069 – Der Anfang vom Ende

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12. Krieg

Frederiksen hatte sich in einen heruntergekommenen Ledersessel gefläzt und hielt sich seinen Armstumpf. Die Schmerzen waren vor Stunden wiedergekommen und er hatte keine Medizin mehr dabei. Und wer immer in dieser Wohnung gehaust hatte, hatte keinerlei Medikamente zurückgelassen. Oder diese verdammten Plünderer waren vor ihnen hier gewesen.

Er hatte es wirklich versucht, aber immer, wenn er Angela sah, kam auch die innere Qual wieder nach oben und bildete einen Kloß in seinem Hals. Er zwang sich, es zu ignorieren. Aus einem hilflosen Gefühl der Ohnmacht kochte Wut und dafür war jetzt kein Platz. Trauern musste er später. Der Fokus musste auf Überleben liegen und ihre Karten waren schlecht. Die einzige gute Nachricht war, dass dieses Tentakelranken-Ding nicht mehr zurückgekommen war. Viel hatte es von der Stadt auch nicht übrig gelassen.

Sie hatten die letzten Stunden mit der intensiven Suche nach allem Brauchbarem verbracht. Außer ein paar Packungen Batterien, Decken, einer Packung Einweg-Atemmasken, einem Seil und einem Gartenschlauch, den sie in einem leeren Werkzeugkasten feinsäuberlich aufgerollt vorgefunden hatten, war hier nichts, das ihnen bei der Rückkehr in die Zivilisation helfen konnte. Und auch diese Mission war ein völliger Reinfall gewesen. Er hatte seine Frau nicht retten können und auch die Forschungsdaten hatten sie nicht bergen können …

»Sitzen Sie nicht so faul rum«, warf ihm Angela zu, als sie den Kopf in das verfallene Wohnzimmer schob. »Wozu! Ist doch sowieso alles umsonst! Jedes Mal aufs Neue!«, Dr. Erik Frederiksen hatte aufgegeben und ergoss sich einmal mehr in Selbstmitleid. Einer seiner unangenehmeren Charakterzüge. Hatte ihn Maya deshalb verlassen?

»Wer sagt denn, dass es umsonst war?«, hatte Angela Porter entgegnet und Frederiksen hätte ihr am liebsten erneut alle Pein entgegengeworfen, ihm fehlte nur die Energie dazu. »Keine Forschungsdaten, kein Team, kein …« – »Frederiksen«, unterbrach sie ihn resolut, »Hören Sie sofort auf damit! Ich weiß, was ich Ihnen angetan habe, ist unverzeihlich. Ich erwarte auch nichts von Ihnen. Aber um hier lebend wieder rauszukommen, müssen wir zusammenhalten … zurück in San Diego können Sie mir gerne wieder ins Gesicht schlagen, wenn es Ihnen hilft!« – es half nicht. Nichts würde helfen, die Lücke zu füllen. »Und umsonst war die Mission nicht!« – Sie zog einen USB-Stick an einer Kette aus der Tasche und ließ sie demonstrativ vor Frederiksens Augen baumeln. »Kommt Ihnen das Ding hier bekannt vor?«

Erst stutzte er, dann traf ihn die Erkenntnis. Er griff nach dem Stick, doch Angela zog ihn weg und steckte ihn wieder ein. »Washington DC, das Nationalarchiv! Aber wie …« – »Nein, ich gehe nicht davon aus, dass es genau dieser Stick ist. Das wäre ein starker Zufall. Aber es ist das gleiche Fabrikat, was dafür spricht, dass er aus derselben Quelle stammt!« – »Moment, meinen Sie, dass er von Maya ist?« – »Ich hab ihn gefunden, als ich den Körper untersucht habe. Vielleicht sind da die Forschungsdaten drauf, oder irgendetwas, das uns helfen kann!«

Jetzt war Frederiksens Interesse geweckt und für diesen Moment vergaß er die seelischen und körperlichen Schmerzen und richtete sich kerzengerade auf: »Das ist … wir müssen dringend prüfen, was da drauf ist!«, ein Schatten huschte über sein Gesicht, »Aber warum kommen Sie damit erst jetzt?! Sie hatten ihn die ganze Zeit?« – Sie stieß verächtlich die Luft aus: »Sie erinnern sich noch an unser Treffen in der Basis und Ihre Reaktion?« Eric hatte sie niedergeschlagen »Einen so kräftigen Haken hätte ich Ihnen auch nicht zugetraut … ich passe darauf auf, bis wir wieder in der Zivilisation sind!« Neuer Lebensmut und Tatendrang durchströmte Frederiksen. Er kam jetzt wieder auf die Beine: »Wir müssen hier raus … hier finden uns die anderen nie!«, er stutzte kurz, »Wo ist Ihr Freund? Corporal …« – Sie seufzte: »Er ist nicht … ach vergessen Sie’s … irgendwo im Keller auf der Suche nach anderen brauchbaren Sachen …«

Frederiksen dachte kurz nach. Ihm war eine Idee gekommen: »Ob die die Gegend immer noch mit Satelliten überwachen?« – »Was haben Sie vor? Sich vors Haus stellen und winken? – Ein zuversichtliches Lächeln spielte über seine Züge. Wenn wir kein Audio- oder Videosignal senden können, wie wäre es mit einem Feuer? Einem großen Feuer!«

[…]

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