048 – Fortschritte

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[…]

Jimmy sah sich nervös um. Nachdem sie schon die schnelle Eingreiftruppe in Newark verloren hatten, schwieg jetzt auch der Computer in der Basis. Das letzte Signal, das sie erreicht hatte, war ein Video der Purity Variante, die ein Massaker unter den Männern angerichtet hatte. Wenn sie auch den Bunker überrannt hatten, hätten sie ein Problem. Und es bestünde die Gefahr, dass die aus Washington geborgenen Forschungsdaten und Proben endgültig verloren gingen. Dass die Beraterin des Präsidenten sich dort verschanzt hatte, um gegen den ausdrücklichen Befehl weiter an Purity zu arbeiten, machte es noch wesentlich komplizierter.

Er hatte sich in einen leeren Lagerraum auf der obersten Etage des unterirdischen Komplexes zurückgezogen, um seinen Mann zu informieren. Das Update, das er erhalten hatte, könnte einen Ausweg aus dem schwellenden Konflikt mit dem Süd-Westen darstellen. Der Süd-Osten verhielt sich noch neutral, hatte aktuell auch am meisten zu verlieren. Man war zu sehr von den Transporten aus den anderen bewohnten Teilen des Landes angewiesen, um sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden. Der Präsident musste endlich aufhören mit all der Heimlichkeit, sich offiziell zurückmelden und alles Notwendige tun, um aus dem dreigespaltenen Land wieder eine Nation zu machen.

Dass seine Amtslegitimation nicht mehr gegeben war, weil es seit dem Tag X keine demokratischen Wahlen gegeben hatte, half nicht besonders. Wenn dann das Erste, was man von ihm sah, seine Soldaten waren, die gegen eine der neu entstandenen Regionen vorgingen, ergab sich ein schwer zu reparierendes Bild. Und die neuesten Entwicklungen, dass die Purity-Züchtung sich so drastisch ausbreitete und das letzte bisschen verbliebene Infrastruktur zerstörte, würde das Fass innerhalb der nächsten Stunden zum Überlaufen bringen.

Also was konnte er – ein kleiner Bürokrat – anderes tun, als im Geheimen einen Dialog mit seinen Amtskollegen der anderen Regionen anzustreben. Und das erste Treffen war gesetzt. Noch war uneingeschränkte Geheimhaltung immens wichtig, damit der Präsident nicht sofort alle Bemühungen zunichtemachte und ihn als Verräter brandmarkte, sobald aber ein Grundsatzverständnis aufgebaut war und er seinem Vorgesetzten ein ausgearbeitetes Strategiepapier vorlegen konnte, würde dem Staatsoberhaupt nichts übrig bleiben, als das Richtige zu tun. Dessen war Jimmy sich zu 100% sicher.

Er hatte auch schon einige Soldaten identifiziert, die er auf seine Seite ziehen konnte. Gerade im engeren Umfeld des Präsidenten wuchs die Unzufriedenheit ob der aktuellen Lage. Das, was von seinem Amerika übrig geblieben und sich nicht einer der neuen Parteien angeschlossen hatte, war entweder überwuchert, unbewohnbar oder bot nur ein Überleben in unterirdischen Bunkern, Schutzwällen oder Kuppeln.

Die Zeit spielte also mal wieder gegen sie, aber sollte das Treffen heute Abend klappen, wären sie einen entscheidenden Schritt weiter und auf einem guten Weg. Jetzt klappte er sein Mobiltelefon zusammen, zog den Anzug gerade und mischte sich erneut unter die anderen. Und er flehte zum Himmel, dass Ephraim Foster III inzwischen nichts Neues anstellen würde.

Ende von Kapitel 9

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