041 – Das süße Leben

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[…]

Sie war wieder hier: Schwester Betty! Und Frederiksen wusste, dass er wieder im Wunderland gelandet war. Eben noch hatte er neben Maya gesessen und bereits der nächste Wimpernschlag hatte ihn in sein ihm inzwischen viel zu vertrautes Krankenzimmer geführt. Doch er hatte nichts genommen. Er war standhaft geblieben und hatte sich die Droge nicht injiziert. Hatte er doch nicht, oder? Die Verwirrung war komplett, als die Schwester ihm sein Mittagessen und Pudding serviert und ihn danach in einem Rollstuhl durch den angeschlossenen Park geschoben hatte.

Das war echt, viel zu echt! Und je länger er in dieser wundersamen Wirklichkeit verbrachte, umso unwirklicher kam ihm seine alte Welt vor. War das hier nicht doch echt und real und das andere, an das er sich als Realität geklammert hatte, die Illusion und der Alptraum? Er hatte einen Arm verloren, war aber schon wieder voll und ganz auf den Beinen? Je mehr er sein Leben hinterfragte, desto mehr Logiklöcher wurden sichtbar. Mehr und mehr fühlte er sich wie im Mittelpunkt eines schlechten Groschenromans, hin- und hergerissen zwischen diesem und einem völlig anderen Leben, in dem er sich mit seiner Frau versöhnt hatte und sie weiter an einer gemeinsamen Zukunft gearbeitet hatten. Sie besuchte ihn hier jeden Tag und jedes Mal brachte sie ihm eine Kleinigkeit mit. Die Frau hatte wirklich ein schlechtes Gewissen, hatte sie ihm doch dieses Ding an den Kopf geschmissen, was war es? Und unvermittelt bröckelte der Mörtel, der das Kartenhaus zusammenhielt und er blinzelte gegen das durch die Fenster in die Flugkabine fallende Sonnenlicht über den Wolken.

Hatte er vor seinem Nickerchen noch eine Tablette eingeworfen, fühlte er sich fit und voller Energie. Im selben Moment war der Traum von einer anderen Welt auch schon wieder vergessen und er fokussierte sich klar auf die Aufgabe! New York City war das Ziel und sobald sie auf der USS Lexington gelandet und aufgetankt, bzw. die Vorräte aufgefüllt hatten, würde es weitergehen. Und sie hatten keine Zeit zu verlieren. Er kämpfte den Gedanken an Team B nieder, denn was immer mit seinen Kollegen und deren Aufpassern in Washington geschehen war, würde er so schnell sowieso nicht erfahren. Um Amy Anderson tat es ihm leid. Das arme Ding war noch grün hinter den Ohren gewesen. Er hoffte, dass sie und die anderen wenigstens einen schnellen Tod gefunden hatten.

Ein Blick auf die Armbanduhr verriet ihm, dass er noch eine knappe halbe Stunde bis zur Landung Zeit hatte. Wenig später würde er sich für den Landeanflug anschnallen müssen und davor wollte er noch einmal einen Blick auf die Satellitenbilder werfen, die sie vor dem Abflug von der Aufklärung erhalten hatten. Schließlich wollte er nicht blind in ein mögliches Krisengebiet gehen. Auch die Anzüge mussten noch geprüft und entsprechend abgedichtet werden. Eine Aufgabe, die man nicht unterschätzen sollte, denn jeder Fehler endete hier draußen schnell tödlich.

Und wieder stutzte er kurz, aber so viel Energie und Elan hatte er wirklich seit Monaten nicht gehabt. Er musste diese positive Energie nutzen und proaktiv vorgehen. Für Amy und die anderen, für van Veidt und für den Rest der Menschen, die eine Antwort verdienten.

Das Signal war aus der Gegend um Newark gekommen, da musste also jemand mindestens einen kleinen Stützpunkt betreiben. In der Gegend gab es viele verfallene Industrieanlagen, die sogar vor der Katastrophe schon vor sich hingerostet hatten. Was würde sie dort nur erwarten? Sicher war nur eins: Die Aufklärungsmission musste zu einem Erfolg führen, um endlich einmal einen Vorsprung zu ihren Widersachern aufzubauen. Und so setzte die Maschine hart, aber pünktlich auf dem Flugzeugträger auf.

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