073 – Rettungsmission

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Als die ersten Bilder hereingekommen waren, hatte Captain Durham gewusst, dass er etwas tun musste. Dort starben die Menschen wie die Fliegen. Sie fielen einem unbekannten Grauen zum Opfer, das in den vergangenen Stunden begonnen hatte, systematisch alle verbliebenen Siedlungen auf dem Amerikanischen Kontinent zu zerstören. Die abermals heimatlos Gewordenen flohen in schierer Panik Richtung Süden in eine trügerische Sicherheit, doch auch dort lauerten Gefahren.

Seine klare Anweisung von Forbes war gewesen, um jeden Preis auf die Rückkehr der Mission um Dr. Eric Frederiksen zu warten, doch sein Gewissen verlangte von ihm, sich sofort in Richtung der Flüchtlinge aufzumachen, um zu retten, was zu retten war. Davor ließ er aber noch eine Hubschraubermannschaft ausrüsten und aufsteigen, die einen letzten Überflug über das Geländer der Universität machen, bzw. nach Überlebenden suchen sollte. Mehr konnte er aber nicht tun und selbst dieses Team würde ihnen bei ihrer Rettungsmission fehlen.

Sie würden fast einen Tag unter voller Fahrt unterwegs sein, um von Atlantic City nach Savannah zu kommen, aber sie mussten es versuchen. Der »blaue Geist«, wie die Japaner das Schiff einst getauft hatten, musste seinem Namen alle Ehre machen. Die direkte Konfrontation wollte er unbedingt meiden, aber jede Seele, die er retten konnte, war ein Menschenleben mehr, das der grünen Hölle entkommen war.

»Wir sind ab sofort auf einer humanitären Mission. Es wird Zeit, dass wir uns für den Schutz und das gute Leben, dass wir hier in Sicherheit führen dürfen, erkenntlich zeigen und denen Beistand geben, die nicht das Glück hatten und gerade in den letzten Außenposten um ihr Leben und das ihrer Lieben kämpfen«, stimmte Durham die Besatzung über Bordfunk ein, »Heute bekommen wir die Chance, unsere Namen in die Analen der Geschichte zu schreiben, indem wir beweisen, dass es die Menschheit verdient hat, den Tag X und die damit verbundene Prüfung für uns alle zu bestehen. Wir werden es schaffen und jedes Leben, dass wir retten können, nährt die Hoffnung, dass wir alle dieses dunkle Zeitalter überstehen und in eine neue goldene Zukunft gelangen werden!«

Alarm schrillte über alle Decks. Während seine Mannschaft die Bewohner seiner fahrenden Stadt mobilisiert hatte und nach Kräften dabei war, Platz für mögliche Flüchtlinge zu schaffen, studierte er mit seinem Stab die Seekarten. Sie musste so eng an der Küste entlang fahren, wie es sicher war, ohne das Leben der Menschen an Bord zu gefährden. Das Team in der Funkbude versorgte sie unterdessen mit den neuesten Meldungen aus dem Kriegsgebiet. Die meisten wurden von diesem Pflanzenmonster überrascht, aber wer die Möglichkeit hatte, sich zumindest ein paar Stunden vorzubereiten, der kämpfte verbittert, um Frauen, Kranken und Kindern den Rückzug zu ermöglichen. Sicher handelten einige Meldungen auch von Egoisten, die selbstsüchtig nur ihr eigenes Leben retten wollten. Doch Durham registrierte mit Genugtuung, dass die Kämpfenden in der Überzahl waren. Meistens hörten diese Städte nach 2-3 Stunden nach Angriff endgültig auf zu funken, aber eine kleine Stadt südlich von Savannah harrte tapfer über unzählige Stunden hinweg aus. Er flehte zum Himmel, dass trotz der vielen Stunden, die sie noch vor sich hatten, die tapferen Bewohner von Brunswick das Unmögliche möglich machen könnten und die Lexington sie retten würde. So vage die Chance auch war, so wichtig war die Hoffnung, die sie daraus schöpfen konnten. Und er würde alles in seiner Macht stehenden tun, um aus dem Glimmen ein Feuer zu machen!

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