068 – Beschleunigung

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[…]

Die schlechten Nachrichten wollten diesen Morgen nicht abreißen. Cristina Applebloom war schon seit den frühen Morgenstunden unentwegt am heißen Draht, um sich mit ihren Kollegen der neuen Kalifornischen Republik abzustimmen. Maßnahmen gegen einen nahenden bewaffneten Konflikt mit dem Norden.

Es war 5 Uhr und die Sonne deutete sich als Glimmen langsam am Horizont an. So früh am Morgen sah die Welt friedlich aus und die Straßen von Miami leer. Da draußen ahnte niemand, dass ihnen der ehemalige Präsident den Krieg erklärt hatte. Auch vom aggressiven Wachstum der Pflanzen im Zentrum des Kontinents, die sich wie eine Feuerwalze auf sie zubewegten, wusste niemand. Zuerst waren nur aufgegebene Städte gefallen: Kansas City, Washington DC, Salt Lake City, um nur einige zu nennen. Mit der völligen Zerstörung von San Francisco hatte sich aber alles geändert und was immer da draußen war, könnte in Tagen, wenn nicht sogar Stunden hier sein, vor ihrer Haustür. Es gab nicht den Hauch einer Chance zu evakuieren – wohin auch – noch was genau dahinter steckte.

Das alles sprach dafür, dass die Forster Regierung dahinter steckte. Und das war am besorgniserregendsten! Denn gegen eine Armee konnte man kämpfen, aber was gegen diese Pflanzen tun, die sie schon aus großen Teilen des amerikanischen Kontinents verjagt hatten? Und natürlich hatte niemand ein wirkliches Heer, das er in Kriegszeiten gegen einen Feind marschieren lassen konnte.

Wenn sie nur wüssten, wo genau Forster sich versteckte. Außer, dass er irgendwo im Norden steckte, war nichts bekannt. Nur, dass er Zugriff auf Raketenabschusseinrichtungen hatte und sie verfügten gerade mal über die ein oder andere Mittel- und Langstreckenraketenabschussbasis, von denen vielleicht gerade mal die Hälfte überhaupt reaktiviert werden konnte. Ein atomarer Angriff konnte auch nur die allerletzte Alternative sein. Sie schnaubte. Das war nichts, mit dem sie in die Geschichte eingehen wollte. Es musste Alternativen geben, aber welche?

Jetzt genoss sie die letzten Augenblicke Ruhe, gefolgt vom nächsten Meeting Marathon, den sie wohl nur noch mit einer ordentlichen Portion Koffein überstehen würde, denn sie war schon seit 25 Stunden auf den Beinen. Doch in dem Moment klingelte das Telefon, sie nahm ab und wurde kreidebleich. Die Pflanzen hatten Charleston erreicht und dem Erdboden gleichgemacht. Ihnen blieben weniger als 14 Stunden Zeit, diesen Ausweg zu finden.

Ende Kapitel 11

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