039 – Abrechnung

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[…]

»Ein Desaster! Ein absolutes Desaster!«, Präsident Epharim Foster III tobte durch sein Amtszimmer in seinem persönlichen Bunker, während Jimmy versuchte, ihn zu beruhigen. »Sir, Sie sollten vielleicht doch überlegen, die Karten auf den Tisch zu legen und gemeinsam eine diplomatische Lösung anzustreben. Ich meine …« – »Sind Sie Demokrat oder Warmduscher oder beides?«, fiel ihm das alternde Staatsoberhaupt ins Wort. »Sir, mit allem nötigen Respekt, Ihre Beraterin ist außer Kontrolle und hat sich in der Forschungseinrichtung in Newark verschanzt, das Infiltrationsteam wurde entdeckt und aufgerieben oder gefangen genommen und die biologische Gefahr bewegt sich weiter auf uns zu. Das sind drei Fronten, an denen Sie nicht gleichzeitig kämpfen können.«

Foster straffte die Schultern und fixierte seinen Assistenten mit ernster Miene: »Man merkt, dass Sie nie in der Löwengrube gedient haben. Was hier passiert ist, ist desaströs! Und dass keine unserer Bemühungen gefruchtet hat, ist tragisch, aber bitte, Sie sprechen von Kapitulation, bevor wir überhaupt Stärke zeigen konnten! Vergessen Sie nicht, dass wir noch die Kontrolle über die Kurz-, Mittel- und Langstreckenwaffen der alten Regierung haben. Bevor dieses Pflanzending uns zu nahe kommt, schmeißen wir eine Bombe drauf! So haben das mein Vater, mein Großvater und mein Urgroßvater vor ihm gemacht. Sagen Sie mir lieber, welche Optionen wir im Bezug auf das Newark Problem haben? Wann knacken unsere Leute den Bunker?«

Jimmy seufzte. Egal was er dem Präsidenten empfahl, er war sich sicher, dass sein Vorgesetzter genau das Gegenteil von dem tat und er hängte sein Fähnchen permanent nach dem Wind, als wäre er immer noch im Wahlkampf. Und dass er hier mit dem atomaren Arsenal der ehemaligen US Regierung hantierte, machte es nicht besser. »Sir, der Bunker wurde gebaut, um einen dritten Weltkrieg zu überstehen. Aktuell hat der Trupp gerade mal eine Beule in die Tür gemacht – an einen ernsthaften Schaden war gar nicht zu denken!« – doch das Oberhaupt wollte sich nicht geschlagen geben: »Ich habe gesagt, valide Optionen. Natürlich habe ich nicht vor, eine Atombombe auf amerikanischem Grund und Boden zu zünden, das wäre Gift für die Umfrageergebnisse. Nein, nein, diese irre gelaufene Humanbiologin muss ausgehungert werden. Veranlassen Sie bitte alles Notwendige!« – Jimmy zuckte mit den Schultern und ließ ein »Jawohl, Sir!« vom Stapel. Seinen Chef darauf hinzuweisen, dass sie keinen Zugriff auf das Versorgungsnetz hatten, interessierte den alten Herren sowieso nicht. Dann könnte er sich diese Diskussion eigentlich ersparen und sich um die wichtigeren Dinge kümmern.

So hatte er Techniker mit einem Bataillon Überwachungsdrohnen beauftragt, mehr über die anschwellende biologische Katastrophe herauszufinden. Dieses Pflanzending hatte inzwischen ganz Washington verwüstet und wer wusste schon, wohin es sich als Nächstes seinen Weg grub. Fieberhaft überlegte er, wie er mit den anderen Parteien im Spiel in Kontakt treten könnte, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Hatte er dann einen Plan in der Hand, würde der Präsident vielleicht eher gewillt sein, sich diesen anzuhören. Und ohne die Zustimmung des pathetischen Alten würde er sowieso nicht weit kommen – zu treu stand die Truppe hinter dem ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Die Mission nach San Diego war ein Fehlschlag, er würde sich aber nicht wundern, wenn die andere Seite nicht einen Trupp für einen Gegenbesuch auf den Weg gebracht hatte. Und auf diesen mussten sie sich vorbereiten. Bis irgendjemand sie in Niagara Falls finden würde, sollten noch ein paar Wochen ins Land gehen – zumindest wenn alle vorsichtig waren. Jedoch war es in seinen Augen nur ein Aufschub und die politischen Probleme mit den Anderen bestünden weiter. In jedem Fall musste etwas geschehen und er würde alles wieder in die richtigen Bahnen lenken.

Ein Vibrationsalarm in seinem Handy holte ihn aus den Gedanken. Er empfahl sich beim Präsidenten und machte sich direkt auf den Weg zum Kontrollcenter. Vielleicht hatte sich eben die Chance eröffnet, auf die er die letzten Jahre gewartet hatte … und er konnte beweisen, was er wirklich wert war!

Ende Kapitel 8

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