037 – Gefangen

chap008

[…]

Angela starrte bleierne Momente lang eine graue Betondecke an, bevor sie einen ersten Versuch machte, sich aufzurichten. Wenig überraschend klappte das nicht, ein Gurt hielt sich. Wenigstens bedeutete das, dass sie nicht tot war. Der Moment der Erleichterung wurde von einem Moment der Erkenntnis und einer aufkeimenden Panik abgelöst, als sie sich unter Schmerzen gegen ihre Gefangenschaft stemmte.

Aber außer pochenden Schmerzen, die sich vom Kopf aus in ihren gesamten Körper ausbreiteten, hielten sie straffe Gurte fest. Sie resignierte für den Moment. Was war nur geschehen? Dieser Kampf, gegen was auch immer sie da angegriffen hatte, war nicht gut für sie ausgegangen. Sie hatte viele gute Leute sterben sehen und hatte fest mit ihrem eigenen Tod gerechnet. Wie lange sie wohl hier schon lag? Und wo war dieses hier? Was hatte man mit ihr angestellt? Ihr Körper fühlte sich taub und nutzlos an.

Das ungewohnte Gefühl der Hilflosigkeit und das beklommene Gefühl der Unsicherheit kamen als Nächstes und sie begann zu ahnen, dass diese Gefühlsregungen, die sie als Soldat immer so gut unterdrückt hatte, aufgrund was auch immer man mit ihr gemacht hatte, sie wellenartig überschwemmten. Aus den Augenwinkeln gab der Raum, in dem sie lag, wenig Preis. Keine Möbel, Fenster oder sonst etwas anderes als die grauen Wände.

Sie horchte auf die Stille und meinte ein tiefes Brummen auszumachen, aber ansonsten herrschte absolute und unangenehme Stille. Ein Bunker? Ein Labor? War sie immer noch in Washington? Oder hatte man sie verlegt und wenn ja wohin? Und warum hielt man sie fest? Was sollte das Ganze? Diese Fragen, auf die es keine Antworten gab, trieben sie in den Wahnsinn. Was auch immer hier gespielt wurde, sie wollte kein Teil davon sein. Sie wollte nur weg und zurück in die sichere Geborgenheit ihrer Truppe. Doch jetzt blieb ihr nichts anderes übrig als abzuwarten und das hasste sie am meisten. Ein wütender, ohnmächtiger Schrei entglitt ihr, bevor sie sich genervt für den Moment mit dem Unabänderlichen abfand.

[…]

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