038 – Hoffnung

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Frederiksen drückte zwei Schmerztabletten aus der Verpackung, stürzte sie mit einem Glas stillen Wassers herunter und griff nach seinem nicht mehr existierenden, rechten Arm, der heute einmal mehr von einem ziehenden Schmerz durchzogen wurde. Vor ihm auf dem Ausklapptischchen stand ein Glas Whiskey mit zwei Eiswürfeln, die sich langsam aber stetig auflösten. Außerdem lag da ein schwarzes Mäppchen, das Forbes ihm vor dem Start in die Hand gedrückt hatte.

»Ich weiß, wir hatten einen schlechten Start, aber das hier wird Ihnen helfen!« – überrascht hatte er das Täschchen an sich genommen, einen kurzen Blick hinein- und einen fragenden Blick zurückgeworfen. »Ist es das, wofür ich es halte? Ist das ein schlechter Witz?« – ein Satz aus 5 Ampullen mit Einwegspritzen blitze ihm entgegen. »Ja und nein, das ist nicht das Zeug von der Straße. Es kann Ihnen gegen die Schmerzen helfen und Sie für eine kurze Zeit mental und physisch stärken. Aber nicht mehr als 10mg pro Tag und Sie sind sicher!« – wie konnte Shangrilla sicher sein und was hatte es mit seinem Zustand zu tun? Wie sollte ihm die Rückkehr zu dieser Droge bei der Mission helfen? Er hatte Forbes einen wütenden Blick zurückgeworfen, das Mäppchen an sich genommen und war in der Maschine verschwunden.

Am Morgen hatten die beiden bereits eine sehr hitzige Auseinandersetzung gehabt, weil Forbes Porter auf ihn angesetzt hatte. Verdammt sollte er sein! Frederiksen glaubte immer noch, dass der Altmilitär ein eigenes Spiel spielte, auch wenn er gerne versuchte, den väterlichen Typ zu geben. Wäre van Veidt nicht angeschossen worden und hätte sich die Lage nicht so dramatisch verändert, Forbes wäre geflogen. Stattdessen war er jetzt am Drücker, während van Veidt nach der Operation auf der Intensivstation unter Beobachtung lag.

Jetzt sah Frederiksen zum Fenster der kleinen Privatmaschine hinaus und beobachtete die tief unter ihnen vorbeiziehenden Wolken. Von hier oben sah alles so friedlich aus. Das Leben, wie es sein sollte mit viel Sonnenschein und Frieden. Keine Spur von der Zerstörung und dem Kampf vor wenigen Stunden. War Frederiksen wieder fit? Wohl kaum. Doc Randle hatte protestiert, musste sich aber um van Veidts Operation kümmern. So hatte Frederiksen eine Packung Schmerzmittel bekommen und maximierte deren Wirkung mit etwas Whiskey. Apropos, er nahm einen Schluck und spürte, wie sich sein Verstand zurückzog und sein Kopf in einer Wolke aus Ahnungslosigkeit verschwand. Diesmal flogen sie nicht über Miami, sondern würden direkt auf der USS Lexington landen, die zwischenzeitlich südwärts die Küste entlang unterwegs war und sich so in direkter Reisereichweite befand.

Frederiksens Blick verschwamm und die Bilder von letzter Nacht lösten sich langsam auf. Er entspannte sich, nur um plötzlich in einem Garten zu sitzen und die Frühlingsluft zu schnuppern. Und da saß wieder Maya neben ihm, fast wie in seinem ersten Traum. Trotzdem war es anders, sie saßen nur da. Eine erfrischende Stille des einfachen Glücks umfing ihn, während die Stewardess die leere Spritze entsorgte, die sie ihm eben verabreicht hatte. Eine Reise ins Ungewisse stand ihm bevor. Was auch immer ihn in den Ruinen von New York erwarten würde.

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