067 – Was am Ende wartet

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Die Straße lag ruhig da und außer einem leichten Windhauch war alles ruhig. Dann hallte ein dumpfes Scheppern auf und ein Kanaldeckel lüftete sich in Zeitlupe etwas nach oben, um danach zur Seite geschoben zu werden. Die drei tief in Matsch und Dreck gehüllten Gestalten kamen nacheinander nach oben und erst bei näherem Hinsehen waren sie als Menschen erkennbar. Sie trugen Tücher vor Mund und Nase, um sich bestmöglich gegen die für sie so lebensgefährliche, pollengeschwängerte Luft zu schützen – zumindest so gut, wie das möglich war. Aber Angela war sich sicher, dass diese Konstruktion ihnen maximal ein paar Minuten Extrazeit einräumen würde, bevor sich die ersten allergischen Reaktionen zeigen würden. Und gerade Frederiksen mit seinem Asthma muss sehr aufpassen, das er in Sicherheit kam.

Angela hatte keinen Plan, wie weit sie unter Tage gekommen waren, aber sie vermutete, dass es nicht mehr als ein paar Blocks gewesen sein konnten. Von diesen verfluchten Pflanzen war schon eine ganze Weile nichts mehr zu sehen gewesen. Hier oben sah man allerdings wieder, dass Ranken alle Häuser des Straßenzuges überwuchert und teilweise zu Einsturz gebracht hatten. Mit einem schnellen Rundumblick sondierte sie die Lage. Die Pflanzen hier schienen wieder friedlich und passiv zu sein, aber sie wollte dem Frieden nicht weiter trauen, als es unbedingt nötig war. So gab sie ihren beiden Begleitern ein Zeichen, sich zu einem Gebäude schräg gegenüber zu bewegen. Die Haustür wirkte immer noch intakt und so bestand Hoffnung, hier einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Mit etwas Glück konnten sie von hier die USS Saratoga erreichen und einen Transport aus Newark bekommen.

Ein schneller Blick verriet ihr, dass dies Dickerson Street Ecke Duryea Street war. Gleise verliefen quer unter der Kreuzung. Ihr Geheimtunnel musste parallel zu dieser Linie im Untergrund liegen. Die Eingangstür war selbstverständlich verschlossen, hatte aber zwei bis drei gezielten Tritten nichts entgegenzusetzen. Das machte es zwar ein wenig schwerer, die Tür im Anschluss wieder zu sichern, aber je schneller sie von den Straßen kämen, desto besser.

Im Haus führte ein Treppenhaus nach oben. Sie beschlossen, sich im zweiten Stock in einer der Wohnungen zu verstecken. Sie blickte zuerst zu Frederiksen und dann zu ihrem dritten Mann. »Soweit so gut! Kennt sich jemand von Euch in dieser Stadt aus? Oder hat eine Idee, wie wir mit den anderen in Kontakt treten können?« – während Frederiksen sie zu ignorieren schien und nur vor sich hinstarrte, schien ihr anderer Begleiter die Stirn in Falten zu legen: »Ein wenig. Meine Großeltern haben früher in Newark gewohnt, aber auf der anderen Seite des Passaic River. Wir haben kein Funkgerät oder Satellitentelefon mehr, oder?« – Angela schüttelte den Kopf und übernahm wieder die Initiative: »Wir sollten die Wohnungen durchsuchen, vielleicht hat jemand hier ein Funkgerät, das wir mit Batterien betreiben können.« – endlich schien auch Frederiksen aufgewacht zu sein: »Wir sollten vielleicht nach einem Elektronikladen ausschau halten, der hat vielleicht was Passendes?« – die Drei tauschten kurze Blicke aus, bevor Angela die Aufgaben verteilte. »Also gut, jeder nimmt sich ein Stockwerk vor. Keine Heldentaten! Wenn ihr auf irgendetwas stoßt, ruft ihr!« – »Als ob uns das bei einem Angriff dieser Mistpflanzen helfen würde …«, ätzte Frederiksen, doch Angela tat so, als hätte sie ihn nicht gehört. Sie konnte ihm auch die kalte Schulter zeigen. Sie begannen schweigend mit der Suche. Das würde sie eine Weile beschäftigen.

[…]

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