054 – Überraschungsparty

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[…]

Der Kegel von Davis‘ Lampe streifte durch das Kellergeschoss, das eine Art Untergrundzugstation beherbergte. Noch hatte er weder einen Hauptschalter noch einen Stromverteiler ausmachen können. Es konnte doch nicht sein, dass sich die Anlage nur vom Hauptschaltraum aus steuern ließ! In diesem Chaos aus Kabeln, Konsolen und Schaltern würde es Wochen dauern, eine einzelne Funktion ausfindig zu machen. Die Station an sich sah verlassen oder zumindest nur selten genutzt aus. Alles war von einer ordentlichen Schicht Staub überzogen. Endlich fand er den Sicherungskasten, zerschlug das Schloss mit seinem Gewehrkolben und verschaffte sich so Zugang.

Darin befand sich eine Leiste mit Sicherungen, die auf den ersten Blick alle noch intakt aussahen, und ein Hauptschalter. »Es werde Licht …«, murmelte Davis vor sich hin, während er den Schalter umlegte. Doch für einen ersten Moment geschah nichts. Gerade wollte er den Schalter erneut aus- und wieder einschalten, als er ein ansteigendes Klicken hörte, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Alarm. Scheppernd zersprang das Glas der Taschenlampe, als sie auf dem Boden aufschlug. Davis hatte sie vor Schreck fallengelassen. Augenblicke später flutete rotes, pulsierendes Licht den Raum, danach gelbes, bis der Alarm genauso urplötzlich aufhörte, wie er angefangen hatte und der Raum in statischem Halogenlicht erstrahlte.

Es dauerte etwas, bis sich Davis‘ Augen an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten und er sich erneut umsehen konnte. Immer noch wirkte der Raum verlassen, jetzt konnte Davis aber klar den Bahnsteig, die Bahnschienen und die beiden Tunneleingänge sehen, durch die ein unterirdischer Zug hier halt machen konnte. Eigentlich nicht dumm, ein unabhängiges Transportnetz zu betreiben, das wahrscheinlich verschiedene Standorte miteinander verbunden hatte. Die Gleise führten von Westen nach Osten, und während der Osttunnel offensichtlich verschüttet schien, so führte der gen Westen in ein schwarzes Nichts, das aber Abschnitt für Abschnitt nun auch ausgeleuchtet wurde, und mindestens soweit reichte, wie das Auge sehen konnte.

Wo dieser Tunnel wohl hinführte? Hier lag auf jeden Fall weniger Staub, so als ob noch vor kurzem ein Zug angekommen wäre. Er widmete sich wieder seiner Untersuchung und bemerkte deshalb nicht, wie die Lichter im Tunnel nacheinander wieder verlöschten und die Dunkelheit den Westtunnel erneut verschluckte. Erst als er aus dem Tunnel ein leises Schleifgeräusch hörte, fuhr er herum, das Gewehr reflexartig im Anschlag. Doch das würde ihm bei dem, was er jetzt aus dem Tunnel kommen sah, nicht helfen. Nein, vielmehr blieb er wie angewurzelt stehen und griff nach seinem Funkgerät. Doch zu mehr als einem »Oh, Scheiße«, reichte es dann nicht mehr, bevor das Ding in erfasste und mit einer grausamen Präzision in Stücke riss, während es langsam den Kellerraum ausfüllte, bevor es seine Ranken durch die Eingänge in die anderen Stockwerke streckte, wo die anderen ahnungslos der Gefahr ausgeliefert waren. Ein Überraschungsgast hatte zur Party gerufen und das Einzige, was jetzt noch zählte, war das Überleben!

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