042 – Reaktion

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[…]

Angela hatte gewartet. Sie zwang sich zur Geduld und das, obwohl sie innerlich kochte, weil sie dieses Gefühl der Hilflosigkeit hasste. Im Moment blieb ihr aber nichts anderes übrig, als sich ruhig zu verhalten und stillzuliegen. Die Stille um sie war unerträglich und doch war ihr, als hörte sie von Ferne ein Donnern wie bei einem Gewitter. Und doch musste es etwas anderes sein, denn die Wände mochten aus dickem Beton sein, ein Atomschutzbunker vielleicht.

Dann änderte sich etwas. Sie hörte etwas, das ein Schott oder eine massive Tür sein konnte, die sich aufschob. Dann hallten Schritte von jenseits ihres Blickfeldes auf und bewegten sich auf sie zu. Leichte Schuhe, möglicherweise Damenabsätze, aber flache… vielleicht Pumps. Wer auch immer das war, blieb stehen und … »Ich hoffe, es geht Ihnen gut, ich entschuldige mich für die Umstände.« – es war eine angenehme Frauenstimme um die 40, vielleicht ein bisschen älter. Und irgendwie hatte diese Stimme etwas deplatziert Mütterliches. Es schien für den Moment das Cleverste diplomatisch zu bleiben, bis sie eine Chance zum Agieren sah. Außerdem würde sie nur so mehr über das wo und warum herausfinden.

»Ich weiß nicht, wer Sie sind, noch wohin Sie mich gebracht haben, ich würde es aber sehr zu schätzen wissen, wenn Sie mich hier losmachen könnten.« – der Versuch einer defensiven und einfühlsamen Eröffnung misslang ihr kläglich. Ihr Gegenüber hielt kurz inne, wohl um sich zu überlegen, woran sie bei Angela war.

»Ich sehe austrainierte Muskeln unter der Camouflage, ich glaube, Sie hatten darüber hinaus ein Nahkampftraining. Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich Sie für den Moment lieber etwas limitiere, bis wir uns besser kennen«, fuhr die Stimme fort und vollführte einen Halbkreis, um nun in Angelas Blickfeld zu stehen. Angela blinzelte etwas ins Gegenlicht, meinte aber eine gutaussehende, kompakt gebaute Frau mittleren Alters mit Laborkittel und Mundschutz auszumachen. Schwarzes Haar mit leicht glitzernden Strähnen war zu einem Zopf zusammengebunden, ob sie allerdings grau, bzw. silbern waren, konnte sie bei dem schlechten Licht partout nicht ausmachen, genauso wenig in ihrer Miene lesen.

»Ich bin Angela Porter, Gunnery-Sergeant, Eskorte für eine Gruppe Wissenschaftler auf einer Mission in Washington DC. Verraten Sie mir, wer Sie sind und wie es meinen Kameraden geht?« – das klang schon wesentlich besser. Die Kurse zur Verhandlungsführung hatte Angela immer geschwänzt, ein Umstand, den sie jetzt bereute.

»Also gut. Mein Name ist Doktor Fernandez und ich bin die letzte Mitarbeiterin von Projekt Purity. Sie sind nicht mehr in Washington, sondern in einer geheimen Basis der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich will offen sein, denn von Ihrer Kooperation hängt viel ab. Je besser Sie mitspielen, desto schneller sind wir fertig. Ich hoffe, dass …« – »Meine Leute?«, unterbrach sie Angela abrupt und biss sich auf die Lippe, ob ihrer Ungeduld.

Doktor Fernandez seufzte und setzte erneut an: »Ich hoffe, dass wir gut miteinander auskommen. Mehr kann und will ich Ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Nur so viel: Von Ihrer Mitarbeit kann die Zukunft der Menschheit abhängen. Ich bitte Sie daher kurz stillzuhalten.« – mit ungeahnter Geschwindigkeit hatte die Ärztin Angelas Arm gepackt – ein fester Griff wie bei einem Schraubstock – und injizierte ihr eine leicht trübe Flüssigkeit mit einer Spritze in die Armbeuge. Sie schien viel Erfahrung damit zu haben. »Was?«, brachte Angela noch hervor, bis ihr Verstand sich trübte. Die Stimme von draußen nahm sie nur noch wie durch Watte wahr: »Es tut nicht weh und in ein paar Minuten haben Sie es überstanden, nur nicht dagegen ankämpfen …« Sie führte es noch weiter aus, mehr konnte Angela aber nicht mehr hören, denn ihr Kopf hatte eine Reise auf einem wilden Trip begonnen. Und alle Sorgen waren wie weggespült …

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