044 – Lebendgewicht

chap009

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Von der USS Lexington hatten sie in einen Hubschrauber gewechselt, der jetzt die Küste entlang flog. Da New York noch in der Quarantänezone lag, hatte man sie wieder in Schutzanzüge gesteckt, ja wieder diese unbequemen Plastiksäcke. Der Wetterbericht versprach sommerliche 30 Grad, was fröhliches Schwitzen versprach. Unter normalen Umständen hätte man die Mission sicher um ein paar Tage geschoben, um das nächste Tief, das sich bereits von Norden in ihre Richtung schob, abzuwarten, aber die Zeit spielte gegen sie. Und was die Satelliten aufgezeichnet hatten, bewegte sich unaufhaltsam auf New York zu.

Von Washington schwieg sich weiter aus und das Team um Amy Anderson blieb verschollen. Die Suchmannschaften hatten ja abbrechen müssen, weil das gesamte Areal von diesen Riesenknollen durchzogen worden war und es kein Durchkommen mehr gab. Sollte das Team wider Erwarten den Wahnsinn überlebt haben, bestand 4 Tage später kaum noch Hoffnung, irgendjemanden der Gruppe lebend zu finden. Ihre Sauerstofftanks waren längst aufgebraucht.

Das alles kam ihm immer noch so völlig irreal vor. Er wollte nicht glauben, was die letzten Tage passiert und wer alles nicht mehr unter ihnen war. Und jetzt ging es erneut ins Unbekannte und ohne die starken Schmerzmittel könnte er wahrscheinlich kaum geradeaus gehen. Das war der Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind. Van Veidt hatte seine Operation zwischenzeitlich überstanden, lag jedoch noch in einem Heilkoma. Seine Chancen besserten sich mit jedem Tag und sollte diese Mission sich nicht als Himmelfahrtskommando erweisen, vielleicht würde Frederiksen seinen Gönner und Mentor wiedersehen.

Ansonsten fühlte sich diese Mission falsch an. Die waren hinter ihm her und eigentlich gebot der gesunde Menschenverstand, sich so weit vom Krisenherd wie möglich entfernt zu halten. Aber dafür war es längst zu spät und er wollte endlich wissen, was gespielt wurde und wie seine Schöpfung zu einer Waffe umfunktioniert worden war. Auch hatten die letzten Tage den wissenschaftlichen Stab von van Veidt nachhaltig dezimiert. Das könnte also vielleicht ihre letzte Mission und überhaupt und die letzte Chance sein, Klarheit über die Geschehnisse im Norden zu bekommen.

Die Sonne stand jetzt direkt über ihnen und sorgte für den ersten Schweißausbruch. Das konnte ja heiter werden. Wenigstens waren die großen, schweren Türen des Helikopters offen, damit der Flugwind für ein wenig Abkühlung sorgen konnte. Noch eine knappe Stunde, dann sollten sie Newark erreichen. Sie waren bestmöglich vorbereitet, aber das hatte ihnen auch die letzten Male nicht geholfen. Dennoch, jetzt oder nie! Im Angedenken an alle Gefallenen mussten sie dieses Mal Erfolg haben!

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