hatte. Dass ausgerechnet der ehemalige Präsident eine solche Pflanze nutzen sollte, um sein Territorium zurückzuerobern …

»Was spukt Ihnen durch den Kopf, Frederiksen?«, kam kratzig die Stimme von Porter aus seinem Kopfhörer. Er blickte kurz auf und sah ihr gereizt tief in die Augen. »Ich suche den Sinn für den ganzen Wahnsinn hier! Und dem Warum! Wer hatte die dämliche Idee, ein solches Teufelskraut zu züchten!« – »Ich will Ihnen nicht zu Nahe treten, aber seit ich Sie kenne, haben Sie nicht ein einziges Mal etwas wirklich Wissenschaftliches gesagt! Und dafür, dass Sie ein Experte sind, wirken Sie auf mich, als hätten Sie keine Ahnung von irgendwas. Wenn Sie mich …« – »Ich frage Sie aber nicht«, platzte es wütend aus ihm heraus, »Sie haben doch selbst keine Ahnung. Sie befolgen blind irgendwelche Befehle, statt sie zu hinterfragen. Kommen Sie mir also nicht mit so einem Unsinn! Gegen diese Züchtung helfen nur Pestizide, Feuer der Entzug von Wasser. Letzteres dauert aber zu lange, könnte aber der Grund sein, warum die Pflanzen nur so kurz reagieren und danach wieder so passiv sind wie vorher.« – »Wow, das klingt ja fast, als hätten Sie doch eine Theorie?«, spottete Angela. Frederiksen hielt jedoch dagegen, »Sie werden sich noch umschauen! Aber sobald wir auf den Inhalt des USB-Sticks zugreifen können, wird sich hoffentlich alles aufklären!«

Angela hielt eine unangenehme Stille lang inne: »Wenn ich nur wüsste, was mir diese Ver… Ärztin gespritzt hat. Und ob das Zeug noch Nachwirkungen haben wird!« – »Auch das wird sich hoffentlich aus den Unterlagen ergeben … Pilot?«, Frederiksen drehte sich nach hinten, um mit ihrem Chauffeur zu sprechen, »Wie lange noch, bis wir an Bord der Lexington sind?« – der junge Soldat warf einen Blick auf die Instrumente und schätzte: »Noch 2 Stunden, vermute ich. Das Schiff läuft mit voller Fahrt Richtung Süden, um den Außenposten beizustehen. Aber wir kommen bald in Funkreichweite!« – Frederiksen schloss die Augen und versuchte seine Umwelt und den Lärm an Bord auszublenden. Doch immer noch konnte er keinen Schlaf finden. Es würde also noch ein sehr langer Flug und ein noch längerer Tag werden …

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